Donnerstag, 23. September 2021
Interview mit Andreas Zmuda und Doreen Kröber
vogelFREI.
Hier bei dieser Dschungelexpedition im Amazonas lernten wir uns kennen und lieben - Andreas als Reiseleiter und Doreen als damalige Touristin
📷 Doreen Kröber | © Trike-Globetrotter-Project, Kröber & Zmuda GbR
Andreas Zmuda wurde vor etwas über 50 Jahren als Einzelkind in West-Berlin geboren und „wurschtelte“ sich schon vor seinem Flugabenteuer vielseitig durchs Leben – als Elektriker (mit Gesellenbrief!), Gärtner, „Häuslebauer“, Versicherungsvertreter, Fußballtrainer, Gründer des „1. Berliner Baustellen-Frühstücks-Service“ und vielem mehr! Ab seinem 15. Lebensjahr reiste er mit dem Rucksack durch ganz Europa, ehe er in den frühen neunziger Jahren nach Venezuela auswanderte, um einige Monate völlig isoliert von jeglicher Zivilisation mit dem einheimischen Indianerstamm der Pemón in dem riesigen Dschungel von Venezuela und Englisch-Guyana zu verbringen.
Während seines Aufenthalts dort erlebte er wunderbare Begegnungen mit diesen faszinierenden Menschen und tiefe Einblicke in ihre Kultur, Traditionen und Lebens-weise sowie die südamerikanische Flora und Fauna. Er erlernte die spanische Sprache und beschloss, sich zunächst in Venezuela und später in Kolumbien, Ecuador, Belize, den Bahamas und die meiste Zeit auf der karibischen Robinson-Insel Tobago nieder zu lassen, sich eine Existenz aufzubauen und das Leben und die dortige Kultur in vollen Zügen zu genießen.
Nachdem Andreas mit seinem Zahnarzt 2004 in Ecuador einige Runden mit einem Trike geflogen war, entdeckte er seine Leidenschaft für dieses Fluggerät. Daraufhin machte er im gleichen Jahr seine Sportpiloten-Lizenz in Florida. In Süd- und Mittelamerika arbeitete er die letzten 22 Jahre als Reiseleiter und Organisator von Abenteuer-Touren und Dschungel-Expeditionen, bis er bei einer Amazonas-Expedition „seine“ Doreen traf – die ihn motivierte, nach Europa zurück zu kehren – zumindest für kurze Zeit.
Andreas‘ größtes Hobby ist es, sein Leben zu genießen. Dazu gehören, neben vielen Outdoor-Aktivitäten, guter Wein und tolles Essen sowie aufregende Reisen auf der ganzen Welt. Seiner Leidenschaft „in die Luft zu gehen“, mit allem was Flügel hat, möchte er sich die nächsten Jahre noch ausführlicher widmen. Sich »austoben« können, wie er es nennt, mit 50plus, einem Alter, in dem viele bereits an den bald bevorstehenden Ruhestand denken.
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Doreen Kröber wurde vor 48 Jahren in Halle (Saale), in der ehemaligen DDR, geboren. Aufgewachsen als Einzelkind in einer sehr liebevollen Familie, ging sie als Teenager auf eine Berliner Sportschule, da dort ihr Eisschnelllauftalent weiter gefördert werden sollte. Nach dem erfolgreichen Studienabschluss als Dipl. Wirtschaftsingenieurin (FH) galt ihre berufliche Leidenschaft der Realisierung von Bauprojekten.
Vor dem Start der gemeinsamen Expedition arbeitete sie sechs Jahre im Projektmanagement und als Koordinatorin im Teilprojekt Hochbau am Bauprojekt des neuen Großraum Flughafens Berlin Brandenburg (BER) mit. Ihre Lieblingshobbies ähneln denen von Andreas: vielseitige Outdoor-Aktivitäten, die Fotografie, guter Wein und stilvolles Essen sowie spannende Reisen zu einmaligen Orten, interessanten Menschen und Kulturen auf der ganzen Welt.
Seit Juni 2012 widmet Doreen ihre ganze Aufmerksamkeit der Umsetzung des gemeinsamen Flugprojektes mit dem Trike. Sie wagte den Sprung ins Unbekannte und gab ihr bis dahin wohl behütetes Leben auf, kündigte ihren geliebten Job beim BER, um mit Andreas abzuheben und die Welt aus einer ganz neuen Perspektive zu entdecken. Nach dem amerikanischen Kontinent und Karibik führt sie ihr Leben als fliegende Nomadin ab 2021 weiter nach Afrika, Asien und Australien…
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100,000 Meilen, 5 Kontinente, 100 Länder und das alles in einem „fliegenden Motorrad“, ohne Kabine oder Windschutzscheibe – wie kommt man auf solch eine verrückte Idee?
Andreas: Wir kannten uns erst wenige Monate, ich hatte mein Leben in der Wärme Südamerikas für Doreen aufgegeben und saß nun im Winter 2011/12 bei minus 2 Grad Celsius in Berlin. Das war kaum auszuhalten! Wir köpften dann eines Tages ein gutes Fläschchen Rotwein, plauderten über unsere nächste Urlaubsplanung. Da kam mir die Idee, dass wir ein Trike in den USA kaufen könnten, einen Anhänger dafür und ein gebrauchtes, kleines Wohnmobil. Und damit fahren Doreen und ich sechs Wochen durch die USA und fliegen über San Francisco, Florida, den Grand Canyon und und und…!
Doreen: Ja, das war eine super Idee! Aber du hast doch auch in Belize, Kolumbien, Venezuela, Ecuador und der Karibik gelebt. Das wollte ich natürlich auch gerne sehen!
Andreas: Gut, dann vergiss das Wohnmobil, wir packen ein kleines Zelt ein, du nimmst ein Jahr Auszeit und wir erkunden den ganzen amerikanischen Kontinent, die Karibik und ich fliege das Ding über den großen Teich bis nach Deutschland zurück.
Doreen: Ja super, dachte ich mir, und wir köpften die zweite Flasche Wein. Aber so im Tiefflug über die Elefanten in Afrika zu fliegen, das war schon immer mein Traum! Afrika musste also auch mit im Plan drin sein!
Andreas: Ich atmete kurz durch und antwortete: Klasse, dann lass uns Nägel mit Köpfen machen! Du kündigst deinen Job, wir verkaufen alles und fliegen von Afrika auch noch nach Asien und Australien und machen die Welttour rund. In 3 bis 4 Jahren sollten wir unser Ziel Sydney in Australien erreichen!
Doreen: Darauf stießen wir mit der dritten Flasche Wein an, und gesagt – getan! Wenige Wochen später ging es ja dann auch gleich los!
Als ich von eurer Reise hörte, dachte ich spontan: So etwas ist unmöglich. Hattet ihr bei der Planung nie solche Gedanken?
Doreen: Wenn man einen Traum hat, sollte man alles dafür tun, diesen auch in die Realität umzusetzen. Dabei lässt sich nicht alles im Voraus planen, und es gibt auch keine Erfolgsgarantie oder ein Patentrezept. Wenn man im Vorfeld nur daran denkt, was alles passieren könnte, wird man wohl niemals losfliegen. Alle Menschen lösen tagtäglich immer wieder neue Probleme. Wir halt auch. Man muss nur an sich glauben!
Andreas, seit wann fliegst Du schon selbst?
Andreas: Meine ersten Flugversuche machte ich mit ganz normalen Kleinflugzeugen, als ich in Kapstadt, Südafrika, lebte. Doch meine wahre Liebe zum Fliegen entdeckte ich in Ecuador mit meinem dortigen Zahnarzt, als wir mit seinem Trike die endlosen Strände entlanggeflogen sind. Ich wurde süchtig danach, frei wie ein Vogel zu fliegen und den Wind im Gesicht zu spüren. So machte ich sofort meine Sportpilotenlizenz in den USA und, in Vorbereitung auf unseren Weltflug, meine Private-Piloten-Lizenz. Mein erstes eigenes Trike war im Übrigen ein „fliegendes Schlauchboot“, mit dem ich Einheimische und Touristen rund um die Maya-Ruinen in Belize flog, als ich dort gelebt habe und als Tourguide tätig war.
Ein Trike, ein fliegendes Motorrad, wie muss man sich das vorstellen?
Andreas: Wie ein Motorrad eben, nur dass es hinten zwei Räder hat und oben drüber ein drachenartiges, 12 Quadratmeter großes Segel. Theoretisch könnte man damit auch auf der Straße fahren, denn das Segel lässt sich einklappen – ist aber nicht erlaubt. Auch wenn es nicht so aussieht, das ist ja ein zugelassenes Flugzeug, und dafür gibt es Flughäfen. Hinten ist ein großer, 100 PS starker 4-Zylinder-Flugzeugmotor, welcher uns mit seinem Propeller antreibt.
Was hat euch inspiriert, gerade dieses ungewöhnliche Flugmobil auszuwählen?
Andreas: Ich wollte auf keinen Fall in einer geschlossenen Kabine fliegen. Es musste etwas sein, was mindestens 100 km schnell fliegt, 35kg Gepäck und Ausrüstung aufnehmen kann und uns mindestens 500 km sicher über den Dschungel oder über das Meer bringt. Sicher, er gibt auch offene normale Flugzeuge oder Tragschrauber, den ich ja bereits in Australien geflogen war. Aber diese Fluggeräte waren einfach nichts für unser bescheidenes Budget. Dann blieb nur ein gewichtsgesteuertes Trike – und das war auch gut so. Wir lieben unseren kleinen Birdy!
Wie lange dauerten die Vorbereitungen?
Doreen: Losgeflogen sind wir am 21. Juli 2012, Andreas‘ 50. Geburtstag. Da Andreas alle seine Pilotenlizenzen in Zephyrhills, einem kleinen Ort in Florida/USA, gemacht hatte, starteten wir von dort aus. Zuvor hatte Andreas sich schon einige Wochen in Deutschland vorbereitet und insbesondere die Ausrüstung sorgsam zusammengestellt. Ich habe bis zum Schluss noch gearbeitet, war kaum involviert. In Florida hatten wir dann nochmals extrem stressige sechs Wochen für die Vorbereitungen, da unser Trike ja in Einzelteilen aus Frankreich angeliefert wurde und ein Flugzeugmechaniker alles noch zusammenbauen musste. Wenn man alles durchplanen würde, dann kommt eher der Moment, wo eher die Probleme als die Freude überwiegen und man gibt auf. Also lieber träumen, entscheiden, den Traum zu verwirklichen, grob planen, und dann geht’s los. Denn richtig fertig wird man mit den Vorbereitungen eigentlich nie, und auch heute ist jeder Tag wie ein neues Projekt für uns.
Wie weit fliegt man ca. an einem Tag?
Andreas: Wir sind mit ungefähr 100 km/h unterwegs und schaffen zwischen 200 und 400 Kilometer am Tag. Da oben ist es schon recht frisch und auch ziemlich anstrengend. Denn es gilt nicht nur, die richtige Route zu fliegen, wo ja, im Gegensatz zum Auto, auch noch die genehmigte Flughöhe gehalten werden muss, sondern auch das Wetter zu beobachten, die Landschaften unter einem, die gefährliche Ab- und Aufwinde produzieren können. Und dann muss ich den Flugverkehr beobachten und natürlich auch mit den Fluglotsen und anderen Piloten Funkkontakt halten. Dazu muss der Öldruck und die Temperatur des Motors permanent überwacht werden, die Betriebsspannung der Batterie usw. Da bin ich dann froh, nach 2 bis 3 Stunden wieder unten zu sein, eine Toilette zu haben und ein gutes Frühstück!
Doreen: Wir fliegen immer bei Sonnenaufgang los, da dann das Wetter am ruhigsten ist. Und wir frühstücken nicht, damit wir nicht für einen Toilettenstopp den Flug unterbrechen müssen. Und nach 2-3 Stunden bekommt mein Andreas dann immer Hunger.
Wie meistert man so eine Tour als Paar?
Doreen: 365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag permanent auf engstem Raum zusammen zu sein, da rasselt es auch schon mal etwas im Karton. Da muss man neben der Liebe auch einen starken Willen und Glauben an das gemeinsame Abenteuer haben und einen Weg finden, wie man sich schnell wieder verträgt. Oben in der Luft können wir über die im Helm integrierten Mikrofone miteinander reden, aber Andreas kann mir hier auch schon mal den Ton abdrehen – wobei wir während des Fliegens eher das Erlebnis aufsaugen und wenig sprechen.
Ihr seid nun bereits 8 Jahre unterwegs und habt bewiesen, dass es möglich ist. Was waren eure größten Highlights?
Andreas: Das Highlight schlechthin ist das Gefühl, frei wie ein Vogel dort oben zu schweben, und dann auch noch zusammen mit der Frau, die man so sehr liebt. Das muss man machen, es fühlen, um es zu verstehen. Dazu dieser einzigartige Blick, den ansonsten nur die Vögel haben, während einem der Wind um die Nase weht und man Düfte dort oben einatmet. Man riecht die Orangenfelder, die frisch gemähten Wiesen, die Wälder, die salzhaltige Luft über der Karibik. Die Flüge über Wüsten, die unten langweilig braun und grau aussehen, zeigen dort oben wunderbare Schattierungen – wie Gemälde. Das türkisblaue Wasser der Karibik hat tausende unterschiedliche Farbtöne, die Strände sind von oben gesehen nochmals weißer, die Palmen grüner. Bergsteiger genießen das Gipfelerlebnis von oben, sehen hunderte andere Berge, Täler und Schluchten. Das alles sehen wir bei jedem Flug. New York oder Rio de Janeiro von oben zu sehen und über den Hudson River oder dicht über den Häuserschluchten zu schweben, kann man mit Worten nicht beschreiben. Die Welt von oben ist einfach nur wunderschön!
Doreen: Wenn man die Nachrichten sieht oder Zeitungen liest, dann kann man schon depressiv werden, so viele Probleme scheint die Welt zu haben. Wir haben genau das Gegenteil erfahren. Denn egal  welches Land, welche Kultur, welche Sprache, ob reich oder arm, alt oder jung – wir haben nur Menschen getroffen, die uns mit einer so warmen Herzlichkeit und Liebe empfangen haben, solch einer Gastfreundlichkeit, die wir nie vergessen werden.
Und euer schlimmster Moment?
Andreas: Jedes Mal, wenn ich wetterbedingt nicht fliegen kann.
Was würdet ihr als die größte Entbehrung unterwegs bezeichnen?
Doreen: Entbehrung ist das falsche Wort. Wir gewinnen mit weniger so viel. Wir fühlen uns viel freier und selbstbestimmter. All die materiellen Dinge, die mir vorher noch wichtig waren, fehlen mir überhaupt nicht. Wir erleben so viel, treffen so herzliche Menschen und neue Freunde, lernen verschiedene Kulturen kennen und genießen jeden Tag die Schönheit unserer Erde.
Andreas: Vollkornbrot und guten Käse.
Unternehmt ihr auch Ausflüge zu Fuß und wenn ja, welche Region hat euch bis jetzt am meisten begeistert?
Doreen: Anfangs ist Andreas nur so von einem Flugplatz zum nächsten gesaust. Bis ich dann mein Veto eingelegt habe, schließlich möchte ich am Ende ja nicht nur Flugplätze gesehen haben. Daraufhin haben wir uns von unserem ersten Zeitplan verabschiedet und sind nun entschleunigter unterwegs gewesen. So hatten wir die Möglichkeit, in die fremden Kulturen auch wirklich einzutauchen und mehr Zeit mit interessanten Leuten zu verbringen. Der Film spiegelt das wieder und erzählt sowohl über unser Leben als fliegende Nomaden – aber auch über die vielen tollen Erlebnisse, die sich am Boden und drum herum ereignet haben.
Andreas: Mich begeistern die verschiedenen Kulturen. In Süd- und Mittelamerika sind wir auf den Maya-Tempeln gewesen, oder in Peru bei den Mumien unbekannter Kulturen – mitten in der Wüste. Da sind wir viel gewandert. Aber auch der Dschungel fasziniert mich mit den vielen unterschiedlichen ethnischen Gruppen. Oder in der Karibik die alten Sklavenpfade, wo man sich zurückversetzt fühlt in diese schreckliche Zeit. Und dann diese aktiven Vulkane dort, von denen wir so einige erklommen haben. Das zeigen wir auch in unserem Film.
Wie läuft ein Tag in eurem Leben als fliegende Nomaden ab?
Andreas: Langeweile haben wir nie! Es steckt schon auch viel Arbeit in der sorgfältigen Flugvorbereitung, von der Routenplanung bis zum Wetter. Das allein beansprucht für jede Flugstunde rund 3 bis 5 Stunden. Dazu kommt der Bürokram, da müssen wir Erlaubnisse einholen und den Flugplan ausfüllen.
Doreen: Auch müssen die Bilder und Videoaufnahmen nach jedem Flug gesichtet und gespeichert werden. Da sitze ich gut und gerne 5-6 Stunden dran. Dazu kommen Postings auf Facebook und im Blog.
Andreas: Fliegen ist auch nichts für Langschläfer. Meist fliegen wir schon bei Sonnenaufgang los, um den Wind und die Thermik zu umgehen. Nach 2 bis 3 Stunden Flug landen wir dann auf kleinen, aber auch großen, internationalen Flughäfen. Dann vergehen 2 bis 3 Stunden für Auftanken, Papierkram erledigen, einen Schlafplatz organisieren – in einer einfachen Pension, im Zelt, in der Hängematte etc. Inzwischen knurrt der Magen, gegen 14 Uhr dann das erste Essen. Wenn wir am folgenden Tag weiterfliegen, bleibt nur am Abend Zeit für einen kleinen Bummel, natürlich ohne Alkohol. Denn am Nachmittag beginnen schon die Vorbereitungen für den nächsten Flug. Daher bleiben wir gerne auch mal einige Tage oder manchmal Wochen an einem Ort, um diesen auch kennenzulernen und uns neu zu sortieren.
Das ist doch unglaublich gefährlich. Wie sicher ist ein Trike und seid ihr auf ein Worst-Case-Szenario, z.B. eine Notlandung, vorbereitet?
Andreas: Wie sicher oder gefährlich solch ein Flugabenteuer ist, entscheiden wir. Und wir gehen da immer auf Nummer Sicher! Wenn das Wetter nicht perfekt ist, heben wir nicht ab. Auch was die Flugroute betrifft, versuchen wir immer dort zu fliegen, wo wir bei einem Motorausfall auch noch sicher auf einem Strand oder einer Wiese landen könnten. Das geht jedoch nicht immer. Gerade ein Flug über dichtem Dschungel, wie dem Darién Gap zwischen Panama und Kolumbien oder die weiten Strecken über Wasser sind sehr risikoreich. Hier haben wir für den absoluten Notfall, wenn zum Beispiel das Segel brechen sollte, einen Fallschirm für das gesamte Trike, inklusive uns. Dann gleiten wir mit 8 bis 10 km/h runter auf die Erde oder ins Wasser. Das Trike und unser gesamter Besitz wären dann wahrscheinlich hin, aber wir hätten recht gute Überlebenschancen.
Welches sind bei eurer Art des Reisens die größten Herausforderungen?
Doreen: Das Wetter. Mit solchen Schwierigkeiten war vorher nicht zu rechnen. In Belize beispielsweise regnet es im Januar im Durchschnitt nur 1 bis 2 Tage. Als wir dort waren, regnete es 28 Tage. Oder der Flug von Panama nach Kolumbien. Da jagte eine Gewitterfront die nächste und das über Wochen hinweg. Auch in Ecuador und Peru hatten wir mit für die Jahreszeit absolut unüblichen Wetter mit tief liegenden Wolken zu kämpfen. Und für die Überquerung der Anden mussten wir in Patagonien sieben Wochen warten. Deshalb sind aus dem geplanten einem Jahre für diesen ersten Kontinent dann auch schon vier Jahre geworden.
Andreas: Und die Bürokratie. Daran scheinen sich Beamte weltweit zu erfreuen. Wir brauchen ja immer Einflugs- und Überflugs-Genehmigungen, und manche Länder wollen noch viele andere Dokumente – oder, wie in Peru, wo wir, nachdem die Behörden uns irgendwo im Internet gesehen hatten, schriftlich bestätigen mussten, dass wir keine Kanonen an Bord haben. In Belize wollte das Gesundheitsamt unsere Kabine mit Schädlingsbekämpfungsmittel besprühen. Die wollten nicht glauben, dass wir in einem Flugzeug gelandet sind, das keine Kabine hat. An unserem Trike angekommen, besprühten sie unsere Reifen und wir mussten teures Geld für diesen Service zahlen. Am kompliziertesten war es aber, in Deutschland einzureisen. Wen wundert das eigentlich?
Doch sicher ist es auch lohnenswert – ihr müsst nach allem, was ihr bis jetzt gesehen habt, hin und weg sein von der Schönheit der Natur?
Doreen: Ja. Die Eindrücke, angefangen vom rot leuchtenden Monument Valley, der Andenüberquerung mit den aktiven Vulkanen, die farbenfroh schillernden Salzlagunen in der Atacamawüste, dunkelgrüne Dschungelteppiche im Amazonasgebiet, das unglaubliche Blau des karibischen Meers und Großstadtmetropolen wie Panama City, New York oder Rio de Janeiro und die Tundra im Norden Kanadas machen das alles auch noch sehr abwechslungsreich.
Andreas: Oft schauen wir uns beide nach einer Landung in die Augen und sagen nur »Wow, was für ein Flug!«
Wann wollt Ihr endlich wieder normal leben, mit einem Zuhause?
Andreas: Die Vorfreude, wieder etwas Neues zu entdecken, überrascht zu werden, nicht zu wissen, was uns als nächstes erwartet, die Verschiedenheit der Landschaften, Kulturen, Menschen, das Essen, das macht das Leben ja so spannend. Das nur 6 Wochen im Jahr im Urlaub zu erleben, ist einfach viel zu wenig. Es gibt noch so viel zu entdecken, da kann ich nicht so viel Zeit an einem Ort vergeuden! Wenn ich mehr als drei Tage an einem Ort bin, denke ich schon daran, weiter zu kommen.
Doreen: Ich glaube nicht, dass wir wieder in dieses so genannte „normale“ Leben zurück können. Warum auch? Unser Zuhause geben wir uns gegenseitig, mit unserer Liebe.
Was ist euer Motto?
Andreas: Ein Traum ist wie ein kleiner Vogel – eines Tages muss er freigelassen werden und losfliegen!
Wer sollte den Film anschauen?
Doreen: Wir wollen die Zuschauer, egal, ob Piloten oder Nichtpiloten einladen, mit uns auf einen aufregenden und atemberaubenden Flug über den amerikanischen Kontinent und die Karibik zu gehen. Einzigartige Luftaufnahmen zu genießen und an unserem etwas anderen Leben als fliegende Nomaden teilzuhaben. Wir wollen eine Geschichte, unsere Geschichte, mit einem unverfälschten Blick auf fremde Kulturen und die Herzlichkeit, die uns als Reisende entgegengebracht wurde, erzählen.
Andreas: Wir hoffen, dass wir mit unserem Film viele Menschen inspirieren können, sich und auch anderen Menschen mehr zuzutrauen und ihre Träume zu leben. Im Leben bereut man doch eh nur die Dinge, die man nicht gemacht hat, weniger die Dinge, die man gemacht hat!

15.08.2021 | mz | Quelle: Trike-Globetrotter-Project GbR
Kategorien: Filme | Magazin