Freitag, 13. Dezember 2019
Besucherrekord beim 9. Kurdischen Filmfestival Berlin
Nach sieben ereignisreichen Tagen mit über 40 Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilmvorführungen sowie Podiumsdiskussionen, Konzerten, einer Lesung und einer Ausstellung ging die neunte Ausgabe des Kurdischen Filmfestivals Berlin am 7. August mit dem wunderbaren poetischen Dokumentarfilm Saz zu Ende. Das größte kurdische Filmfestival Europas begrüßte dieses Jahr über 2.500 Besucher in den Kinos Babylon Mitte und Moviemento sowie in der Veranstaltungsstätte Ulme 35. Damit verzeichnet das Festival im 9. Jahr eine Steigerung von 25% gegenüber dem Vorjahr.
Die Filme des Programms stellten die Vielfalt der kurdischen Gesellschaft und Kultur dar. Sie ermöglichten den Festivalbesuchern intime Einblicke in die Sicht- und Denkweise der Kurden, aber auch in die Darstellung der kurdischen Realität durch westliche Regisseure. So wurde das Festival mit dem Spielfilm Girls of the Sun der französischen Regisseurin Eva Husson eröffnet, der Widerstandskämpferinnen bei der Befreiung eines kurdischen Dorfes von religiösen Extremisten zeigt.
In diesem Zusammenhang war es für die Festivalveranstalter von großer Bedeutung, nicht nur die verschiedenen Sichtweisen filmisch zu zeigen, sondern auch Raum für kritische Auseinandersetzungen mit den Themen zu schaffen, z.B. bei der Podiumsdiskussion „Die Darstellung der kurdischen Freiheitskämpferinnen in den westlichen Medien und Kinofilmen“.
»Die westlichen Filme über kurdische Frauen sind problematisch, unter anderem weil sie die sehr lange Geschichte der kurdischen Frauen als Kämpferinnen ignorieren«, betonte die Akademikerin und Aktivistin Nazan Üstündag, die an der Podiumsdiskussion teilnahm. »Wenn wir uns diese Filme anschauen, sieht es so aus, als hätten die kurdischen Frauen erst dann die Waffen in die Hand genommen, als der IS kam, aber das ist nicht wahr. Die kurdischen Frauen nahmen die Waffen in die Hand und organisierten sich ursprünglich gegen den Staat.«
Auch im Dokumentarfilmprogramm des 9. Kurdischen Filmfestivals Berlin gab es besondere Highlights, wie z.B. den Oscar®-nominierten Of Fathers and Sons des kurdischen Regisseurs Talal Derki, der sich zwei Jahre lang als IS-Anhänger ausgegeben hat, um das Vertrauen einer radikal-islamistischen Familie zu gewinnen und ihren Alltag in Vorbereitung auf den Gotteskrieg filmen zu dürfen. 
Oder On her Shoulders von Alexandria Bombach – ein Porträt der irakischen Ezidin und Überlebenden des IS-Genozids Nadia Murad, die für ihren Kampf für die Anerkennung des Völkermordes an den Eziden 2018 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. Auch zu diesem Thema gab es unter dem Titel „Sexuelle Gewalt gegen Ezidi-Frauen: Eine Diskussion über Öffentlichkeit“ eine Diskussionsveranstaltung, die auf die nach wie vor dramatische Situation der Eziden in Syrien und in der Türkei aufmerksam machte. Auch wenn das Thema aus den Medien weitgehend verschwunden ist, gehen die massiven Menschenrechtsverletzungen in der Region weiter.
Das 10. Kurdische Filmfestival Berlin für 2020 ist bereits in Planung. Die Finanzierung ist durch die Unterstützung des Berliner Senats für die kommenden vier Jahre gesichert. Das Festival, im Jahr 2002 gegründet, wird von mîtosfilm veranstaltet. In seiner Einzigartigkeit ist das Festival die größte Veranstaltung zum kurdischen Film in Europa. Das breitgefächerte Programm ermöglicht Einblicke in die Vielfalt der kurdischen Gesellschaft und schafft Raum für persönliche Begegnung und Austausch zwischen Filmschaffenden und dem Berliner Publikum.
Das Programm setzt sich aus Kurz-, Dokumentar-, und Spielfilmen zusammen, und präsentiert sowohl Werke von Filmschaffenden aus den vier Teilen Kurdistans (Irak, Iran, Türkei, Syrien) und der Diaspora, als auch prägnante Werke europäischer Filmschaffender über Kurden. Ergänzt wird das Filmprogramm durch Rahmenveranstaltungen wie Filmgespräche, Podiumsdiskussionen und Konzerte.

10.08.2019 | mz
Kategorien: Magazin