Freitag, 2. Dezember 2022
† Sidney Poitier

(1927–2022)

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* 20. Februar 1927 | Schauspieler, Regisseur
Der Schauspieler Sidney Poitier ist in seiner Heimat auf den Bahamas gestorben, wie das Büro des bahamischen Premierministers bestätigte. Der Botschafter der Bahamas für Japan und die UNESCO war Wegbereiter für viele Afroamerikaner und bekam 1964 als erster Schwarzer einen Oscar® für den besten Hauptdarsteller. In Lilien auf dem Felde spielte er einen Tischler, der fünf aus der DDR geflüchteten Nonnen beim Kirchenbau in der Wüste von Arizona hilft.
Drei Jahre später war er der erste Schwarze, der in einem Hollywoodfilm eine Weiße küssen durfte. Gefilmt wurde die Szene in Rat mal, wer zum Essen kommt verschämt durch den Rückspiegel eines Taxis. Seine damalige weiße Kusspartnerin, Katharine Houghton (im Film die Tochter ihrer pseudoliberalen Filmeltern Katharine Hepburn und Spencer Tracey) bekundete später, dass eine »unglaubliche Anspannung« beim Drehen spürbar gewesen sei. Damals herrschte in zahlreichen US-Bundesstaaten noch die Rassentrennung.
Im selben Jahr durfte Sidney Poitier vor der Kamera eine weitere Ungeheuerlichkeit wagen: Im Krimi In der Hitze der Nacht musste er sich als Polizist Virgil Tibbs gegen einen rassistischen Südstaatensheriff behaupten. Als dieser ihm eine Ohrfeige gab, schlug Tibbs zurück. Am Ende des Films trägt ihm der von Rod Steiger gespielte stiernackige Weiße voller Hochachtung den Koffer zum Zug.
Unerwartet während eines Ausflugs in Miami geboren, wuchs Sidney Poitier als achtes Kind von bettelarmen Tomatenzüchtern auf den Bahamas auf. Mit 15 Jahren kehrte er nach Miami zurück, verließ jedoch nach einer Begegnung mit dem Ku-Klux-Klan den Sonnenscheinstaat und ging nach New York, wusch Teller, rupfte Hühner und entlud Schiffe. Den kargen Lohn investierte er in Schauspielunterricht – er lebte den Amerikanischen Traum. Mit seinem ähnlich berühmten Freund Harry Belafonte fuhr er 1964 nach Mississippi, um dort die Bürgerrechtler gegen den Ku-Klux-Klan zu unterstützen.
Beim American Negro Theatre in Harlem machte er Bekanntschaft mit dem Theater. Von dort schaffte er es an den Broadway. Schließlich holte ihn Hollywoodproduzent Darryl F. Zanuck zum Film. Als Arzt in Der Hass ist blind gab er 1950 an der Seite von Richard Widmark sein Filmdebüt. Ende der 1960er Jahre zählte Sidney Poitier zu den höchst bezahlten Schauspielern in Hollywood.
Später inszenierte er als Regisseur einige weniger beachtete Filme. Seine Komödie Zwei wahnsinnig starke Typen mit Gene Wilder und Richard Pryor ging als der Film mit den höchsten Einspielergebnissen eines schwarzen Regisseurs in die Geschichte ein, bis Keenen Ivory Wayans diesen Rekord im Jahr 2000 mit Scary Movie brach. Später kehrte Sidney Poitier 1988 an der Seite von Tom Berenger und Kirstie Alley in dem Film Mörderischer Vorsprung auf die Leinwand zurück. Danach spielte er Nelson Mandela in dem Film Mandela und de Klerk – Zeitenwende von 1997. Seine letzte Rolle hatte er 2001 in dem Fernsehfilm The last Brickmaker in America.
Er trug vermutlich auch dazu bei, dass Barack Obama US-Präsident wurde: Er unterstützte eine Stiftung, die Afrikanern ein Studium in den USA ermöglichte. Einer der Teilnehmer war der Kenianer Barack Obama senior. Dessen Sohn, der US-Präsident, ehrte Sidney Poitier 2009 mit der Freiheitsmedaille – der höchsten zivilen Auszeichnung des Landes. Er mache »keine Filme, sondern Meilensteine – Meilensteine künstlerischer Exzellenz, Meilensteine des amerikanischen Fortschritts«, sagte der erste schwarze US-Präsident in seiner Laudatio.
2002 erhielt Sidney Poitier den Ehren-Oscar® für seine »einzigartige Erscheinung auf der Leinwand sowie für die Würde, seinen Stil und seine Intelligenz als Repräsentant der Filmindustrie«. Minutenlang erhob sich der Saal zum Beifall. Er hinterlässt seine Ehefrau, die kanadische Schauspielerin Joanna Poitier (Shimkus), sowie seine Töchter Pamela, Sherri, Gina, Anika, Sidney Tamiia Poitier und Beverly Poitier-Henderson sowie ebenso viele Enkelkinder.
† 6. Januar 2022 | Herzversagen

06.01.1922 | mz
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