Sonntag, 24. Januar 2021
Interview mit Frieder Wittich
13 Semester
Der in Stuttgart geborene Regisseur und Drehbuchautor Frieder Wittich arbeitete bereits vor seinem Abitur als Kameraassistent für SAT.1. Zum Drehbuchschreiben kam er über die beiden Autoren Krystian Martinek und Neidhard Riedel, die für die Krimiserie Ein starkes Team verantwortlich zeichnen und schrieb bei den Episoden „Auge um Auge“ und „Mordlust“ am Drehbuch mit. Zudem wirkte er in der Zeit von 1996 bis 1998 bei verschiedenen Fernsehspielen für das ZDF und SAT.1 als Autor mit.
Im Jahr 2005 schloss er sein Studium der Film- und Fernsehregie an der Hochschule für Fernsehen und Film München ab. Er realisierte diverse Werbefilme, unter anderem für DaimlerChrysler, Swisscom und McDonald’s. 2004 wurde er mit dem First Steps Award ausgezeichnet, der als private Initiative der Filmbranche und Wirtschaft für die besten Abschlussfilme deutscher Filmschulen vergeben wird.
Seine Kurzfilme Mosquito (1999) mit Liane Forestieri und Michael Maertens und Opus (2002) mit Lisa MartinekFelix Eitner und Oliver Korittke wurden mehrfach ausgezeichnet, u.a. beim Filmfestival Bayreuth, dem Filmfestival Bamberg und dem Arizona International Film Festival. Außerdem erhielt Frieder Wittich unter anderem den Porsche Award 2004, den Kurz & Schön Award 2004 sowie den Preis der Jury bei dem Internationalen Werbefilmfestival 2004 in der Sektion „Spotlight Festival for Students“.
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Dies ist Ihr erster großer Kinofilm. Wie geht man da ran, mit Angst, mit Hoffnung oder schließlich, wenn es einmal angefangen hat, mit großer Selbstverständlichkeit?
Natürlich ist es aufregend, so etwas zu machen. Das war aber auch schon an der Filmhochschule bei meinen Kurzfilmen so. Wenn es dann aber mit den Dreharbeiten losgeht, ist die Aufregung verschwunden. Dann kämpft man für Dinge und versucht, die Vision, die man hat, umzusetzen und andere Menschen dafür zu begeistern. Aber natürlich ist der erste Kinofilm etwas Besonderes, sicher.
Hat man als Anfänger Hemmungen, Szenen wieder und wieder zu drehen und die Schauspieler bis an ihre Grenzen zu treiben?
Nein, überhaupt nicht. Ich glaube, dass Hemmungen bei dem Beruf des Regisseurs völlig fehl am Platze sind. Man muss versuchen, das Beste aus den Leuten herauszuholen. Mehr kann man nicht tun. Ich selbst mache ja am Set überhaupt nichts. Ich führe keine Kamera, ich steh nicht vor der Kamera. Ich kann also lediglich versuchen, die Leute zu begeistern, das zu tun, was ich mir vorgestellt habe. Manchmal kommt es eben auf die kleinen Momente an, auf die ich gewartet habe. Und solange mich die Produktion machen lässt, solange noch etwas Material da ist, wird dann die Szene wiederholt. Da gibt es kein Zurück.
Loriot hat eine nicht unwesentliche Rolle bei der Verwirklichung der Idee gespielt. Wie kam der Kontakt zustande?
Ich hatte für einen Werbespot bei „First Steps“ einen Preis gewonnen und ein Teil dieses Preises war auch eine Mentorenschaft mit einem Mitglied der Deutschen Filmakademie. Gemeinsam mit dem Produzenten Jakob Claussen habe ich mir dann überlegt, welchen Mentor ich mir da suchen würde und bin ganz schnell auf Vicco von Bülow gekommen, der für mich einfach der Altmeister der Komödie ist und mich seit frühester Kindheit begleitet und fasziniert hat. Ich bin echt ein Fan. Mir war klar, dass das keine wochenlange Mentorenschaft wird, sondern eher ein einmaliges Treffen.
Und so kam es dann auch. Die Filmakademie hat uns, meinem Co-Autor Oliver Ziegenbalg und mir, dann einen Tag mit Vicco von Bülow vermittelt. Er hatte das Buch gelesen und tausend Anmerkungen an den Rand geschrieben. Wir saßen also 6 oder 7 Stunden zusammen und haben über das Script gesprochen. Wir haben sehr viel über Figuren diskutiert, über Stimmungen und dramaturgische Bögen, darüber, wann man eine Szene bricht, um Komik zu erzeugen. Das war eine ganz tolle Hilfe.
Die Komödie ist laut Billy Wilder das schwierigste aller Genres. Warum haben Sie den Stoff als Komödie inszeniert?
Schon an der Hochschule habe ich immer komödiantische Kurzfilme gemacht, und zwar, weil ich selber gerne im Kino lache. Für mich zeichnet eine gute Komödie aber immer aus, dass sie im Kern ein ernstes existentielles Thema besitzt. Und bei 13 Semester sind das eben die für einen Studenten existentiellen Fragen: Studiere ich wirklich das Richtige? Wie werde ich glücklich im Leben? Und zwingt mich das Diplom, das Studierte mein Leben lang zu praktizieren? – eben Fragen, die sich, glaube ich, fast alle Studenten schon gestellt haben. Das heißt aber nicht, dass ich in Zukunft ausschließlich Komödien machen will. Ich bin auch ein großer Fan des Dramas.
Die Studienzeit ist im amerikanischen Film ein festes Genre, hier bei uns allerdings nicht. Warum gibt es hier so wenig Collegefilme?
Das haben wir uns auch gefragt, und letztlich war das einer der Gründe, diesen Film zu machen. Als Oliver Ziegenbalg mir von der Grundidee erzählte, war ich sofort begeistert. Denn nach dem Pennälerfilm á la Feuerzangenbowle gab es fast nur noch Anatomie, einen Film über Geheimbünde und Verbrechen im Sinn der wissenschaftlichen Forschung. Aber die Uni, wie sie wirklich ist, wurde da auch nicht gezeigt. Das war’s fast schon im Bereich des Universitätsfilms und so haben wir versucht, da eine Lücke zu schließen.
Sie haben in Hessen, in Darmstadt gedreht, das ist nun keine typische Unistadt. Was haben Sie aus der Unistadt Darmstadt mitgenommen?
Ich wollte keine Großstadt wie Berlin, Hamburg oder München – also keine Stadt, die alles hat und keine Fragen offen lässt, und Berlin beispielsweise wäre mir auch viel zu hip gewesen. Ich wollte in eine kleine Stadt, in der sich alles um die Universität dreht, wie Münster, Freiburg oder eben Darmstadt. Und durch unsere Kooperationspartner, den Förderpartner, den Verleih und den hr, war ziemlich schnell klar, dass wir in Hessen drehen werden. Und dann bin ich nach Darmstadt gefahren und fand da das perfekte Setting für die Geschichte, die ich erzählen wollte.
Wie haben Sie ihren Cast zusammengestellt? Die Leute mussten ja jung und gleichzeitig professionell sein. Außerdem ist es immer hilfreich, Stars, wie groß auch immer, dabeizuhaben.
Ich habe das Casting mit Suse Marquardt zusammen gemacht, und das Tolle war, dass sie sich wirklich sehr viel Zeit genommen hat. Wir haben einfach nichts ausgelassen. Wir haben den kompletten deutschsprachigen Raum abgegrast, und zwar nicht nur über Agenturen, weil eben viele junge Schauspieler noch gar keinen Agenten haben. Suse ist dann an die Schauspielschulen gefahren und hat sich dort Leute angeschaut, die vorgesprochen haben. Wir haben eine Vorauswahl gemacht und ungefähr 150 junge Schauspieler zum Videocasting eingeladen. Ich weiß nicht mehr, wie viele Stunden DVD-Material ich am Schluss hatte. Dann haben wir Konstellationsproben gemacht, um zu sehen, wer am Besten zu wem passt und schließlich 3 oder 4 Monate lang an der Besetzung gearbeitet. Das hat sich gelohnt. Ich bin mit dem Ergebnis wirklich sehr glücklich.
Die Musik im Film ist sehr speziell, nicht das übliche Popwellen-Angebot. Was bedeutet Filmmusik für Sie?
Die Band Bonaparte habe ich in den letzten Zügen der Drehbucharbeit einmal live gesehen, weil eine Freundin den Gitarristen der Vorgruppe kannte. Das war also ein totaler Zufall. Und ich war begeistert. Genau diese Musik, dachte ich, braucht der Film. Ich habe die Band dann angesprochen und wir sind in Kontakt geblieben. Auch darüber bin ich richtig froh.
Filmmusik ist für mich extrem wichtig, weil es zusätzlich zu den Bildern Stimmungen erzeugt, die visuell gar nicht entstehen können. Wir wollten eine Mischung machen, aus bestehenden Bands und einem eigens für den Film geschriebenen Score. Das war der akustische rote Faden im Film. Da gibt es verschieden Themen, ein kleines Liebesthema zum Beispiel. Es hat mir großen Spaß gemacht, das mit den Komponisten zu entwickeln. Wir haben schon sehr früh in der Schnittphase die Musik entwickelt.

05.01.2010 | mz | Quelle: 20th Century Fox
Kategorien: Magazin