Dienstag, 25. Juni 2024
Auf dem Weg

1300 km zu mir

Sur les Chemins noirs

Pierre (Jean Dujardin) an der Steilküste
Pierre (Jean Dujardin) im Krankenhaus mit seiner Schwester Céline (Izïa Higelin)
Anna (Joséphine Japy) und Pierre (Jean Dujardin)
Pierre (Jean Dujardin) lesend in der Natur
Pierre (Jean Dujardin) trifft auf Dorfbewohner.
Arnaud (Jonathan Zaccaï) und Pierre (Jean Dujardin) gehen eine Strecke gemeinsam.
Pierre (Jean Dujardin) vor dem Mont Saint-Michel
Jean Dujardin mit dem Autor der Buchvorlage Sylvain Tesson und Regisseur Denis Imbert
zurück
vor
 
Nach einer wilden Partynacht stürzt der Schriftsteller und Abenteurer Pierre betrunken von einem Balkon und bricht sich dabei Beine, Rückgrat und Schädel – ein Wunder, dass er das überlebt hat! Kaum aus dem Koma erwacht, beschließt er, gegen den Rat seiner Ärzte und Familie, Frankreich zu Fuß zu durchqueren.
Pierres Reise beginnt im Süden in der Provence. Durch unberührte Natur und auf verborgenen Pfaden wandert er 1300 km bis an die Küste der Normandie. Auf dem langen Weg macht er Zufallsbekanntschaften, wandert einen Teil des Weges mit seinem besten Freund Arnaud oder seiner jüngeren Schwester Céline. Schritt für Schritt findet er durch die Auseinandersetzung mit der Natur, seinem Körper und seinen Begegnungen den Weg zu sich selbst.
Jean Dujardin ist mal wieder in einer ernsten Rolle zu sehen – und (als wenn er es gebucht hat) erleidet darin wieder einen Unfall. Während er in Kleine wahre Lügen eine fiktive Figur gespielt hatte, porträtiert er in Auf dem Weg nun Frankreichs Abenteuer-Schriftsteller Sylvain Tesson. Frei nach der Lebensgeschichte und dem darauf basierenden Bestseller „Auf versunkenen Wegen“ des französischen Autors (Der Schneeleopard), besticht er als komplexer Charakterdarsteller vor den majestätischen Landschaften Frankreichs.
»Ich habe einige Bücher von Sylvain Tesson gelesen, um mich dann doch wieder davon freizumachen«, erzählt der Schauspieler. »Ich traf ihn auch. In seiner Art, das Leben und die Welt auszufüllen, ist er ziemlich einmalig. Er ist originell, witzig und wenn man mit ihm redet, hat man immer das Gefühl, er sei schon wieder dabei, sein nächstes Buch zu schreiben… Mir war nicht bewusst, wie persönlich sein Buch „Auf versunkenen Wegen“ ist. Das wurde mir erst beim Drehen klar.«
Regisseur Denis Imbert inszenierte die Landschaften so lebendig und kraftvoll, dass man nach dem Film sofort seine Wanderschuhe rausholen und losziehen möchte. Gleichzeitig spürt man aber auch Pierres Gebrechlichkeit, wenn er zum Beispiel stürzt und sich nur mit viel Mühe aufrichten kann. Und so ganz schlau über ihn wird man auch nicht. Schließlich gibt der Autor auch nicht viel über sich preis.
»Für mich ist er der Reiseschriftsteller schlechthin«, sagt der Regisseur. »Allerdings wird er nur selten persönlich und so muss man als Leser wie ein Archäologe vorgehen. In jedem seiner Bücher ist man bei ihm, hat das Gefühl, ihn auf seiner Reise zu begleiten. Aber man erfährt nur wenig darüber, was er wirklich empfindet. Bei Sylvain muss man den Presslufthammer ansetzen, um den Schiefer oder den Kalkstein zu zertrümmern. Dadurch wurde mir klar, wie intim und persönlich dieses Buch wirklich ist. Es ist eine Art Auto-Fiktion.«
Auf dem Weg ist ein zuversichtlicher Film über das Unterwegssein, eine Ode an die Kraft und Schönheit der Natur und eine ermutigende Geschichte über das Weiterkommen. Und auch wenn Jean Dujardin in Wirklichkeit nicht mehr als drei bis vier Kilometer pro Tag gelaufen ist, so schafft er es dann doch, uns das Abenteuer näher zu bringen. Damit das Ganze nicht so eintönig wird, erleben wir in Rückblenden, wie Pierre zu seiner Verletzung gekommen war und was ihn dazu bewegte, diese Tour de Force durchzumachen.

10.05.2024 | mz
Kategorien: Feature | Filme