Montag, 21. Juni 2021
† Jutta Lampe
(1943-2020)
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Wikipedia | IMDb


* 13. Dezember 1943 | Schauspielerin

 

30 Jahre lang spielte sie an der Berliner Schaubühne und hatte führende Rollen in Filmen Margarethe von Trottas: Nun ist die Schauspielerin Jutta Lampe im Alter von 82 Jahren in Berlin gestorben.
Mit acht Jahren tanzte sie bereits im Kinderballett und sang im Kinderchor. Nach der Schauspielausbildung langweilte sie sich zunächst mit Boulevardstücken an Stadttheatern, bis Peter Stein sie 1964 in Bremen entdeckte. Sie selbst ging auf den Regisseur zu und sagte: »Ich muss unbedingt mit Ihnen arbeiten.«
Zunächst war sie als Lady Milford in Friedrich Schillers „Kabale und Liebe“ zu sehen. Die Vision des Regisseurs entsprach ihrer eigenen Sehnsucht, wie sie gestand: »Ich konnte auf der Bühne sein, so wie ich bin, konnte meinen Körper so gebrauchen, wie es mir organisch ist, und vor allen Dingen das, was ungewöhnlich war: das Sprechen in den Körper zu nehmen, das heißt, den Sinn eines Textes, eines Wortes im Körper zu spüren und durch den Körper auszudrücken. Die ganze Person durfte auf der Bühne sein.«
Schauspiel war für Jutta Lampe Ausdruck von Empfinden und von existenziellen Fragen. Knapp 30 Jahre lang war das Kollektiv der Schaubühne für sie Familie und Zuhause. Bis 1999 kehrte sie immer wieder zurück an die Schaubühne, obwohl es mit dem neuen Intendanten, Thomas Ostermeier, nicht mehr die ihre war.
Die in Flensburg geborene Bühnenelfe war auch ein prägendes Gesicht im Autorenkino der BRD. Zu ihren größten Erfolgen auf der Kinoleinwand zählt ihre Rolle als Schwester von Gudrun Ensslin in Die bleierne Zeit. Mit dem Film beschrieb Margarethe von Trotta 1981 die Schwere der Terrorphase der 1970er Jahre um die Mitglieder der Rote-Armee-Fraktion. Der Film brachte bei den Filmfestspielen in Venedig der Regisseurin den ersten Goldenen Löwen für eine Frau ein.
Über sich sagte sie 2007 in einem FAZ-Interview: »Ich fühlte mich nie als gebrochener Mensch. Es gab Probleme, Ängste, Schuldgefühle, ich habe Psychotherapien gemacht, um mit mir ins Reine zu kommen. Aber ich wusste immer, dass etwas in mir war, eine Seele vielleicht, ein Geist, die ich lebendig machen wollte.«

 

† 3. Dezember 2020 | Herzversagen

03.12.2020 | mz
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