Sonntag, 16. Juni 2024
† Jean-Luc Godard

(1930–2022)

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* 3. Dezember 1930 | Regisseur
Er war mit seinen mehr als hundert Filmen der wohl einflussreichste Regisseur der Nouvelle Vague. Nun ist Jean-Luc Godard mit 91 Jahren gestorben.
Mehr als 40 Spielfilme, zahlreiche Kurzfilme, experimentelle Dokumentarfilme, Essays und Musikvideos hat der französisch-schweizerische Regisseur im Laufe seines Filmschaffens produziert, einige auch als Drehbuchautor oder Mitregisseur. Sie gelten in ihrer Form, Ästhetik und Gesellschaftskritik als wegweisend. Seine Filme sind durch eine freie Form, das Experiment mit Kamerabewegungen und oftmals keiner linearen Handlung gekennzeichnet. Der Regisseur brach hiermit die damals üblichen Sehgewohnheiten.
Zu den wichtigsten Werken gehören Außer AtemDie Verachtung und Elf Uhr nachts. Jean-Luc Godard drehte unter anderem mit Stars wie Jean-Paul Belmondo, Brigitte Bardot oder Michel Piccoli. 2010 wurde er mit dem Oscar® für sein Lebenswerk ausgezeichnet, doch anwesend war er bei der Verleihung nicht. Auf seine Abwesenheit angesprochen, erklärte er: »Ich habe kein Visum für die USA und habe auch keine Lust, eines zu beantragen. Und ich will nicht so lange fliegen.«
Zunächst wurde mitgeteilt, dass der Regisseur friedlich zu Hause in der Schweiz im Kreis seiner Angehörigen im Alter von 91 Jahren gestorben war. Wie später bekannt wurde, hatte er letztlich Beihilfe zum Selbstmord erhalten. »Herr Godard hat die in der Schweiz legale Hilfe zu einem freiwilligen Abschied in Anspruch genommen«, wird Patrick Jeanneret, ein Berater der Familie, in der Nachrichtenagentur AFP zitiert.
Die französische Zeitung Libération, die zuerst über den Todesfall berichtet hatte, zitiert hingegen eine andere, nicht namentlich genannte Person, die der Familie nahestünde: »Er war nicht krank, er war nur erschöpft. Also traf er die Entscheidung, es zu beenden. Es war seine Entscheidung und es war ihm wichtig, dass sie bekannt wurde.« Dies habe eine weitere Person aus dem Umfeld des verstorbenen Regisseurs bestätigt.
Nach einem schweren Autounfall in den 1970er Jahren zog er sich immer mehr aus der Filmwelt zurück. Seinem Ansatz, das Kino zu revolutionieren, blieb er sein Leben lang treu. Bis zuletzt hat er die Grenzen des Kinos und des Films ausgelotet. Im Laufe seiner Karriere entfernte sich Jean-Luc Godard immer weiter vom realistischen Erzählkino. Sein letztes Werk war Bildbuch aus dem Jahr 2018. Darin montierte er Ausschnitte aus der Filmgeschichte mit YouTube-Clips oder Mobiltelefonaufnahmen. Dieser Filmessay wurde auf den Filmfestspielen in Cannes 2018 mit einer Sonderpalme ausgezeichnet.
† 13. September 2022 | Assistierter Selbstmord

27.03.2024 | mz
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