Mittwoch, 8. Dezember 2021
The white Tiger
Balram - vom Chauffeur zum Unternehmer
© Netflix, Inc.
Balram Halwai erzählt mit schwarzem Humor von seinem unglaublichen Aufstieg vom armen Dorfbewohner zum erfolgreichen Unternehmer im modernen Indien. Der gerissene und ehrgeizige junge Held verschafft sich einen Job als Chauffeur bei Ashok und Pinky, die gerade aus Amerika zurückgekehrt sind. Die Gesellschaft hat Balram für eine Sache bestimmt, nämlich Dienstbote zu sein. Also sorgt er dafür, dass er für seine reichen Herrschaften unentbehrlich wird.
Aber nach einer Nacht des Verrats wird ihm bewusst, zu welch unlauteren Mitteln sie bereit sind, um ihn in die Falle zu locken und sich selbst zu retten. Als es so aussieht, als würde Balram alles verlieren, lehnt er sich gegen ein abgekartetes und ungleiches System auf und macht sich selbst zum Herrn.
Der weiße Tiger ist eine Verfilmung des 2008 mit einem Man-Booker-Preis ausgezeichneten gleichnamigen Romans, der es auch auf die Bestsellerliste der New York Times schaffte. Adarsh Gourav besticht in dieser herausragenden Geschichte um einen jungen Mann aus ärmlichen Verhältnissen, der es zu etwas bringen will, im Laufe der Zeit jedoch feststellen muss, dass das indische Gesellschaftssystem dies nicht zulässt. Zumindest nicht so ohne Weiteres.
Der Film ist zwar recht lang, doch die Zeit braucht er auch, um Balrams Wandlung besser nachvollziehen zu können. Zudem wird die Geschichte auch flüssig und schwarzhumorig erzählt. Auch mussten die Konflikte seiner „Herren“, insbesondere Ashok, feingezeichnet werden. So kommt es dann nach der verhängnisvollen Nacht, die den Knackpunkt in Balrams Geschichte markiert, zu Flüchten: Ashok flüchtet in den Alkohol, Pinky flüchtet zurück nach Amerika, während Balram die Flucht nach vorn antritt.
Interessant ist auch der Knick der Charaktere von Balram und Ashok zum Ende des Films. Während sich Ashok seiner Familiengeschichte und den Traditionen treu stellt, nimmt Balram die Gelegenheit beim Schopf und befreit sich von seinen „Fesseln“, indem er etwas tut, das die Zuschauenden spaltet. Aus dem Protagonisten wird ein Antagonist, und man bekommt doch tatsächlich einen Hauch von Mitleid für Ashok, der es nicht fertig bringt, zu Pinky und ihrer Sicht der Dinge zu halten, was ihm letztlich zum Verhängnis wird.
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Untermahlt das Ganze einerseits von instrumentaler Musik des Teams Danny Bensi und Saunder Jurriaans, die für ihre ländlichen Klänge u.a. aus Serien wie The OA, Fear the Walking Dead und Ozark bekannt sind, sowie von zeitgenössischen indo-amerikanischen Raps wie z.B. das bekannte „Mundian to bach ke“ von Panjabi MC oder „Feel Good Inc“ von den Gorillaz.
Der weiße Tiger ist übrigens auch die heilige Figur, die Balram letztlich die Augen öffnet. »Witzig, provokativ und bewegend«, schwärmt Autor Aravind Adiga von seinem Freund, dem Regisseur Ramin Bahrani. »Der Film, den er gemacht hat, erweckt mein Buch nicht nur zum Leben, sondern transzendiert es.«

06.04.2021 | mz | Quelle: Netflix
Kategorien: Filme