Samstag, 5. Dezember 2020
† Caroll Spinney
Caroll Edwin Spinney (1933 - 2019)

IMDb


* 26. Dezember 1933 | Puppenspieler

 

Sesamstraße

 

Muppet Movie

Bibos abenteuerliche Flucht

Elmo im Grummelland

Nachts im Museum 2

I am Big Bird

 

† 8. Dezember 2019 | Dystonie


Kaum jemand kennt seinen Namen, doch die Figuren, die er spielte, kennt jedes Kind. Caroll Spinney war der „Muppeteer“ von Oscar aus der Mülltonne und dem großen gelben Vogel Bibo aus der Sesamstraße. Jetzt ist der Puppenspieler letzten Sonntag im Alter von 85 Jahren in seinem Haus im US-Bundesstaat Connecticut gestorben.
»Caroll war ein künstlerisches Genie, dessen freundlicher und liebender Blick auf die Welt dazu beigetragen hat, die Sesamstraße von den Anfängen 1969 über fünf Jahrzehnte zu formen und zu definieren«, heißt es in einer Stellungnahme seiner Kollegen vom Sesame Workshop. 2014 wurde sein Leben in dem Film I am Big Bird dokumentiert.
Im Oktober 2018 zog er sich aus dem aktiven Puppenspielerleben zurück, das ihm nach fast 50 Jahren fünf Emmys® und 2006 einen Preis für sein Lebenswerk von der National Academy of Television Arts & Sciences einbrachte. Ein Grund dafür war sicher seine Erkrankung, eine neurologisch bedingte Bewegungsstörung, die es ihm unmöglich machte, in das große, schwer zu steuernde Kostüm von Bibo zu klettern, was er bereits 2015 einstellte. Er blieb jedoch als Stimme der beiden Figuren erhalten.
Jeden Morgen zog er zuerst die orange weiche Hose mit den Vogelfüßen an, dann kam ein Techniker und legte ihm einen Gurt um, an dem Monitor und Mikro befestigt waren. Erst dann stülpten sie ihm den Vogelkörper über. Dann kam der knifflige Teil: Mit seinem rechten Arm hielt er den 2,5 kg schweren Kopf, bewegte den Schnabel und steuerte mit dem kleinen Finger die Augenbrauen. Seinen linken Arm steckte er in den linken Flügel und steuerte von dort über einen Draht den rechten Flügel. Seinen Drehbuchtext klebte er auf die Innenseite des Kostümkopfes.
Caroll Edwin Spinney wurde am 26. Dezember 1933 in Waltham, im US-Bundesstaat Massachusetts, geboren. Schon als kleines Kind besaß er eine Leidenschaft für Puppen und wurde daher oft gehänselt. Da er oft mit seinem Vater stritt, zog es ihn mit 19 Jahren zur US Air Force. Nach vier Jahren kehrte er ins zivile Leben zurück und kam zur TV-Sendung Bozo’s big Top, in der er mehrere Figuren spielte und auch Animationen für die Sendung zeichnete. Unter dem Namen Ed Spinney animierte er eine Reihe von Schwarzweiß-Cartoons mit dem Titel „Crazy Crayons“.
Bei einem Puppenfestival in Salt Lake City wurde er von Jim Henson entdeckt, der ihn zu seinem Muppet-Projekt einlud. Schließlich wurde Caroll Spinney Teil der neuen Kindersendung Sesamstraße, die am 10. November 1969 auf dem offenen Sender PBS premierte. Allerdings fiel ihm die Arbeit das erste Jahr schwer und war auf dem Weg zu Jim Hensons Büro, um seine Kündigung einzureichen, doch der Bibo-Schöpfer Kermit Love überzeugte ihn, noch einen Monat durchzuhalten, in der Hoffnung, dass sich die Situation verbesserte. Was sie dann auch tat.
»Big Bird war zunächst ein ziemlich alberner Typ, eine Art Bauerntölpel«, erinnert er sich. »Ich sagte: „Wisst ihr was? Vielleicht sollte er ein Kind sein. Er ist einfach nur ein großes Kind.“ Die Produzenten stimmten zu. Die Drehbücher waren plötzlich voll von Big Bird und Oscar, und sie waren grandios.«
So spielte er in tausenden Ausgaben Sesamstraße mit, mehr als alle anderen Mitspieler. Bibo wurde auch zum Filmstar – so in diversen TV-Filmen wie auch 1985 in Bibos abenteuerliche Flucht, Jim Hensons letzem Kinofilm vor dessen Tod im Jahr 1990. Auch sonst trat Caroll Spinney als Bibo in allen möglichen TV-Sendungen auf und spielte ihn wie auch Oscar in Gastauftritten in Serien, ob in The West Wing, Scrubs oder Supernatural.
1986 wurde er sogar dazu eingeladen, mit dem Space Shuttle Challenger ins All zu fliegen, um Kindern Interesse an der Wissenschaft zu wecken, doch es gab nicht genug Platz für das riesige Kostüm, weshalb diese Aktion nicht funktionierte – zum Glück. Zusammen mit Millionen Menschen rund um die Welt musste er mit ansehen, wie das Shuttle 73 Sekunden nach dem Start explodierte und alle sieben Mannschaftsmitglieder in den Tod riss.
Vorübergehend wurde Bibo zu einer politischen Figur, als der Präsidentschaftskandidat Mitt Romney 2012 damit drohte, Zuschüsse für den damaligen Sesamstraßen-Sender PBS zu streichen. Gefiederte und herkömmliche Fans scharten sich um Bibo, der sogar bei Saturday Night Live auftrat. Mit Caroll Spinneys nasaler Stimme sagte er, das ganze Theater sei ihm extrem unheimlich: »Bis vor Kurzem war ich doch noch ein ganz normaler zweieinhalb Meter großer Vogel, der sprechen kann.«
Puppen sind unsterblich, Menschen nicht. Caroll Spinney starb vorigen Sonntag in seinem Haus in Woodstock. Er hinterlässt seine zweite Ehefrau Debra, die er 1972 kennenlernte, als sie beim Children’s Television Workshop arbeitete, sowie seine Kinder Jessica, Benjamin und Melissa.

14.12.2019 | mz
Kategorien: dead like...