Donnerstag, 19. September 2019
† Heidi Hetzer
(1937 - 2019)

Wikipedia | Heidi Hetzer fährt um die Welt


Sie reiste noch im hohen Alter mit dem Oldtimer um die Welt. Heidi Hetzer ging nicht, sie düste durchs Leben. Nun ist die Berliner Unternehmerin und Rallye-Fahrerin im Alter von 81 Jahren gestorben. Sie hatte ein ungewöhnliches Leben.
Vor ein paar Wochen wurde sie in Südafrika überfallen – Handy, Kreditkarte, Tablet – alles weg. Sie erzählte noch davon, wie sie die Diebe mit dem Auto in den Straßen von Kapstadt verfolgte – mit 81 Jahren! Kurz danach posierte sie gut gelaunt neben der „Pink Lady“, ihrem Landcruiser, mit dem sie in Afrika unterwegs war. Ihre Fans verfolgten solch waghalsige Abenteuer gern im Internet.
Gerade erst war Heidi Hetzer in ihre Heimat Berlin zurückgekehrt. „Ich lebe nicht mehr, aber ich habe gelebt.“ – So steht das Goethe-Zitat auf ihrer Internetseite. Für eine Frau ihrer Generation hatte sie eine ungewöhnliche Biografie: Sie lernte Kfz-Mechanikerin. Mit 31 Jahren übernahm sie 1969 das Unternehmen ihres Vaters und baute es zu einem der größten Autohäuser Berlins aus. »Ich kann nur Autos«, sagte sie dazu. Nach dem Krisenjahr 2008 trennte sie sich dann 2012 nach 40 Jahren von ihrem Opel-Geschäft.
Aber sie wollte sich nicht aufs Altenteil legen. Bereits 2007 reiste sie mit einem Opel Rekord, Baujahr 1964, in sechs Wochen von Düsseldorf nach Shanghai. Ihr Kommentar: »Das war eine Kaffeefahrt.« Im Juli 2014 folgte dann die Weltreise. Mit Oldtimer „Hudo“, Baujahr 1930, war sie zwei Jahre und sieben Monate unterwegs. Keiner ihre männlichen Beifahrer hielt durch. Der petrolfarbene Oldtimer schluckte 17 Liter auf 100 Kilometer, blieb liegen, verschliss Motoren und Ersatzteile.
Bei ihrer Rückkehr im März 2017 warteten mehrere Hundert Fans auf sie am Brandenburger Tor, sie vergoss Tränen und stieg zur Begrüßung auf die Motorhaube. Heidi Hetzer konnte sehr resolut sein, eine Berliner Schnauze, sehr geradeaus. Als sie wegen einer Bemerkung über Schwarze („Die klauen alles.“) im ZDF-Morgenmagazin als rassistisch kritisiert wurde, zeigte sie Reue.
Vergengenen Herbst brach Heidi Hetzer zu ihrem letzten Abenteuer nach Afrika auf, mit einem Auto ohne Motor mit Elektronik, einem Hubdach zum Schlafen, einem Kühlschrank, Wasser und Kocher. Das Auto war pink beklebt. »Die hässlichste Farbe für Männer, damit sie ihn mir nicht klauen – und wenn, ist er schnell wiederzufinden«, meinte Frau, die im Auto kein Radio hörte, weil sie den Sound des Motors hören und erste Anzeichen für technische Probleme nicht verpassen wollte.
Ihre Kinder schrieben am Dienstag über ihre Mutter: „Sie hat bewusst und öffentlich gelebt, so als wäre jeder Tag ihr letzter. Sie hat verstanden – und oft auch gesagt – dass jeder Tag ein Geschenk ist. Bis zuletzt hatte sie eine Offenheit, eine Neugier auf das Fremde, und einen unerschütterlichen Glauben an das Gute im Menschen.“

21.04.2019 | mz |
Kategorien: dead like...