Sonntag, 19. Mai 2024
Past Lives
In einem anderen Leben
Teilen gemeinsame Jugenderinnerungen: Hae Sung (Teo Yoo) und Nora (Greta Lee)
Beste Freunde: Na Young (Seung Ah Moon) und Hae Sung (Seung Min Yim) in Seoul
Abschied in Seoul: Hae Sung (Seung Min Yim) und Na (Seung Ah Moon)
Nora (Greta Lee) lernt Arthur (John Magaro) kennen.
Arthur (John Magaro) und Nora (Greta Lee)
Nora (Greta Lee) und Hae Sung (Teo Yoo) treffen sich nach 12 Jahren wieder
Wiedersehen nach 12 Jahren: Nora (Greta Lee) umarmt ihren Jugendfreund (Teo Yoo)
Hae Sung (Teo Yoo) und Nora (Greta Lee)
Wiedervereint: Nora (Greta Lee) und Hae Sung (Teo Yoo) besuchen die Freiheitsstatue
Nora (Greta Lee) und Hae Sung (Teo Yoo) in New York
Nora (Greta Lee)
Nora (Greta Lee), Arthur (John Magaro) und Hae Sung (Teo Yoo)
Abschied für immer? Hae Sung (Teo Yoo) und Nora (Greta Lee)
Past Lives
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In ihrer Kindheit in Seoul waren Na und Hae Sung unzertrennliche Freunde. Dann wanderte ihre Familie nach Toronto aus und änderte die Namen, weshalb sich die beiden Zwölfjährigen aus den Augen verlieren. 12 Jahre später finden sie sich via Facebook wieder und videochatten viel miteinander, bis Na, die sich inzwischen Nora nennt und in New York lebt, einen Schlussstrich zieht, denn ein wahrscheinliches Treffen lag in weiter Ferne: Er war beim Wehrdienst und sie im Begriff, eine Karriere als Bühnenautorin zu starten.
Weitere 12 Jahre später beschließt Hae Sung, seine Jugendfreundin für ein paar Tage in New York zu besuchen. Nora lebt dort als angehende Autorin und ist bereits seit sieben Jahren glücklich mit Arthur verheiratet. Das Wiedersehen von Nora und Hae Sung konfrontiert die beiden mit ihrer tiefen Verbundenheit, unausweichlichen Fragen nach Liebe, Schicksal und den Entscheidungen, die ein Leben ausmachen…

»Whoa!«

An einem Abend vor ein paar Jahren saß Celine Song in einer Bar, umgeben von zwei Männern, die in verschiedenen Abschnitten ihres Lebens eine wichtige Rolle gespielt haben – auf der einen Seite ihr Ehemann aus New York, auf der anderen Seite ihre große Liebe aus Kindheitstagen: Er war aus Korea zu Besuch in der Stadt. Sie fungierte gleichzeitig als Übersetzerin und Vermittlerin, was eine ganz eigenartige Empfindung in ihr auslöste. Mitten in dieser Bar fühlte sie sich, als befände sie sich in verschiedenen Dimensionen gleichzeitig.
Das ist auch das Bild, mit dem der Film beginnt, bevor die Geschichte dazu erzählt wird. Celine Song nimmt dieses Szenario zum Ausgangspunkt für einen auf stille und eindringliche Weise bewegenden Film, der sich mit etwas emotional deutlich Komplexerem befasst: die Teile von uns, die wir verlieren, um der Mensch zu werden, der wir sind, und wie unser Leben von denen geformt wird, die uns lieben.
Der Film ist sehr wortkarg und lebt in erster Linie von der Mimik der Kanadierin Greta Lee, die gegen den etwas ausdruckslosen gebürtigen Kölner Teo Yoo und den in der Handlung nur so nebenbei teilnehmenden US-Amerikaner John Magaro ankommen muss. Immer wieder fängt die Kamera die beiden Hauptfiguren ein, wie sie sich anstarren. Keiner von beiden will mehr preisgeben als das Offensichtliche, weshalb sich der Film auch bis zur letzten Szene aufbaut, in der sich Nora entlädt.
Mit der transzendentalen Tonspur im Hintergrund erinnert der Film ein wenig an die Werke von Sofia Coppola. Und immer wieder finden wir uns in ewig langen Starrszenen gefangen. Offenbar hat sich niemand getraut, die Regisseurin zu fragen: „Träumst du?“ Es hätte auch jemand einfach nur „Schnitt!“ rufen können.
Dennoch, oder vielleicht auch genau deswegen, brennt sich der Film im Nachhinein ein, hätte jedoch um einiges kürzer sein können! Außerdem kann man durch die zahlreichen Wiederholungen und diversen Übersetzungen auch ein wenig Koreanisch lernen.
Zudem ist es nebenbei noch ein New-York-Film, in dem man mal wieder neue Skyline-Motive zu sehen bekommt. Ob der Film genauso gute Chancen bei der Oscar®-Verleihung 2024 hat wie Everything everywhere all at once in diesem Jahr bleibt jedoch zu bezweifeln.

02.09.2023 | mz
Kategorien: Feature | Filme