Montag, 4. März 2024
The Beekeeper
Adam Clay bei seinen Bienenkästen
© LEONINE | Metro-Goldwyn-Mayer Pictures Inc.
Die Beziehung des Menschen zu den Bienen begann bereits vor der Geburt der Zivilisation. Die Bienenikonographie reicht Jahrtausende zurück und findet sich in allen Teilen der Welt. In Spanien gibt es über 8.000 Jahre alte Felsmalereien einer Frau, die Honig erntet, und in den Pyramiden Ägyptens wurden Fläschchen mit essbarem Honig entdeckt.
Ebenso zeitlos ist die grausame Ausbeutung der Schwachen und Verletzlichen durch die Rücksichtslosen und Gleichgültigen. Auch der Wunsch nach einem weißen Ritter, einem Kämpfer für Gerechtigkeit, einem Helden, der die Gesellschaft schützt, wie ein Bienenzüchter seinen Bienenstock, ist von genauso zeitloser Aktualität.
Der Aufstieg der Bienenzucht vor über 10.000 Jahren verläuft parallel zur Geschichte der Zivilisation. Die Rechnung ist simpel: Ohne Bienen keine Landwirtschaft, ohne Landwirtschaft keine Zivilisation. Bienen sind lebensnotwendig und Bienenzüchter sind essenziell für Bienen.
So wie eine Königin, eine Drohne oder eine Arbeitsbiene in einem gut gepflegten Bienenstock koexistieren und gedeihen, so entwickeln sich Menschen in einer gerechten Gesellschaft. Wenn aber ein System durch Korruption und Gier aus dem Gleichgewicht gerät, ruft man den Bienenzüchter.
Adam Clay ist so ein Bienenzüchter, genauer gesagt: einer von vielen Bienenzüchtern – einer mächtigen geheimen Organisation, die sich für das Gute einsetzt. Eigentlich befindet er sich im Ruhestand, züchtet Bienen, füllt Honig ab und darf in der Garage einer guten alten Frau in einem entfernten Wohnsitz schlafen.
Doch als seine Wirtin Selbstmord begeht, weil sie von Trickbetrügern um sämtliches Geld erleichtert wurde, das nicht nur ihr gehörte, begibt sich die Ein-Mann-Armee Clay auf einen Rachefeldzug gegen diese Gauner, dessen Waffen Telefone und Internetleitungen sind, jedoch von höchster Ebene beschützt werden.
Allerdings wird sein Feldzug von einer FBI-Agentin erschwert, die zufälligerweise die Tochter der Verstorbenen ist und immer einen Schritt zurück liegt. Dabei wird klar, dass zwar Adam nicht auf sie angewiesen ist, sie jedoch ohne Adam noch lange im Dunkeln tappen würde.

»I told you, I take care of bees.«

Adam Clay

Drehbuchautor Kurt Wimmer fühlt sich zu Dingen hingezogen, die für alle die gleiche Bedeutung haben. »Wenn jemand alte Menschen ausnutzt, macht mich das richtig wütend«, stellt er klar. »Betrüger rufen einfach an und nehmen diesen Leuten alles, wofür sie ihr Leben lang gearbeitet haben.«
Es erscheint besonders ungerecht, da ältere Menschen oft verwitwet oder allein sind und niemanden haben, der sich für sie einsetzt. Wenn das Geld weg ist, haben sie keine Chance, es zurückzubekommen, weil ihnen die Zeit wegläuft. Auf der ganzen Welt werden Menschen betrogen, ohne dass die Täter behelligt werden können.
Für ihn ist diese Geschichte persönlich. Vor vielen Jahren hatte er eine alte, verwitwete Tante in Deutschland. Einige Leute gewannen ihr Vertrauen, zogen bei ihr als Haushälter ein und erhielten schließlich Zugang zu ihren Bankkonten. Sie nahmen ihr alles, was sie besaß, und die Tante starb mittellos.  Diese Erfahrung ist ihm immer in Erinnerung geblieben. So wurde die Geschichte von The Beekeeper geboren.
»Dieser Film ist meine fantastische Antwort auf die Frage: Was könnte ich diesen Menschen antun, die jemanden verletzen, der hilflos ist? Ich will einen weißen Ritter für Menschen, die ihn wirklich brauchen«, so der Drehbuchautor, der für Filme wie Equilibrium, Ultraviolet oder Salt zuständig zeichnet.
Die Inspiration für den Moralkodex von Adam Clay ist klar, genauso wie der Antrieb des Antagonisten Derek Danforth – schön schleimig und schnöselig von Josh Hutcherson gespielt. »Diese Kerle haben kein Gewissen. Ich würde eher sterben, als einen alten Menschen auszurauben«, fügt Kurt Wimmer hinzu. »Wie kann man auf dem Rodeo Drive mit Geld einkaufen, das man einem Rentner gestohlen hat?«
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Regisseur David Ayer, bekannt für Filme wie End of Watch, Herz aus Stahl, Suicide Squad oder Bright, inszenierte dieses Actionfeuerwerk mit einem souverän kämpfenden Jason Statham. Doch das Drehbuch, so großartig die Idee auch sein mag, weist einige Lücken auf. Viele Ermittlungspunkte werden nur angedeutet oder fehlen einfach. Woher weiß Adam, wer dafür verantwortlich zeichnet? Woher weiß das FBI Adam Clays Namen, obwohl Fingerabdrücke keine Resultate brachten?
Klar ist, dass Action und Rachegelüste im Vordergrund stehen, während die Figuren größtenteils oberflächlich bleiben. So ist auch die Tonabmischung krachend auf die Effekte abgestimmt, während die Sprache verhältnismäßig leise herüberkommt. Im Kino mag das zwar funktionieren, doch spätestens daheim könnte es Probleme mit den Nachbarn geben, wenn man nicht ständig die Lautstärke nachregelt.
Ob es einen Beekeeper 2 geben wird, wird sich zeigen. Die Prämisse mit der geheimen Organisation kennt man aus zahlreichen Filmen und Serien, doch der Hintergrund mit den Bienen ist schon sehr originell. Abgesehen davon besitzt The Beekeeper eher B-Film-Potenzial, weshalb diese Besprechung hier schon viel zu lang geworden ist…

21.02.2024 | mz | Quelle: LEONINE
Kategorien: Feature | Kino