Samstag, 16. November 2019
† Hannelore Elsner
Hannelore Elstner (1942 - 2019)
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Sie war eine eine Ikone des deutschen Films, spielte in zahlreichen TV-Serien und -Filmen – Hannelore Elsner ist am Ostersonntag nach kurzer, schwerer Krankheit gestorben.
Das Leben der gebürtigen Bayerin, die heute zu den größten deutschen Schauspielerinnen zählt, war bewegend: Schon als kleines Mädchen musste sie den Tod ihres geliebten älteren Bruders verkraften. Bald darauf starb auch der Vater. Sie wechselte häufig die Schule und übernahm als 14-Jährige in München kleinere Jobs, weil das Geld knapp war.
An den Beruf der Schauspielerin habe sie als Schülerin nie gedacht, berichtet sie in ihrer Autobiografie „Im Überschwang: Aus meinem Leben“. Mit 16 wurde sie bei einem Spaziergang mit ihrer Mutter in München von dem türkischen Regisseur Halit Refig entdeckt. Nach Proben in Istanbul durfte sie auf die Schauspielschule, musste dafür aber kleinere Rollen in Filmen mit Stars wie Hans-Joachim Kulenkampff und Freddy Quinn übernehmen. Sie schwärmte jedoch für den Französischen Film: »Solche Rollen wollte ich später immer spielen, schwer und leicht zugleich.«
Ihre Agentin hatte ihr damals geraten, die Nase schmaler machen, die Zähne begradigen zu lassen und sich einen Künstlernamen zuzulegen. Sie hörte nicht darauf, strich nur das „t“ aus ihrem Geburtsnamen. Mit etwa 19 Jahren stand sie zum ersten Mal auf einer Theaterbühne. Fünf Jahre später soll sie in den Kammerspielen in „Tango“ (1966) die erste Nackte auf einer deutschen Bühne gewesen sein.
Sie war in mehr als 200 Fernseh- und Kino-Rollen zu sehen. Ihre erste von zahlreichen Auszeichnungen bekam Hannelore Elsner mit 29 Jahren: die Goldene Kamera für die Rolle der Sasha in der Verfilmung von Anton Tschechows Stück „Iwanow“. Ihren Ruhm als preisgekrönte Charakterdarstellerin begründete sie erst um die Jahrtausendwende.
Ihr Kinodebüt gab sie 1961 in dem Film Das Mädchen mit den schmalen Hüften. Starregisseur Jürgen Roland vertraute ihr ein Jahr später in der Krimiserie Stahlnetz ihre erste Hauptrolle an. Als Durchbruch zu internationaler Anerkennung gilt ihre Hauptrolle in Alf Brustellins Film Berlinger (1975). Drei Jahre später drehte sie mit ihm Der Sturz nach einem Roman von Martin Walser.
Sie war zweimal verheiratet (und geschieden) und brachte 1981 ihren Sohn Dominik zur Welt, der aus einer Affäre mit Regisseur Dieter Wedel hervorging. Sie verbrachte Monate mit dem Neugeborenen im Krankenhaus, weil es zu früh geboren wurde. Kurze Zeit später verunglückte ihr damaliger Lebenspartner Alf Brustellin bei einem Verkehrsunfall. Ihn lernte sie bei den Dreharbeiten für den Kinofilm Die Reise nach Wien mit Elke Sommer und Mario Adorf kennen. Die Dreharbeiten halfen ihr über den plötzlichen Tod ihrer Mutter hinweg, das Verhältnis schilderte sie als schwierig.
Später war die Schauspielerin »drei wunderschöne Jahre« mit dem Filmproduzenten Bernd Eichinger zusammen. 1993 heiratete sie den Theaterdramaturgen und Verlagsleiter Uwe Carstensen und zog mit ihm von München nach Frankfurt. Die Ehe ging jedoch, wie auch zuvor 1966 mit dem 18 Jahre älteren Schauspieler Gerd Vespermann, im Jahr 2000 auseinander, in dem übrigens auch ihr erster Ehemann verstarb.
Im Fernsehen war Hannelore Elsner in der ARD-Serie Die Kommissarin (1994-2006) besonders erfolgreich. Als Lea Sommer ist sie lange eine der bekanntesten deutschen TV-Ermittlerinnen. In Pumps, Kostüm und schwarzer Lederjacke ermittelte sie in fast 70 Folgen. Til Schweiger war anfangs ihr Assistent.
Für ihre Darstellung einer vom Leben gekennzeichneten Schriftstellerin in Die Unberührbare (2000) sowie für für ihren Leinwandmonolog einer Schauspielerin in Mein letzter Film (2002) erhielt sie den Deutschen Filmpreis. Zu ihren großen Kinoerfolgen gehörte auch ihre Rolle in Doris Dörries Kirschblüten – Hanami (2008) an der Seite von Elmar Wepper, mit dem sie auch in der Fortsetzung Kirschblüten & Dämonen derzeit im Kino zu sehen ist.
Der Schauspieler war von dem plötzlichen Tod seiner Kollegin schwer getroffen: »Wir waren ja nicht nur über viele Jahre beruflich zusammen, sondern uns hat auch eine tiefe Freundschaft verbunden«, sagte er gegenüber FOCUS Online. »Was soll ich sagen? Im Moment fehlen mir einfach die Worte.«
Erst vor kurzem stand sie noch für den Frankfurt-Tatort „Die Guten und die Bösen“ vor der Kamera, der im April nächsten Jahres ausgestrahlt werden soll. Zuletzt drehte sie für den BR den Film Lang lebe die Königin, in der sie eine hartherzige Mutter spielt, dessen Beziehung zu ihrer Tochter auf eine harte Probe gestellt wird, als sie ironischerweise an Krebs erkrankt. Da die Dreharbeiten noch nicht abgeschlossen waren, ist derzeit unklar, wie und ob es mit dem Film weitergeht.
Im Juni wird sie zunächst nochmal im Fernsehen an der Seite von Uschi Glas und Jutta Speidel zu bewundern sein. In dem Film Club der einsamen Herzen spielt sie eine von drei Freundinnen, die sich nach Jahrzehnten wiedersehen und ihren alten Plan, ein Tanz-Café zu eröffnen, wieder in Angriff nehmen.
Im Kino kann man sie auch nochmal sehen: In dem Episodenfilm Berlin, I love you geht es, wie schon bei den Vorgängern Paris, je t’aime und New York, I love you um Menschen in einer Großstadt und dessen Liebeserklärung an diese. Der Film, der in den USA bereits im Februar in die Kinos kam, und in dem Til Schweiger bei einem Segment Regie geführt hat, kommt am 13. Juni in die deutschen Kinos.

21.04.2019 | mz
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