Donnerstag, 9. Dezember 2021
Interview mit Matthias Schweighöfer
Army of Thieves
📷 Stanislav Honzik - © Netflix, Inc.
Der Grimme-Preisträger Matthias Schweighöfer ist einer der erfolgreichsten Schauspieler Deutschlands und auf dem besten Weg, zum internationalen Phänomen zu werden. Jeder kennt ihn, nicht jeder mag ihn, doch er ist weitaus beliebter als sein Kumpel Til Schweiger, in dessen Filmen er auch immer wieder mal auftritt. Im Kino ist er derzeit in dem Drama Hinterland zu sehen und hat vor kurzem erst die Dreharbeiten zum Drama The Swimmers von Netflix und Working Title beendet, in der es um zwei schwimmende Schwestern geht, die aus dem vom Krieg zerrütteten Syrien fliehen, um 2016 bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro als Athletinnen teilzunehmen.
Immer wieder arbeitet das vielseitige Talent an internationalen Produktionen. Er spielte den Roten Baron neben Til Schweiger, Lena Headey und Joseph Fiennes sowie an der Seite von Tom Cruise und Kenneth Branagh in Operation Walküre. Derzeit ist er außerdem neben Jesse Eisenberg in dem Kriegsdrama Résistance im Kino zu sehen, das er auch mitproduziert hat. Matthias Schweighöfer gibt es aber auch in Serie – In You are wanted, über einen Familienvater, der um seine Identität kämpfen muss, übernahm er nicht nur die Hauptrolle, sondern auch Regie und Produktion.
Die letzten zehn Filme des in der ehemaligen DDR Geborenen, setzten sich an die Spitze der deutschen Kinocharts. Seine weiteren wohl bekanntesten Filme sind Soloalbum, Friendship!, Rubbeldiekatz, What a Man, Der geilste Tag, Der Nanny, 100 Dinge und Vaterfreuden. Zudem betätigt sich der Sohn einer Schauspielerfamilie als Synchronsprecher und Musiker, dessen zweites Album 2020 erschien.
Doch momentan startet er international durch – als Tresorknacker Ludwig Dieter, zunächst in dem Horrorhybriden Army of the Dead von Zack Snyder, der seit Ende Mai auf Netflix zu sehen ist, und nun in der Vorgeschichte dazu, Army of Thieves, worin er nicht nur als Hauptdarsteller fungiert, sondern auch als Regisseur und, zusammen mit Produktionspartner Dan Maag und der eigenen Produktionsfirma Pantaleon Films, auch selbst produziert.
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Welche Beziehung hatten Sie vor Ihrer Zusammenarbeit zu den Filmen von Zack Snyder?
Ich bin hinter der Mauer in Ostdeutschland geboren und aufgewachsen. Als die Mauer fiel, begeisterten mich die Filme aus Amerika. Ich war 10 Jahre alt, als ich E.T. – Der Außerirdische zum ersten Mal sah, und ich wuchs mit den Filmen all dieser amerikanischen Superstars auf: Mel Gibson, Jim Carrey, Will Smith, James Cameron, Steven Spielberg, Martin Scorsese. Und dann waren da die ganzen Filme von Zack – angefangen mit Dawn of the Dead und 300, die fantastisch waren. Als ich Zack zum ersten Mal traf, war ich total nervös, weil er Teil meiner Geschichte war. Ich hatte alle seine Filme gesehen und, wow, die waren alle wunderbar gedreht und großartige Filme, aber das fühlte sich alles so weit weg an. Und dann stand Zack vor mir und das fühlte sich total unwirklich an und war sehr aufregend und er war unheimlich nett zu mir.
Die britische Gaunerkomödie Charlie staubt Millionen ab mit Michael Caine aus dem Jahr 1969 gehörte zu den Filmen, die die Atmosphäre von Army of Thieves inspirierten. Was waren einige der anderen?
Ich glaube, ich habe mir jeden Film seit den 60er-Jahren angesehen, in dem es um einen Raubüberfall geht, und es gibt sehr viele Filme über Raubüberfälle, aber ich habe mich auf die Geschichten über Tresore konzentriert. Das habe ich noch nie in einem Film gesehen. Ich hatte auch speziell den asiatischen Markt im Blick. Ich habe mir viel asiatisches Horrorzeug angesehen – Filme wie I am a Hero und Train to Busan. Und ich habe mir Dawn of the Dead angesehen. Und dann habe ich mir viele Filme von Steve Carell vorgenommen und ganz besonders Pixar-Filme, um den Humor in dem Film so rüberzubringen, dass er nicht nur in Deutschland, sondern überall funktioniert.
Warum war Dieter Ihrer Meinung nach bei den Fans von Army of the Dead so beliebt?
Er gehört mit Omari Hardwick zu dem Team, das mit Humor für Auflockerung sorgt, und er ist ein sehr lustiger und liebenswerter Typ. An Dieter mag ich besonders, dass er einfach ein ganz normaler Kerl ist, allerdings sehr schüchtern und sehr seltsam. Er hat diese verrückten Hobbys, er liebt Tresore, und er glaubt an all dieses mythologische Zeug. Was mir an dieser Figur wirklich gefällt, ist, dass sie ein Beweis dafür ist, dass alle auf der Welt Liebe brauchen und von jemandem geliebt werden wollen.
Und für mich bringt diese Figur zum Ausdruck: „Hey, ich war vielleicht hier in meinem eigenen Land immer unsicher, aber ich kann mich trotzdem in die Welt hinauswagen. Ich kann Großes erreichen. Ich darf große Träume haben. Ich kann alles sein und alles tun, wenn ich nur will und mich reinhänge.“
Dieter tritt in Army of Thieves als richtiger Actionheld in Erscheinung, einschließlich der packenden Szene, in der auf dem Fahrrad auf der Flucht vor der Polizei durch die vollgestopften Straßen rast. Haben Sie Ihre eigenen Stunts gemacht?
Ich würde ja liebend gern »ja« sagen, muss das aber leider verneinen. Ich hatte verschiedene Doubles. Ich glaube, es war einer der besten Mountainbiker, den wir in Europa finden konnten, der all diese verrückten Treppen in dieser Szene gemeistert hat, weil diese Treppen wirklich furchterregend waren. Am Anfang, als wir die Szene vorbereitet haben, schauten mich alle an und dachten sich: Nein, der wird sich das Genick brechen, wenn er auf dem Rad sitzt und da runterfährt. Das können wir nicht machen. Dann bringt er den Film nicht zu Ende. Lasst uns ein Double nehmen.
Ihr markerschütternder Schrei gehört zu den komödiantischen Glanzpunkten von Army of the Dead und Army of Thieves. Kreischen Sie im wirklichen Leben genauso?
Ehrlich gesagt, habe ich ein verrücktes, schrilles Lachen und mein bester Freund lacht im gleichen Tonfall. Wenn wir zusammen in Gelächter ausbrechen, verlassen Leute schon mal das Restaurant, weil es so laut ist. Ich liebe diesen Aspekt der Schauspielerei, wenn jemand etwas Seltsames und völlig Unerwartetes tut. Ich war ein Riesenfan von Chris Tucker in Das fünfte Element, weil er darin so richtig laut schrie. Aber im wirklichen Leben schreie ich nicht so in der Gegend herum, aber ich verwende das gerne für meine Rollen, weil das immer einen so unerwarteten Effekt hat.
Wie würden Sie die Chemie zwischen Dieter und Nathalie Emmanuels Gwendoline beschreiben?
Gwen denkt sich: Hey, Ich hab’ da ein Problem. Ich muss den besten Tresorknacker der Welt finden, weil mir ein abenteuerliches Vorhaben vorschwebt. Dieter denkt sich: Hey, da ist diese wunderschöne Frau und dieser verrückte Job. Warum sollte ich das nicht machen. Vielleicht hab ich am Ende die Chance, eine Freundin zu bekommen, weil sie so cool ist. Und ich glaube, sie mag mich auch. Aber, was ich daran so toll finde, ist, dass sie zwar aus völlig verschiedenen Richtungen kommen und auch streiten, aber trotzdem einander vertrauen müssen. Sie lieben beide das Vorhaben und sie lieben beide das Abenteuer und daraus ergibt sich ihre Verbindung.
Inwiefern vertieft Army of Thieves unser Verständnis des Army-Universums von Zack Snyder?
Zunächst einmal geht es nicht nur ums Geld, es geht um Menschen und es geht um ihre Geschichten. Es geht darum, eine Leidenschaft zu entwickeln, und ums Überleben – sei es in der Liebe oder im Leben. Wenn man kein Risiko eingeht, dann lebt man nie wirklich. Das ist meiner Meinung nach etwas, das wir von diesen beiden Filmen lernen können: in jedem einzelnen Moment präsent sein.

01.11.2021 | mz | Quelle: Netflix
Kategorien: Filme | Magazin