Samstag, 23. Oktober 2021
73. Emmys verliehen
Cedric the Entertainer führte durch die Show
© Television Academy
Letzte Nacht wurden in Los Angeles zum 73. Mal die Emmys® verliehen. Nach der letztjährigen Corona-Ausgabe gab es in diesem Jahr wieder eine Show mit immerhin 500 (statt normalerweise 6.000) Gästen in einem riesigen Zelt vor dem Microsoft Theatre, das wie eine kleine Halle wirkte, wie Präsentator Seth Rogen bemerkte. Die Stars freuten sich, sich endlich wieder auf dem Roten Teppich umarmen zu können. Zum letzten Mal wurde die Show auf TNT Serie übertragen. Ab 25. September verschwindet die Marke TNT und wird von Warner Brothers mit der WBTV-Marke versehen.
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    »I just want to acknowledge my fellow nominees in this decade that has to be about women having each other's backs. I support you, I salute you!«
    Kate Winslet
Nach einer kurzen Montage der nominierten Programme, die sich Cedric the Entertainer in einem Wohnzimmer angesehen hatte, erklärte dieser kurz, warum er die Emmys® moderieren wollte, und verdeutlichte dies mit seiner Emmy-Version von „Just a Friend“ des vor kurzem verstorbenen Rappers Biz Markie, die ihn im Nu auf die Bühne führte, wo er zunächst von den Kollegen LL Cool J und Lil Dicky unterstützt wurde, dann zu aller Überraschung Rita Wilson mitrappte und einige Nominierte den Refrain mitsangen. Das war mal wieder eine vernünftige Eröffnungsnummer der sonst recht trockenen Show.
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Als erster Präsentator kam Seth Rogen auf die Bühne, der erst einmal über den Veranstaltungsort her fiel: »Lasst ich erstmal sagen: Hier sind viel zu viele von uns in diesem kleinen Raum! Was machen wir hier?! Man hatte gesagt, es sei draußen! Ist es nicht! Man hat uns belogen. Wir befinden uns gerade in einem hermetisch abgeriegelten Zelt. Zu sowas wär ich doch nicht gekommen! Warum ist da ein Dach? Es ist wichtiger, dass wir drei Kronleuchter haben, anstatt darauf zu achten, dass wir heute nicht Eugene Levy umbringen. Das wurde so entschieden. Das ist bekloppt! Erst hatte ich meine Einkäufe abgewischt, jetzt niest mir Paul Bettany ins Gesicht. Das ist ein großes Leck! Wenn ich mir jemanden ins Gesicht niesen lassen sollte, Paul, möchte ich dass du es bist.«
Flott ging es auch sogleich weiter, als Hannah Waddingham den ersten Emmy® des Abends für ihre Rolle in der apple-Serie Ted Lasso erhielt. Euphorisch und überwältigt schrie sie vor Freude in den Saal und steckte alle mit ihrer Stimmung an. Auch der zweite Preis ging an Ted Lasso. Brett Goldstein machte sich auch sogleich über die eindringliche Bitte lustig, bei der Dankesrede verdammt nochmal nicht zu fluchen.
Mit 4 Preisen kam Ted Lasso auch auf Platz 2 der Rangliste des Abends. Mit 7 Emmys® eroberte Netflix‘ Top-Serie The Crown die Spitze des Preistreppchens. Die Gewinner wurden live aus der Emmy-Lounge in London zugeschaltet, da dort gerade die Dreharbeiten zur nächsten Staffel laufen. Tobias Menzies war allerdings der einzige Gewinner, der nicht anwesend war. Jeweils 3 Auszeichnungen erhielten die Serien Hacks und Mare of Easttown. Trotz massiver Nominierungen konnten Genreserien wie The Handmaid’s Tale, The Mandalorian, The Boys oder WandaVision nicht punkten.
Die Dankesreden waren glücklicherweise recht abwechslungsreich. Regisseurin Jessica Hobbs dankte ihrer 77-jährigen Mutter, die noch immer Regie führt, und Gillian Anderson widmete ihren Emmy® ihrer langjährigen Agentin. SNL-Schöpfer Lorne Michaels, sichtbar gealtert, las die Dankesrede vom Zettel und widmete den Preis dem kürzlich verstorbenen Ex-SNL-Mitglied Norm McDonald.
Jean Smart, in schwarzem luftigen Kleid, bekam stehenden Beifall und bedankte sich bei ihrem vor 6 Monaten verstorbenen Ehemann. Makaber war dabei, dass auch bei ihr (neben Juliette Nicholson und Stephen Colbert) aufgrund der Länge ihrer Dankesrede die Rausschmeißmusik „Time to say goodbye“ ertönte. Produzent Scott Frank, der mit Das Damengambit den Preis für die beste limitierte oder Anthologieserie entgegen nahm, wurde zum Rausschmeißmusikspitzenreiter – bei seiner Dankesrede ertönte die Melodie gleich dreimal!
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Was erst gar nicht so auffiel, weil die Kleider so auffällig bunt und die Präsentatoren so vielfältig waren, war der geringe Anteil an nicht-weißen Gewinnern. Einzig Tanzchoreografin und Fame-Königin Debbie Allen, die man kaum weidererkennt, da sie zumeist hinter den Kulissen agiert und Fame schon wiedre gut 40 Jahre her ist, erhielt den Preis für ihr Lebenswerk und Michaela Coel für das beste Drehbuch einer limitierten oder Anthologieserie oder TV-Film für ihre BBCHBO-Produktion I may destroy you, bei der sie zudem Regie führte und die Hauptrolle spielte. In ihrer Dankesrede widmete sie ihren Preis allen Überlebenden von sexuellen Angriffen, was ihr stehenden Beifall brachte.
Kate Winslet, die für ihre Rolle in der Serie Mare of Easttown gewann, war sichtbar aufgeregt und musste erst einmal durchatmen und freute sich auch, bis zum Ende ihres Lebens mit ihrem Ehemann zusammen zu sein. Auch Ewan McGregor, der für seine Rolle als Fashion-Guru Halston ausgezeichnet wurde, bedankte sich bei seiner derzeitigen Partnerin, Mary Elizabeth Winstead, die er bei den Dreharbeiten zu Fargo kennenlernte. Olivia Colman war wieder mal die knuffigste Gewinnerin, die damit nicht gerechnet hatte und ihre Rede recht kurz hielt, da sie noch ziemlich traurig war, weil sie ihren Vater während CoViD verlor, wie sie erzählte.
Für aufgelockerte Stimmung sorgten neben Reggie Watts als DJ in den Werbepausen auch witzige Einspieler, wie das Treffen der Emmy-Verlierer-Selbsthilfegruppe mit Scott Bakula, Allison Hannigan, Jason Alexander, Zooey Deschanel und Fred Savage. Und bevor die besten Serien gekürt wurden, präsentierten Leon Bridges und Jon Batiste die In-Memoriam-Zusammenstellung der TV-Prominenz und Stars, die im vergangenen Jahr verstorben sind.
Alles in allem war die 73. Emmy®-Verleihung ein gelungener knallbunter Reigen, der die zum Teil trocken heruntergerasselten Shows der Vor-Corona-Zeit weit in den Schatten stellte. Cedric war ein souveräner Unterhalter, wenn auch nicht der lustigste. Da könnte im nächsten Jahr eventuell nachgebessert werden. Ansonsten war die Show ein intimes kleines Ereignis, bei dem offensichtlich alle ihren Spaß hatten – was auch kein Wunder war, da sich viele der Stars nach den Shutdowns und Lockdowns zum ersten Mal wieder begegneten – vollständig durchgeimpft natürlich. Da störte es auch nicht, dass die Show 15 Minuten länger als geplant dauerte.

20.09.2021 | mz
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