Mittwoch, 12. Mai 2021
Steppenwolf mit dem Mutterkasten
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Um ehrlich zu sein: Ich hatte Justice League abgehakt, nachdem ich ihn gesehen hatte. Joss Whedon stellte den Film 2017 fertig, nachdem Zack Snyder das Filmprojekt wegen des Todes seiner 20-jährigen Tochter Autumn verlassen musste. Heraus kam ein Effektespektakel, das vermutlich nur die Studiobosse zufriedenstellte.
Vier Jahre später kommt nun eine Neufassung ins (US-)Kino, die sich nicht nur gewaschen hat, sondern auch die Geschichte so erzählt, wie es Zack Snyder vor hatte. Ursprünglich sollte es zwei Teile geben – wie bei der Marvel-Konkurrenz mit Infinity War und Endgame, doch die Umstände zwangen den visionären Filmemacher, sich für eine Zeit der Trauer und Familie vom Geschäft zurückzuziehen.
Unter dem Titel Zack Snyder’s Justice League kommt nun unweigerlich seine Vision heraus – den Umständen zufolge als Ein-Film-Langfassung. Zu aller Überraschung erscheint der Film weder im ursprünglichen 3D- noch im Breitbildformat. Jeder, der im Besitz eines neumodischen Bildschirms ist, hat nun schwarze Balken links und rechts, denn Zack Snyder zeigt seine Vision der Gerechtigkeitsliga im IMAX®-Format, das in den Proportionen fast quadratisch ist und dem ursprünglichen TV-Format 4:3 ähnelt – nur noch ein wenig schmaler.
Warum man dieses Format im Pressetext als „visionär“ bezeichnet, kann ich nicht nachvollziehen. Man bekommt immer wieder den Eindruck, links und rechts fehlt etwas vom Bild, die Figuren werden teilweise abgeschnitten. Die anderen zwei Minuspunkte, die ich vergeben muss, sind einerseits die Gesamtlänge sowie andererseits die zweite Hälfte, die größtenteils auch in der Kinofassung zu sehen war. Während man in der ersten Hälfte noch größtenteils überraschend ruhig, schon fast transzendent, der Handlung folgen konnte, nimmt der Film an Fahrt und Farbe zu, wird dafür aber auch durch das ständige Bekriegen wieder etwas stumpf und action-langweilig.
Kommen wir zu den signifikanten Änderungen: Zack Snyders Version ist in sechs Teile plus Epilog eingeteilt:
1 – Don’t count on it, Batman
2 – The Age of Heroes
3 – Beloved Mother, beloved Son
4 – Change Machine
5 – All the King’s Horses
6 – Something darker
E – A Father twice over.
Man sieht in dem Film wirklich, welche Handlungsoptionen von Joss Whedon und welche von Zack Snyder stammten! Heraus kommt ein wirklich schlüssiger Film, der zudem nicht nur die Figur Steppenwolf visuell grandios aufbereitet, sondern auch dessen Herrscher Darkseid auftreten lässt – zumindest als „Kuh an Wand“ – ähnlich wie der jeweilige Imperator der „Darkseid“ als Hologramm in den Star Wars-Filmen kommuniziert.
🦸‍♂️ 🕋 🦸🏻‍♀️
Der Film beginnt, im Gegensatz zum Kinofilm, mit dem Todesschrei Supermans, der durch die ganze Welt geht. Das ist großartig gemacht, zudem man dabei nicht nur die Brücke zum Vorgängerfilm Batman v Superman: Dawn of Justice schlägt, sondern auch die Helden in jenem Moment aufzeigt. Die ganzen Beweggründe Bruce Waynes, die Helden der Erde zusammenzubringen, um sich gegen den angekündigten Tyrannen aus den Tiefen des Weltalls zu rüsten, und die Einführung der neuen Figuren sind viel komplexer und flüssiger als man es im Kinofilm vorgesetzt bekam.
Auch sind diese geflügelten Kämpfer um Steppenwolf herum nur noch schmückendes Beiwerk und nicht mehr Hauptablenkungspunkt unserer Helden. Die ganze Geschichte wird ein wenig anders erzählt. Szenen fallen weg, neue Szenen kommen dazu – insgesamt knappe zwei Stunden, weshalb man den Film auch daheim sehen sollte, wo man ihn kurz pausieren kann, wenn die Blase nicht hält. Allerdings – des Formats wegen sollte man den Film wohl doch eher im IMAX®-Kino sehen…wo er hierzulande sicher nie gezeigt werden wird.
Zack Snyder lässt auch die Zusatzszenen aus dem Abspann sein und packt diese gleich in den Epilog – auch hier erweitert. Allerdings fehlt hier die Zusatzszene des Schnelligkeitsduells zwischen Flash und Superman – was man dem Regisseur zugute halten muss. Dafür gibt es in Bruces verlängerter Zukunftsvision ein Wiedersehen mit dem Joker aus Suicide SquadJared Leto!
Ein wenig schmunzeln kann man zudem, wenn sich Aquaman Arthur Curry gefühlte zehn Mal den Pulli vom Oberkörper reißt, bevor er ins Wasser abtaucht oder Barry Allen seine Zukünftige, Iris West, ähnlich witzig wie Peter Maximoff, der in X-Men | Zukunft ist Vergangenheit Magneto befreit, aus einem Verkehrsunfall rettet.
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Zack Snyder’s Justice League ist großes Kino, hier leider pandemiebedingt ohne Letzteres – dafür zunächst nur mit richtig teurem sky-Abo mit Digitalton und hochauflösendem Bild zu genießen. Die Filmmusik von Danny Elfman wurde komplett von Tom Holkenborg ersetzt, damit diese auch zu den neuen Bildern passt und ein einheitliches Klangbild ergibt. Wer kein sky-Abo hat, muss sich bis Ende Mai gedulden, wenn das Werk auf Scheibe herauskommt. Wie es mit der Liga weitergeht, ist noch ungewiss. Zunächst kommen die verspätete Einführungsgeschichte zu Flash, und ein zweiter Aquaman heraus…

26.03.2021 | mz
Kategorien: Feature | Filme