Mittwoch, 16. Juni 2021
† Phil Spector
Harvey Philip Spector (1939-2021)
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* 26. Dezember 1939 | Musikproduzent, Musiker, Liedschreiber

 

Er war der „Tycoon of Teen“ – Phil Spector. Er gründete 1958 die Teddy Bears und landete mit der ersten Single „To know him is to love him“ einen Nummer-Eins-Hit. Der Titel findet sich auch auf dem Grabstein seines Vaters wieder, der sich das Leben nahm, als Phil neun Jahre alt war. Bei dem Lied „On Broadway“ von den Drifters spielte er am Ende das Gitarrensolo.
1961 gründete er zusammen mit Lester Sill Philles Records, produzierte die Crystals, die Ronettes, Ike und Tina Turner, arbeitete mit dem Liedschreiber-Duo Ellie Greenwich und Jeff Barry, Lee Hazlewood und dem Arrangeur Jack Nitzsche, schrieb und produzierte Evergreens wie „Be my Baby“ und „Then he kissed me“ und nahm mit den Righteous Brothers „You’ve lost that lovin‘ Feeling“ und „Unchained Melody“ auf.
Er erfand die sogenannte „Wall of Sound“ – übereinander geschichtete Tonspuren voller Orchestrationen und Hall, die in Pop-Sinfonien kulminierten, ohne das aufgenommene Material oder die leidenschaftlichen Stimmen zu überwältigen. Er produzierte bis Mitte der 1970er Jahre John Lennon und George Harrison. Die Ähnlichkeit von „My sweet Lord“ mit einem Lied der Chiffons überhörte er, was George Harrison eine Plagiatsklage einbrachte.
Doch das Privatleben des verschrobenen und gestörten Produzenten wurde ihm immer mehr zum Verhängnis. 1967 heiratete er Ronnie Bennett, die Sängerin der Ronettes, zog sich angeblich aus dem Musikgeschäft zurück, erschien in einer Episode von Bezaubernde Jeannie als Musikproduzent und in Easy Rider als Drogendealer. Zwei Jahre später war er plötzlich wieder da. 1972 floh Ronnie wegen seelischer und physischer Gewalttaten von ihm. Die Ehe entwickelte sich für die Musikerin zu einem Martyrium, denn Phil Spector verbot ihr aufzutreten, verhielt sich extrem eifersüchtig und überwachte sie auf Schritt und Tritt. 1974 erfolgte letztlich ihre Scheidung.
John Lennon und Leonard Cohen berichteten, dass der derangierte, betrunkene Produzent im Studio mit Waffen auf Lampen schoss. Leonard Cohen hielt er einmal eine Pistole an den Kopf und sagte: »Ich liebe dich.« Der Musiker entgegnete: »Das hoffe ich, Phil.« Er überlebte, aber „Death of a Ladies‘ Man“ wurde ein Disaster, von dem sich Leonard Cohen zwar erholte, Phil Spector jedoch nicht. In David Mamets TV-Film Der Fall Phil Spector spielt Al Pacino den erratischen Verrückten an der Seite von Helen Mirren, Jeffrey Tambor und Chiwetel Ejiofor.
Am 3. Februar 2003 meldete sich sein Chauffeur von dessen Anwesen im kalifornischen Alhambra bei der Polizei: Phil Spector hatte die Schauspielerin Lana Clarkson mit einem Revolverschuss in den Mund getötet. »Ich denke, ich habe jemanden ermordet«, sagte Phil Spector angeblich. Später bezeichnete er den Todesschuss als »versehentlichen Selbstmord«. Nachdem er 2007 zunächst freigesprochen wurde (ein Geschworener schloss sich dem Schuldspruch nicht an), wurde Phil Spector 2008 wegen Totschlags zu 19 Jahren bis lebenslänglich verurteilt. Er kam in ein kalifornisches Gefängnis in Stockton, wo er nun an den Folgen einer Erkrankung durch das Coronavirus im Alter von 81 Jahren starb.
Viermal war er verheiratet und produzierte zusammen fünf Kinder. Tochter Nicole hatte sogar Filmauftritte in Cameron Crowes Filmen Almost famous und Elizabethtown. Der Filmemacher hat auch schon mit Tom Cruise über eine mögliche biografische Verfilmung gesprochen.

 

† 16. Januar 2021 | Coronavirus

16.01.2021 | mz
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