Dienstag, 26. September 2023
Tom Harris wollte eigentlich nur nach Hause.
📷 Hopper Stone, SMPSP - © Open Road Films | Briarcliff Entertainment | LEONINE
Als ein Whistleblower die Beteiligung des CIA an der Zerstörung eines iranischen Atomreaktors aufdeckt, taucht das Gesicht des Geheimagenten Tom Harris in den Nachrichten auf. Tom bleiben genau 30 Stunden, um sich vom Iran zum über 400 Meilen entfernten Flughafen in Kandahar, Afghanistan, durchzukämpfen.
Um in dem lebensfeindlichen Gebiet zu überleben, ist Tom auf die Hilfe des afghanischen Übersetzers Mo angewiesen. Doch Mo, dessen Sohn von den Taliban getötet wurde, verabscheut das Blutvergießen und gibt den Warlords und den westlichen Streitkräften die Schuld daran, es am Laufen zu halten.
Als sich feindliche Agenten, darunter die iranische Revolutionsgarde und der eiskalte, supercoole ISI-Agent Kahil, an ihre Fersen heften, wird den beiden klar, dass ihnen ab diesem Punkt niemand mehr helfen kann. Tom und Mo schließen sich zusammen, um sich nach Kandahar durchzuschlagen…
  • »Welcome to the new Afghanistan!«

    Mo

    »Same as the old.«

    Tom Harris

Regisseur Ric Roman Waugh, der hier zum dritten Mal mit Gerard Butler zusammengearbeitet hat, verwandelte diese von Tatsachen inspirierte Geschichte des Drehbuchautors Mitchell LaFortune in ein dramatisches Action-Abenteuer. Das Drehbuch geht auf dessen Erlebnisse als Offizier des Verteidigungsnachrichtendiensts DIA in Afghanistan zurück.
»Mir gefiel, dass Mitchs Skript allen Seiten eine Stimme verleiht, die in diesem Kreislauf des Krieges im Nahen Osten feststecken«, betont der Regisseur. »Es ist eine beachtenswerte Leistung, auch den Gegenspielern, so viel Empathie entgegenzubringen. Action muss für mich emotional motiviert sein, damit wir als Zuschauer genauso verängstigt oder angespannt sind und das Erleben der Figuren teilen können.«
Und das schafft er auch. Die Action ist zwar das treibende Mittel für die Spannung, doch die zumeist dreidimensionalen Figuren verleihen dem Film den nötigen Tiefgang, um sich ein Bild davon zu machen, wie sie ticken und inwieweit man sich gefühlsmäßig einbringen kann.
Das Projekt schreibt auch Geschichte als die erste westliche Produktion, die vollständig im Königreich Saudi-Arabien realisiert wurde, sowie als der teuerste Film, der je vor Ort gedreht wurde. »Kandahar war der erste Film seit Lawrence von Arabien im Jahr 1962, der an diesen Motiven gedreht wurde. Das erschien uns als etwas ganz Besonderes«, macht Ric Roman Waugh deutlich. »Wir haben Darsteller und Stab aus 25 Ländern nach Saudi-Arabien transportiert. Alle haben eine intensive Erfahrung gemacht.«
Die Schönheit der Landschaft bot den Filmschaffenden eine Vielzahl von Möglichkeiten. Immer wieder gibt es monumentale Wüstenbilder zu sehen, großflächige Sonnenuntergänge und jede Menge Platz. Produzent Brendon Boyea dazu: »Bei den Motiven haben wir unsere Optionen sorgfältig abgewogen. Saudi-Arabien bot uns Drehorte, die noch nie mit der Kamera festgehalten wurden. Das war etwas Besonderes, den Nahen Osten so zu zeigen, wie man ihn noch nie zuvor gesehen hat.«
Allerdings zeigt der Film auch Karikationen wie den iranischen Agenten Kahil Nasir, der in bester Bollywood-Coolness die Protagonisten auf einem Motorrad durch die Wüste verfolgt. Und als der Tank mitten in der Einöde leer ist, ruft er einfach den Chef an und ein Transporter kommt zur Verstärkung, damit er in der kurzen Zeit, die ihm noch bleibt, seine Mission erfüllen kann.
Zudem wird auch am Ende die US-amerikanische militärische Überlegenheit zur Schau gestellt, damit alle sehen können, was die US-Armee so drauf hat. Das geht natürlich nur in diesem speziellen Fall mit mindestens einem Kopf, der vermutlich (wahrscheinlich) im Nachhinein gerollt hatte. Dass sie 20 Jahre erfolglos in Afghanistan für Ordnung gesorgt hatten, wird natürlich nicht erwähnt.
Und auch wenn die Montage am Ende an die zahlreichen Montagen in TV-Serien erinnert, wirkt sie doch, und man möchte dann doch wissen, ob und wie die Schwester von Mos Frau nachgerettet wird. Fortsetzung? Muss nicht sein, wäre aber auch in Anbetracht der „… has fallen“-Filme nicht unlogisch.

25.08.2023 | mz
Kategorien: Feature | Filme