Samstag, 18. Mai 2024
Mark (Frederick Lau)
Franky zwei Promille (Henning Peker), Frauke (Eva Weißenborn) und Mark (Frederick Lau)
Helena (Nora Tschirner) und Mark (Frederick Lau) im MPU-Kurs
Zuversichtlich: Mark (Frederick Lau) im MPU-Kurs
Helena (Nora Tschirner) und Mark (Frederick Lau)
Gemeinsam durch die Nacht: Helena (Nora Tschirner) und Mark (Frederick Lau)
Anja (Friederike Becht) und ihr Mann, Marks bester Freund Nadim (Burak Yiğit)
Mark (Frederick Lau) bastelt sich einen Countdown.
Mark (Frederick Lau) und MPU-Leiter Dr. Blau (Godehard Giese)
Auf ein neues Leben! Mark (Frederick Lau) und Helena (Nora Tschirner)
Man ist nie zu alt, um Fahrradfahren zu lernen! Mark (Frederick Lau) und Helena (Nora Tschirner)
Mark (Frederick Lau) und Helena (Nora Tschirner)
Helena (Nora Tschirner)
Mark (Frederick Lau) und Helena (Nora Tschirner)
Überall wartet die Party-Versuchung: Mark (Frederick Lau)
Jan Gallasch (Pictures in a Frame), Johanna Bergel (Dt. Columbia Pictures), Dr. Stefan Gärtner (SevenPictures Film), Regisseur & Produzent Markus Goller, die Hauptdarsteller Frederick Lau und Nora Tschirner, Martin Bachmann (Dt. Columbia Pictures/Sony Pictures), Drehbuchautor & Produzent Oliver Ziegenbalg, Quirin Berg (Wiedemann & Berg Film), Daniel Saltzwedel (Medienboard Berlin-Brandenburg) und Karolin Charaby (SevenPictures Film)
Regisseur & Produzent Markus Goller, die Hauptdarsteller Frederick Lau und Nora Tschirner und Drehbuchautor & Produzent Oliver Ziegenbalg
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In einer Welt, in der es eher einen Grund braucht, nicht zu trinken, ist Mark der ungekrönte König. Scheinbar spielend leicht jongliert er sein Leben zwischen einem fordernden Beruf als Bauleiter einer Berliner Großbaustelle, ausgelassenen Geschäftsessen und ausufernden Streifzügen durch das Berliner Nachtleben.
Als er eines Nachts im Rausch sein Auto umparken will, passiert es: Polizeikontrolle, Schein weg, MPU am Hals. Mark wettet mit seinem besten Freund Nadim, dass er es schafft, so lange keinen Alkohol zu trinken, bis er seinen Führerschein wiederbekommt.
Als Mark im MPU-Kurs Helena kennenlernt, findet er in ihr seine Verbündete. Ist er sich anfangs noch bombensicher, dass das alles ein Spaziergang wird, stellt sich die Wette langsam immer mehr als ein langer, steiniger, oftmals durchaus lustiger, aber manchmal auch wirklich harter Weg heraus.
Wie gibt man vertraute Gewohnheiten auf und gesteht sich ein, dass man ein echtes Problem hat? Der Weg zurück zum eigenen Selbst ist alles andere als leicht…

»Ich bin Verkehrspsychologe und mein Name ist Blau.«

Dr. Blau

Die kreative und unternehmerische Hoheit über ein Projekt zu haben, wollen Regisseur Markus Goller und Drehbuchautor Oliver Ziegenbalg nicht mehr missen, sagen sie im Hinblick auf ihre erneute Produzententätigkeit mit Sunnysideup, die sie Anfang 2017 gründeten. Man trage zwar die komplette Verantwortung, habe aber gleichzeitig mehr Freiheit.
25 km/h sei ein Crashkurs in praktischer Filmschule gewesen, gleichzeitig habe die allumfassende Einbindung eine ganz andere Identifikation mit dem Projekt geschaffen. »Wir haben so viel gelernt, was Filmproduzieren bedeutet«, so Markus Goller, und Oliver Ziegenbalg ergänzt: »Vor allem haben wir mit 25 km/h gelernt, dass wir genau so weitermachen wollen.«
Man hätte nach dem ersten Film auch die Erfahrung machen können »einmal und nie wieder. Das war bei uns glücklicherweise überhaupt nicht so. Uns hat es zu 100 Prozent getaugt, wir haben festgestellt: Das ist genau unser Modell«, so beide unisono. Alle Entscheidungen, von der Entwicklung bis hinein in die Postproduktion, können selbst getroffen werden.
»Andere Produzenten hätten Dinge vielleicht anders gemacht, hätten uns Songs rausgestrichen, die wir unbedingt wollen, nur weil sie in deren Augen zu teuer gewesen wären. Die Freiheit, die wir genießen, wenn wir neben unseren Jobs als Regisseur und Editor beziehungsweise im Fall von Oliver als Drehbuchautor auch noch selbst produzieren, ist das tollste«, so Markus Goller.

Mit Sunnysideup haben sich die beiden auf die Fahnen geschrieben, Filme mit persönlichem Bezug und gesellschaftlicher Relevanz für ein breites Publikum zu realisieren. Wie 25 km/h erzählt auch One for the Road eine persönliche Geschichte. »Alle Projekte, die wir im Duo angehen, fußen auf Erlebnissen aus unseren Leben. Dieser Umstand bringt in die Drehbucharbeit eine total echte Form von Emotionalität und Verbundenheit, die sich wiederum in Folge auf die Kinoleinwand überträgt«, so Oliver Ziegenbalg.
Die Idee zu One for the Road spukte Oliver Ziegenbalg schon viele Jahre im Kopf. Der Auslöser war ein Abendessen mit Freunden: »Das liegt sicherlich schon über zehn Jahre zurück. Eine gemütliche Runde, abends, unter der Woche. Da ist mir aufgefallen: Wahnsinn, um Zwölf sind wir alle besoffen, obwohl wir am nächsten Tag arbeiten müssen. Und keinem wäre es in den Sinn gekommen zu hinterfragen, ob einer am Tisch ein Alkoholproblem haben könnte.«
Dieses gesellschaftliche Phänomen, dass alle trinken und niemand ein Problem hat, wollte er näher untersuchen – vor allem den Aspekt, was passiert, wenn sich innerhalb einer Freundesclique herauskristallisiert, dass doch jemand ein Problem mit Alkohol hat.
»Dann heißt es: Klar, das war ja offensichtlich, dass Der- oder Diejenige immer viel zu oft zu tief ins Glas geguckt hat. Doch als betroffene Person innerhalb der Clique sieht man nicht, auf was man zusteuert. Ich habe viele Jahre genauso gelebt, war fester Bestandteil einer solchen Gruppe und hätte nie gedacht, dass ich ein Problem haben könnte, obwohl ich damals definitiv wirklich viel zu viel Alkohol getrunken habe«, erzählt der Drehbuchautor.
Dass ein so wichtiges Thema Kinopotenzial hat, lag für die Filmemacher auf der Hand. Es galt aber, den richtigen Ton zu finden: »Ich wollte kein pures Drama daraus machen. Das gibt es schon mehrfach und das ist einfach auch nicht mein Schreibstil«, unterstreicht Oliver Ziegenbalg.
So arbeitete er aus seiner eigenen Wahrhaftigkeit heraus, folgte seinen Erinnerungen und seinem Empfinden, das er an jenen früheren Lebensabschnitt hat. Das Leben läuft, man trinkt und feiert, keiner würde denken, dass etwas nicht stimmt, und unmerklich, ohne, dass man es kommen sieht, steckt man in der Situation und merkt: Da gibt es ja doch ein Trinkproblem!
Als Oliver Ziegenbalg angefangen hatte, die Geschichte von One for the Road zu schreiben, war die Hauptfigur sehr nah an ihm selbst – ein Vater zweier Töchter, weit über zehn Jahre älter als der finale, von Freddy Lau verkörperte Mark. Irgendwas hat an dem Stoff haute aber nicht hin, er wollte nicht so recht abheben, und sie wussten nicht recht, woran es hakt. Irgendwann gab Markus Goller das Drehbuch seiner Frau, der Filmemacherin Katja von Garnier, zu lesen.
Oliver Ziegenbalg erinnert sich: »Katja gab uns eine ganz tolle (die entscheidende!) Anregung: Sie erkannte die Wichtigkeit des Themas, sagte aber, dass es doch für junge Leute fast wichtiger als für Leute in unserer Altersgruppe sei. Mit 50 weiß man im besten Fall selbst, was Alkohol anrichten kann. Aber wenn der Film eine jüngere Hauptfigur, Mitte 30, ins Zentrum rückt, jemanden, der noch keine Verantwortung hat, keine Familie, den man noch wachrütteln kann, weil es ihn sonst in zehn Jahren vielleicht nicht mehr gibt, das hat mir sofort eingeleuchtet. Da war was dran!«

Und während wir uns Mark und seinen Freundeskreis betrachten, vergleichen wir unsere Trink- und Feiergewohnheiten und ertappen uns dabei, die eigenen Gewohnheiten in Frage zu stellen. Und dann machen wir mal den Alkohol-Selbsttest und fragen uns: Welcher Trinkertyp bist du?
Das ist der unterhaltsame Teil des Films, auch wenn Mark allein oder zusammen mit Helena über die Stränge zieht. Als dann Dinge geschehen, die Mark immer mehr ausgrenzen (erst freundschaftlich, dann auch beruflich), bekommt nicht nur Mark seinen Moment, an dem er so richtig sein Leben umkrempeln muss, auch wir Zuschauenden stürzen mit ihm in die Abwärtsspirale.
Das ist dann auch nicht mehr lustig und man stellt sich vor, diese Person könnte sich im eigenen Freundeskreis befinden – was macht man da? Glücklicherweise wird hier in Gestalt des unglaublichen Dr. Blau (Gratulation zu diesem Brüller!) ein Lösungsansatz an die Seite gestellt, wodurch wir letztlich in ein graues Ende entlassen werden. Bei solchen Filmen ist es wahrlich nicht einfach, ein Ende zu präsentieren, das die Überschwänglichkeit der Geschichte zufrieden, wenn auch nicht gerade übermäßig optimistisch ausklingen lässt.
Der Film macht einerseits Laune, ist aber größtenteils dann doch eher eine Anleitung zum Nüchternwerden, ohne zu sehr Hollywood-dramatisch zu werden. Frederick Lau und Godehard Giese sind hier die beiden Schauspieler, die am nachhaltigsten im Gedächtnis bleiben, während Nora Tschirner zwar ab und zu mal aus ihrer Ausdrucks-Lethargie ausbricht, aber doch irgendwie austauschbar wirkt.
Dass die Dreharbeiten schon ein paar Jahre her sind, erkennt man an der Tatsache, dass Marks Bauprojekt, das „Voltaire“ neben der Berliner Alexa-Mall schon seit einiger Zeit fertig ist. Die Fertigstellung des Films hatte vermutlich auch etwas gedauert, da beide Filmemacher zwischenzeitlich mit anderen Projekten beschäftigt waren: Während sich Markus Goller mit der Magenta-Serie Wild Republic beschäftigt hatte, produzierte Oliver Ziegenbalg zusammen mit Robert Thalheim die Netflix-Miniserie The Billion Dollar Code.
In One for the Road wettet Mark mit seinem Freund Nadim, dass er nüchtern bleibt, bis er seinen Führerschein wiedererlangt hat. Nadim hält dagegen, denn er kennt seinen Freund, und wettet, sollte Mark das tatsächlich schaffen, dass er nackt durch einen Zug der Ringbahn läuft. Zum Auflockern des eher nüchteren Endes ist dann vor dem Abspann diese Szene dann doch zu sehen – allerdings (vermutlich aus rechtlichen Gründen) nicht in einem S- sondern in einem U-Bahn-Zug, was aber trotzdem ein unheimlicher Spaß gewesen sein muss, das zu drehen.
Fazit: One for the Road ist unterhaltsam, lehrreich, aber auch nicht jedermanns Sache, wenn auch für ein breites Publikum gemacht. Schauen wir aber mal, was die beiden als nächstes in petto haben… Die Ironie des Lebens – eine Dramödie um einen erfolgreichen Komiker, gespielt von Uwe Ochsenknecht, dessen Privatleben mit Einsamkeit und Traurigkeit gefüllt ist und mit Alkohol und Groupies ausgeglichen wird. An seiner Seite spielen Corinna Harfouch, Emilia Schüle und Robert Gwisdek.

10.05.2024 | mz
Kategorien: Feature | Filme