Sonntag, 24. Januar 2021
† Pamela Tiffin
Pamela Tiffin Wonso (1942-2020)
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IMDb


* 13. Oktober 1942 | Schauspielerin, Modell

 

Pamela Tiffin, ehemaliges Fotomodell und Schauspielerin, bekannt als Scarlett Hazeltine in Billy Wilders Klassiker Eins, zwei, drei, ist im Alter von 78 Jahren in einem Krankenhaus im New Yorker Stadtteil Manhattan gestorben, wie ihre Familie in einer Stellungnahme verkündete. Sie hinterlässt ihren Ehemann und ihre Töchter Echo und Aurora.
Die Architektentochter wurde 1942 in Oklahoma City geboren und wuchs im Chicagoer Vorort Oak Lawn auf. Mit 13 Jahren fing sie an, für Werbeanzeigen und Modenschauen zu posieren. Drei Jahre später zog sie mit ihrer Mutter nach New York, wo sie zwischen ihren Modellengagements auf das Hunter College ging.
Für die Leinwand wurde sie doppelt entdeckt: Während eines Urlaubsaufenthaltes in Los Angeles wurde sie beim Mittagessen in den Paramount Studios gesehen und hatte kurze Zeit später ein Treffen mit dem Produzenten Hal B. Wallis, der noch eine Frau für die junge Verführung von Laurence Harvey in seiner Tennessee Williams-Adaption von Sommer und Rauch gesucht hatte.
Gleichzeitig hatte Billy Wilder bereits nach ihr gesucht, nachdem er sie in einer Unterwäschewerbung im New York Times Magazine entdeckt hatte. In einem Interview mit The Daily News of New York im Dezember 1961 bezeichnete sie der Regisseur als »die größte Filmentdeckung seit Audrey Hepburn In demselben Artikel erzählte Pamela Tiffin, warum sie die Schauspielerei bevorzugte: »Ein Modell verkauft sich, doch eine Schauspielerin verkauft die Figuren, die sie spielt. Ich fühlte mich von mir, meinem Gesicht und meinem Körper gelangweilt.«
Es folgte eine filmische Neuauflage des Rodgers und Hammerstein-Filmmusicals State Fair von 1945, worin ihre Gesangsnummern synchronisiert wurden. Bis Mitte der 70er Jahre spielte sie in Filmen wie Flieg mit mir ins Glück, in dem wieder ein Deutscher mitspielte – Karlheinz Böhm, zwei Filme an der Seite von Time Tunnel-Star James Darren, der Western Vierzig Wagen westwärts, der Krimi Ein Fall für Harper oder ihr letzter US-Film, Viva Max! (1969), an der Seite von Peter Ustinov.
1965 spielte sie neben Marcello Mastroianni in Oggi, domani, dopodomani. Nach großem Widerwillen und erheblichen Auseinandersetzungen willigte sie ein, für die Rolle ihre Haare blond zu färben. Ihr gefiel der neue Look dann doch und blieb in Italien, wo sie ein weiteres Dutzen Filme drehte – u.a. Der Erzengel an der Seite von Vittorio Gassmann sowie Das Lied von Mord und Totschlag neben Franco Nero und Anthony Quinn.
Die offizielle Geschichte, warum sie die Schauspielerei aufgab, war, eine Familie zu gründen, doch dem Autor von „Cinema Dolce“, Tullio Kezich, gestand sie, dass sie die Entscheidung wirklich traf, weil die italienischen Filme so erotisch wurden. Jedes Vorstellungsgespräch, sagte sie, schien in eine Diskussion darüber auszuarten, ob sie nackt oder zumindest teilweise nackt auf der Leinwand erscheinen würde. Glücklicherweise hatte sie ihr Geld gespart und wusste, dass sie überleben konnte.
1962 heiratete sie einen Redakteur beim Esquire Magazine, Clay Felker, der ein Jahr später der neue Gründungsredakteur von „New York“ wurde, einer Beilage der Sonntagsausgabe der Herald Tribune, aus der später das New York Magazine wurde. Das Magazin betreute er noch bis 1977, doch seine Ehe mit Pamela Tiffin endete bereits 1969 nach langer Trennungsphase. »Wir lieben uns noch immer«, sagte sie dem Kolumnisten Earl Wilson. »Wir essen immer noch zu Abend, aber das Leben, wie es scheint, ist kein Doris Day-Film.«
1974 heiratete sie Edmondo Danon, einen italienischen Philosoph und Professor, der zugleich der Sohn des Filmproduzenten und Drehbuchautoren Marcello Danon war. Pamela Tiffin bestand darauf, dass sie anfangs niemals an einer Schauspielkarriere interessiert gewesen sei. Es brauchte mehrere Überredungsversuche seitens eines Filmemachers, 1960 in einem Kurzfilm über Williamsburg aufzutreten. Sie nahm auch erst nach ihrem erfolgreichen Karrierestart Schauspielunterricht bei Stella Adler.
Doch Kinofilme sollten ihr einziger Ausflug gewesen sein. Für’s Fernsehen zu arbeiten war nicht so ihr Ding, wie es in Tom Lisantis Buch „Pamela Tiffin: Hollywood to Rome, 1961-1974” (2015) heißt. Nach dem Filmen einer Episode von Auf der Flucht gestand sie: »In Wirklichkeit bin ich langsam. Ich nehme mir Zeit zum Lesen. Ich liebe lange Mittagessen… Ich denke ich bin zu langsam für’s Fernsehen.«

 

† 2. Dezember 2020 | Herzversagen

02.12.2020 | mz
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