Donnerstag, 12. Dezember 2019
StUber
5 Sterne undercover

 

Stu ist ein redefreudiger, friedfertiger, risikoscheuer Zweitausender, der in einem Laden für Sportbedarf arbeitet und sich nebenbei als Uber-Fahrer Geld dazu verdient, um sich den Traum vom Fahrrad-Strampelstudio zu erfüllen, das er mit seiner Angebeteten führen will – ein Plan, der Hand und Fuß hat, wie es scheint. Und er wird alles tun, um seine 5-Sterne-Fahrer-Bewertung zu behalten.
Vic Manning ist ein Alpha-Kommissar alter Schule und mittleren Alters. Er ist geschieden, mit seinem Beruf verheiratet und vernachlässigt seine väterlichen Pflichten seiner erwachsenen Künstlertochter Nicole gegenüber. Jahre des exzessiven Gebrauchs seines kolossalen Körpers als Rammbock haben ihren Tribut gezollt, doch Vic geht immernoch ins Extreme. Er reagiert allergisch auf Konversation und Technologie, wird schnell wütend und drückt schnell den Abzug – eine Kombination, die jeder bei einem Bullen mag.
Eines Tages, nachdem sich Vic gerade seine Augen lasern lassen hat, bekommt er einen Tipp, wo er den Drogenhändler finden kann, der seinen Partner getötet hat – seinen großen weißen Wal. Unglücklicherweise würde Vic nicht mal einen Wal erkennen, würde er sich vor ihm auftun, selbst ein weißer. Wegen der verschwommenen Sicht kann er leider nicht selbst Autofahren, weshalb er den Uber-Dienst ruft. Und jetzt rate mal, wer kommt! Können diese zwei sehr verschiedenen Männer einen Nissan Leaf teilen, während sie Drogenhändler durch Los Angeles jagen? Das ist wie Ein seltsames Paar, nur mit mehr Explosionen…
👮‍♂️ 💪 🥽 🔫 🧑🏻 🚖 🚴‍♀️
Der ehemalige Wrestler Dave Bautista ist den meisten Kinogängern spätestens seit Marvels Guardians of the Galaxy ein Begriff, wo er den „Zerstörer“ Drax gespielt hat. Bis der dritte Film um die Weltall-Außenseiter soweit ist, muss die Zeit nach dem Endspiel irgendwie überbrückt werden. So war er in Spectre oder Hotel Artemis zu sehen, dreht gerade unter der Regie von Denis Villeneuve die Neuauflage von Dune mit Timothée Chalamet und Rebecca Ferguson, mimt im Herbst den starken Mann neben einer Neunjährigen in My Spy und ist nun in der kurzweiligen Actionkomödie StUber zu sehen.
Wenn im Prolog Karen Gillan als Vics Partner auftaucht, merkt man sofort die eingespielte Dynamik, die sie und Dave Bautista als Nebula und Drax bei den „Guardians“ vorgeführt haben. Leider steht der Tod bereits in der Filmbeschreibung, weshalb sich auch die Überraschung in Grenzen hält. Überhaupt hat der Prolog eine Dynamik, die man bis zum Filmende vermisst. Iko Uwais als Vics Nemesis, der dessen Partnerin auf dem Gewissen hat, macht eine übermenschlich dynamische Figur, hangelt sich in der Hotelhalle von Etage zu Etage nach unten, dass man aus dem Staunen nicht herauskommt.
Die ganze Geschichte ist so unglaubwürdig, dass es zum Himmel schreit. Ein Kommissar, der ohne Brille so kurzsichtig wie Mr. Magoo ist, sich die Augen lasern lässt, was nicht nur teuer ist, sondern bei Kurzsichtigkeit auch nur für relativ kurze Dauer Nutzen bringt, beansprucht die Dienste eines Uber-Taxis, um den Mörder seiner Kollegin zur Strecke zu bringen. Dabei bedient der Film jedes Klischee, das da hineinpasst – ein Fahrer mit Migrationshintergrund, ein Tierarzt, der eine Schusswunde operiert, ein Hund, der gerettet werden muss, die Angebetete, die nicht das Gleiche fühlt, die Memme, die vermännlicht wird und der korrupte Vorgesetzte, der mit den Verbrechern gemeinsame Sache macht.
Das hat man alles schon mal irgendwo gesehen, manches besonders erst vor kurzem, wenn Dave Bautista zu Beginn in Stus Auto steigt und diesen anguckt und reagiert. Man denkt, man sieht Drax ohne Körperfarbe. Und Komiker Kumail Nanjiani, der momentan in zu sein scheint (siehe The big Sick, Men in Black international oder Silicon Valley), tut zwar vermutlich alles, um komisch zu wirken, wirkt jedoch eher normal und ein wenig überzogen.
Nichtsdestotrotz ist der Film mit ordentlich ausgeteiltem Aua recht unterhaltsam, zeigt die Vor- und Nachteile von Elektroautos auf und beitet kurzweilige Unterhaltung mit ein paar deftigen Schenkelklopfern. Kurzum: Kann man sehen, kann man aber auch getrost links liegen lassen und auf Heimvideo gucken.

27.06.2019 | mz
Kategorien: Feature | Filme