Sonntag, 26. September 2021
† Valéry Giscard d'Estaing
Valéry Marie René Georges Giscard d'Estaing (1926-2020)
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* 2. Februar 1926 | Politiker, Staatspräsident

 

Sein Name war schwer zu merken, doch er führte Frankreich nach vorn und fühlte sich als Europäer. Valéry Giscard d’Estaing, der Zentrumspolitiker, der von 1974 bis 1981 im Élysée-Palast amtiert hatte, ist im Alter von 94 Jahren an den Folgen einer CoVid-19-Erkrankung gestorben, wie seine Familie mitteilte. Der ehemalige Staatschef war in den vergangenen Monaten mehrfach wegen Herzproblemen ins Krankenhaus eingeliefert worden, doch sein Gesundheitszustand hatte sich verschlechtert.
Er war ein überzeugter Europäer und äußerte sich in der französischen Öffentlichkeit bis ins hohe Alter zu EU-Fragen. In den 1970er Jahren bildete er mit dem damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt ein vorbildhaftes deutsch-französisches Duo. Auch persönlich verband ihn viel mit Deutschland, denn er wurde im damals französisch besetzten Rheinland, in Koblenz, geboren.
Nach dem Zweiten Weltkrieg absolvierte er die französische Elitehochschule ENA. Er stieg dann zum Wirtschafts- und Finanzminister auf. Nach dem Tod von Präsident Georges Pompidou wurde er dann im Alter von 48 Jahren in das höchste Staatsamt gewählt. Er setzte gesellschaftliche Reformen durch, wie z.B. die Liberalisierung des Ehe- und Abtreibungsrechts. Gegen Ende seiner Amtszeit litt jedoch seine Popularität – u.a. wegen der Affäre um ein Diamantengeschenk des zentralafrikanischen Diktators Jean-Bédel Bokassa.
Von 2002 an führte Valéry Giscard d’Estaing den EU-Reformkonvent, der zur Erneuerung der Europäischen Union einen Verfassungsentwurf vorlegte. Mit dem Nein der Franzosen und der Niederländer bei Volksabstimmungen im Jahr 2005 scheiterte das Vorhaben jedoch spektakulär. Danach übernahm der EU-Vertrag von Lissabon wichtige Regelungen der abgelehnten Verfassung. 2003 erhielt er den Karlspreis der Stadt Aachen.
Der hochgewachsene Franzose mit einem aristokratischen Auftreten überlebte seine Nachfolger François Mitterrand (1916-1996) und Jacques Chirac (1932-2019). Bei dessen Trauerfeier im September 2019 in Paris nahm er noch gebückt gehend teil. Zuletzt geriet er Ende 2018 in die Schlagzeilen, nachdem ihm eine WDR-Journalistin vorgeworfen hatte, ihr mehrfach ans Gesäß gefasst zu haben.

 

† 2. Dezember 2020 | Coronavirus

02.12.2020 | mz
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