Montag, 21. Juni 2021
† Ki-duk Kim
김기덕 (1960-2020)
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* 20. Dezember 1960 | Regisseur, Drehbuchautor, Produzent

 

Der koreanische Filmregisseur Ki-duk Kim ist in einem Krankenhaus im lettischen Riga wegen einer Coronavirus-Infektion behandelt worden und dort im Alter von 59 Jahren an Komplikationen der Erkrankung gestorben, wie seine Familie den heimischen Medien bestätigte.
»Woher meine Zuschauer kommen, spielt keine Rolle«, sagte er einmal in einem SPIEGEL-Interview. »Es müssen nur Menschen sein, die das Leben hinterfragen wollen. Ich möchte die Herzen dieser Menschen öffnen, sodass meine Filme ihre Seele erreichen.« Er war einer der erfolgreichsten Regisseure des internationalen Autorenkinos, drehte seit Mitte der 1990er Jahre mehr als 20 Filme.
2004 erhielt er auf der Berlinale den Silbernen Bären für Samaria (eine Tragödie zweier Freundinnen auf dem Schulmädchenstrich) und in Venedig mit dem Silbernen Löwen für sein Liebesdrama Bin-jip ausgezeichnet. 2012 schaffte er es in Venedig mit seinem Geldeintreiberdrama Pieta sogar zum Goldenen Löwen.
Ki-duk Kim wurde 1960 in Bonghwa geboren, einem abgelegenen Landkreis im Norden Südkoreas, der für sein kaltes Klima bekannt ist. Und von Kälte war auch seine von Armut geprägte Kindheit gezeichnet. »Mein Vater ist ein Korea-Kriegsveteran«, erzählte der Filmemacher einmal. »Ich wurde sehr militärisch aufgezogen. Schläge gehörten zur Tagesordnung. Ich spüre den Schmerz nicht mehr.«
Der Vater war es auch, der ihm verbot, die weiterführende Schule zu besuchen, weswegen er bereits mit 15 Jahren in Seoul in einer Fabrik arbeiten musste. Nach Jahren im Militär und einem Priesterseminar, begann er zu malen, und ging schließlich im Alter von 30 Jahren für ein Kunststudium nach Frankreich. Dort verdiente er sich als Straßenkünstler seinen Unterhalt – und entdeckte seine Liebe zum Film.
Zurück in der Heimat gewann er 1995 einen Drehbuch-Wettbewerb. Schon bei seinem Regiedebüt Crocodile über einen Obdachlosen, der Selbstmörder aus einem Fluss fischt und ihre Leichen an deren Familien verkauft, überschlugen sich die Filmkritiker in Südkorea mit positiven Besprechungen.
Sexuelle Devianz und Gewalt sollten die bestimmenden Motive in Kims Leben und Werk bleiben. Als Autodidakt erschuf er Bilderwelten und dialektische Geschichten zwischen bunt leuchtender Zartheit und finsterer Brutalität. »Die Gewalt in meinen Filmen hat nichts Provozierendes«, erklärte der Filmemacher. »Es geht mir dabei um eine Art von Magie, um die Beziehung zwischen zwei Menschen, um die Magie der Liebe oder der Zuneigung, die allein in der Gewalt ihr adäquates Ausdrucksmittel findet.«
Kontrovers wurden allerdings nicht nur seine Filme diskutiert. In seinem Heimatland hatte er stets den Ruf eines Außenseiters, dem man eine latent frauenfeindliche Einstellung nachsagte. 2017 wurden im Zuge der #metoo-Bewegung Vorwürfe laut, er habe Schauspielerinnen vergewaltigt und zu ungeplanten Sexszenen gezwungen. Zu einer juristischen Verurteilung kam es aus Mangel an Beweisen nie.
Trotz der Vorwürfe war Ki-duk Kim 2018 zur Berlinale eingeladen worden, wo er im Panorama mit Human, Space, Time and Human eines seiner letzten Werke vorstellte. Seine Anwesenheit auf dem roten Teppich führte zu Protesten in Südkorea. Vielleicht war es das öffentliche Urteil, das ihn zu einem Umzug nach Lettland bewegte.

 

† 11. Dezember 2020 | Coronavirus

11.12.2020 | mz
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