Montag, 4. März 2024
Hölderlins Echo
Der Dokumentarfilm nähert sich dem Leben und Werk des bekannten Dichters auf ungewöhnliche Weise: In den Realfilmteilen werden Kunstschaffende beobachtet und interviewt, die die zahlreichen Vertonungen Hölderlinscher Gedichte von bekannten Komponisten interpretieren. Animierte Sequenzen interpretieren biographische Abschnitte aus Hölderlins bewegtem Leben in poetisch assoziativer Form.
In der Verknüpfung beider Kunstformen entsteht ein Gesamtwerk, das sich bewusst von konventionelleren Formen geographischer Chronologie entfernt und dadurch auch versucht der assoziativen Dichtung gerecht zu werden.
Das Werk Friedrich Hölderlins (1770-1843) wurde allein im 20. Jahrhundert ca. 1800mal musikalisch bearbeitet. Hölderlins Lyrik hat sich in der Musikgeschichte der Moderne in avantgardistische Liedkunst verwandelt, die global, vor allem aber in Asien interpretiert wird. Sehr viele Künstlerinnen und Künstler weltweit reagieren auf die Stimme eines Außenseiters, der die zweite Hälfte seines Lebens in dem kleinen Turm in Tübingen als vermeintlich wahnsinniger Dichter verbracht hat.
Zurückgezogen von der Welt, sind Hölderlin gerade in der zweiten Hälfte des Lebens faszinierende Gedichte gelungen. Einige der späten Werke von Hölderlin wurden von jüdischen Komponisten während ihrer Gefangenschaft in Theresienstadt kurz vor ihrer Ermordung in Auschwitz bearbeitet. Die Entstehungsgeschichte dieser Lieder hallt in Hölderlins Echo auf sehr schmerzhafte Weise nach.

18.10.2023 | mz | Quelle: Arsenal
Kategorien: Filme