Samstag, 1. Oktober 2022
74. Emmys verliehen
© Television Academy
Letzte Nacht wurden zum 74. Mal die Emmys® der Hauptsendezeit verliehen. Und wie schon im Vorjahr erwähnt, wurde die Show in Deutschland auf dem umbenannten Sender WBTV Serie live übertragen. Im Microsoft Theatre in Los Angeles versammelten sich wieder die TV-Stars der nominierten Programme wie auch Gewinner der Vorjahre, um sich und das Fernsehen zu feiern. Dazu gehören natürlich auch die Strömungsdienste, von denen die meisten Nominationen stammen. Durch die Show führte erstmals SNL-Komiker Kenan Thompson.
Nach einem kurzen Eröffnungsmonolog präsentierte er eine überraschende Tanznummer – Titelmelodien von Serien nachgetanzt. Was wie eine originelle Idee erschien, entpuppte sich schnell als Mogelpackung, denn die angespielten Originalmelodien wandelten sich schnell zu tanzbar geremixten Versionen, die den Moderator immerhin kurz beim Mittanzen und mit Daenerys-Perücke verkleidet auftreten ließen.
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Damit nicht immer nur dieselben Serien zu sehen sind, die alljährlich nominiert sind, gab es zwischendurch Zusammenschnitte aller laufenden Serien, auch jene, die nie in den Hauptkategorien nominiert waren, aber trotzdem geliebt werden. Hinzu kamen immer wieder neue Kurzmono- und Dialoge von Kenan. Außerdem neu in der diesjährigen Show waren Einblendungen der vorbereiteten Danksagungen, falls die Stars etwas anderes sagen wollten oder die Spucke wegbleiben sollte.
Es wurde in diesem Jahr mehr inszeniert als sonst. Nicht nur waren die Reden und Auftritte der Präsentatoren und Gewinner witziger als sonst, auch gab es seltene Besucher und mehrere Leinwände, die teilweise ein 180°-Bild präsentierten. So gab es einen Simpsons-Sketch, in dem Moe an der Bar einen Telefonstreich von Bart entgegengenommen hat, der jemanden namens Bo Tox sprechen wollte, und der an der Bar eingenickte Homer plötzlich einen Emmy® in die Hände bekam, wie auch Sturmtruppler aus Star Wars, vor deren Augen ein Emmy® erschien. Auch gab es eine interaktive Einlage der Präsentatoren Christopher Meloni und Mariska Hargitay, die einen Täter vom Saal aus verfolgten, der eine Emmy®-Statue entwendet hatte, und alle derzeitigen Polizeiserien zwischengeschnitten wurden, um ihn dann auf dem Weg zurück in den Saal zu schnappen.
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Sonstige Höhepunkte waren z.B. Sheryl Lee Ralph, die sichtbar überrascht schockiert auf die Bühne begleitet wurde, dann jedoch einen Gospel-Vers zum Besten gab und eine kraftvolle Dankesrede hielt, Selena Gomez und ihre „+1s“ Martin Short und Steve Martin, Jennifer Coolidge, die bei der Rausschmeißmusik zu tanzen anfing, oder wie Kenan Thompson die Rede der Buchmacher von Ernst & Young unterbrach, weil: Das interressiert ja eh keinen!
Auch witzig (und sichtbar anstrengend) war es für Präsentator Will Arnett, seinen Kollegen Jimmy Kimmel, der „zuviel Margheritas“ getrunken haben soll, an den Beinen auf die Bühne zog. Dieser zog die Nummer gnadenlos durch und gab der Gewinnerin dann doch noch einen gehobenen Daumen, dass er noch lebe. Zudem ließ es sich der erneute Gewinner Brett Goldstein nicht nehmen, das schlimme F-Wort in den Mund zu nehmen, das seltsamerweise nicht „weggepiepst“ wurde, ebenso wie zwei Male während der Show, wo das S-Wort in den Mund genommen wurde!
Eine scheinbar ewig jung gebliebene Geena Davis nahm den Chef-Preis für ihr Geena Davis Institute on Gender in Media mit ihrer Kollegin entgegen. Dabei bestach sie mit ihrem knallgelben Kleid – eines von vielen knalligen Farben des Abends. Auch gab es ein Wiedersehen mit Juliette Lewis als Präsentatorin, die im Dialog mit RuPaul anmerkte, dass sie die Tochter des Schauspielers Geoffrey Lewis sei.
John Legend unterlegte das Segment „In Memoriam“ musikalisch, wo man nochmal nachlesen konnte, von wem wir uns im letzten Jahr verabschieden mussten. Zum Schluss gab es noch eine Überraschung: Selma Blair, die seit ihrer MS-Erkrankung einen Stock zum Gehen benötigt, präsentierte die letzte Kategorie.
Was die Gewinner angeht, gab es zwei größere Gewinner – die The White Lotus und Ted Lasso, die jeweils 4 Preise einheimsten, sowie Succession mit drei Emmys® (von 25 Nominierungen!). Jeweils zwei Statuen erhielten Abbott Elementary und die erste koreanische Serie, die nominiert wurde, Squid Game.
Auch gab es wieder einen Briten unter den Gewinnern – Matthew Macfadyen für seine Rolle in Succession, der auch seine Ehefrau, die Schauspielerin Keeley Hawes, in seiner Dankesrede einbezog. Als Filmschauspieler bekamen auch Michael Keaton (für Dopesick) und Amanda Seyfried (für The Dropout) ihre ersten Emmys®.
Neben Brett Goldstein und Jason Sudeikis für Ted Lasso erhielten ebenso Jean Smart für Hacks und Zendaya für Euphoria wie im Vorjahr die Trophäen. Auch Julia Garner erhielt ihren dritten Emmy® für ihre markante Rolle der Ruth Langmore aus Ozark. Alles in allem fühlte sich die Show stimmig und unerwartet schwungvoll und witzig, und vor allem kurzweilig an – nächstes Jahr bitte genauso gut!

13.09.1922 | mz
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