Dienstag, 23. April 2024
Nebenfiguren auf dem Weg zur Arbeit, unter ihnen auch Paula (Fine Sendel) und ihre Mutter Elisa (Jule Böwe)
Paula (Fine Sendel) im Nebenfigurenbus mit ihrer Mutter, Elisa Feinmann (Jule Böwe)
Paula (Fine Sendel) vor dem Denkmal für die „ermordeten Helden des Massakers“
Paulas Mutter Elisa Feinmann (Jule Böwe) und Paula Feinmann (Fine Sendel) im Umkleideraum mit anderen Nebenfiguren
Hannah (Sira-Anna Faal) und Paula (Fine Sendel) in der Schule für Hauptfiguren
Die perfekte Welt der Coopers (Pasquale Aleardi, Sira-Anna Faal, Noah Bailey, Denise M’Baye)
Hannah (Sira-Anna Faal) und Paula (Fine Sendel) im Hauptfigurenviertel
Paula (Fine Sendel) im Auto
Paula (Fine Sendel) mit ihrer besten Freundin Hannah Cooper (Sira- Anna Faal) im Archiv des Instituts
Paula (Fine Sendel) telefoniert mit Hausmädchen Hilde (Henning Peker)
Hannahs Mutter Dr. Cooper (Denise M’Baye) fährt Paula (Fine Sendel) nach Hause
Ein schwarz-weißes Outtake im Bus
Paula (Fine Sendel) und Simon (Noah Tinwa)
Regisseurin Sophie Linnenbaum
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In einer fabelhaften Welt, streng unterteilt in Haupt-, Nebenfiguren und Outtakes, steht Paula vor der wichtigsten Prüfung ihres Lebens: Sie muss beweisen, dass sie das Zeug zur Hauptfigur hat. Paula will ein glamouröses Leben mit einer eigenen Handlung, aufregenden Szenen und voller Musik – nicht wie ihre Mutter, die als Nebenfigur im Hintergrund arbeitet.
Sie ist Klassenbeste im Klippenhängen, beherrscht Zeitlupe und panisches Schreien im Schlaf – nur das Erzeugen emotionaler Musik will ihr einfach nicht gelingen. Auf der Suche nach einer Lösung, stößt sie auf Ungereimtheiten zum Tod ihres Vaters, einer heldenhaften Hauptfigur.
Ihre Nachforschungen führen sie zu den verachteten, unterdrückten Outtakes – Menschen mit Filmfehlern, am Rande der Gesellschaft. Doch anstatt auf gefährliche Rebellen, trifft sie dort auf gebrochene Figuren mit echten Emotionen, die in einer ungerechten Welt zu überleben versuchen.
Paula beginnt zu zweifeln – an sich, an ihrem Platz in der Geschichte und an denen, die diese erzählen…

»Ehre den gemordeten Helden des Massakers!«

Voller Witz und Kreativität und mit großer Liebe zum Detail erzählt Sophie Linnenbaum in ihrem ersten Kinospielfilm eine überraschende Parabel, die in einer fiktiven, in drei Klassen geteilten „Filmwelt“ spielt. Gleichzeitig ist The Ordinaries ein metaphorisches und politisches Plädoyer für eine bessere Zukunft, frei von Ausgrenzung und Diskriminierung.
Diese Idee, Film mit einer dystopischen Welt zu verbinden, ist nicht nur genial, sondern auch spannend und unterhaltsam! In der ersten Hälfte überschlagen sich die Eindrücke. Immer wieder erkennen Filmliebhaber bekannte Filmfiguren im Hintergrund, seien es die Zwillinge aus The Shining, Forrest Gump oder Lassie.
Dabei besticht Fine Sendel als Paula, die den Film trägt und die Zuschauer an ihrem Abenteuer teilnehmen lässt. Man erkennt gesellschaftliche Parallelen aus der (deutschen) Geschichte – ob der Grenzübergang oder auch die Widerstandsbewegung – alles auf dem Weg zur Inklusions-Demokratie. Auch sind die audio-visuellen Effekte und Schnitte genial inszeniert – manchmal doch etwas zu konsquent.
Allerdings verliert der Film etwa ab der Mitte an Tempo, wird vorhersehbarer und verliert an Reiz. Am Ende scheinen schließlich den Filmemachern Ideen und Geld entschwunden zu sein. Die Auflösung wirkt dahingeschustert, als wenn man bis zum Fertigstellungsdatum noch nicht wusste, wie die Geschichte enden sollte. Dementsprechend fehlen dann auch (gewollt oder ungewollt) die nötigen Spezialeffekte, um das Ende plausibel umzusetzen. Trotzdem bleibt das geniale Gesamtkonzept hängen, das man sich auch als Hollywood-Neuauflage vorstellen kann…

19.04.2023 | mz
Kategorien: Feature | Filme