Freitag, 22. Januar 2021
Mosul
Start 26. November 2020
Drama | Action | Krieg
US 2019 | 102 min | FSK 6
von Matthew Michael Carnahan
mit إسحق إلياس, آدم بيسا, سهيل دباش u.a.
Der Islamische Staat hat ihnen ihr Zuhause, ihre Familien und ihre Stadt genommen, doch eine Gruppe von Männern setzt sich zur Wehr. Der unerfahrene irakische Polizist Kawa wird vom Elite-SWAT-Team Nineveh aus einem furchtbaren Feuergefecht gerettet. Daraufhin schließt er sich der unabhängigen Einheit aus zehn Kampfgefährten an, die von dem erfahrenen Major Jasem angeführt wird. Ständig von Angriffen bedroht, stürzt sich die Einheit entschlossen in einen gefährlichen Guerillakampf, um einen feindlichen Stützpunkt auszulöschen und die Ordnung in dem gesetzlosen Gebiet wiederherzustellen.
  • Mosul 01
    »Wir sind zu sechst. Wir können die Mission beenden.«
    Kamal
Mosul ist eine heldenhafte wahre Geschichte unter der Regie und nach einem Drehbuch von Matthew Michael Carnahan, die von Anthony und Joe Russo produziert wurde. Der Bruder von Joe Carnahan liefert hiermit nach seinen Drehbüchern zu Filmen wie Operation: Kingdom oder Von Löwen und Lämmern sein Regiedebüt ab.
Um das Ganze so akkurat wie möglich zu inszenieren, engagierte der Regisseur Schauspieler[m/w/d], die in ihrer arabischen Heimatsprache spielen sollten. Hinzu kam ein prämiertes internationales Team wie Kamerachef Mauro Fiore, der für Avatar einen Oscar® erhalten hatte oder Phil Ivey, der Produktionsdesigner, der bei allen Filmen von Neill Blomkamp mitgewirkt hatte. Gedreht wurde in Marokko, was es unmöglich machte, irakische Schauspieler dafür zu gewinnen. Einige Schauspieler[m/w/d] haben im Irak gelebt, weshalb diese ihre Rollen im Film nur zu gut verstanden haben.
Zu Beginn des Films finden wir uns in einem zerstörten Café der vom Krieg zerstörten Stadt Mosul wieder, in dem der junge, frisch gebackene Polizist Kawa mit seinem älteren Kollegen von den Soldaten des Daesh eingekesselt sind. Die beiden werden vom Niniveh SWAT-Team befreit, wobei der tapfere Kawa auf der Stelle ins Team aufgenommen wird. Denn solange sie noch gegen Daesh kämpfen, ist eine Polizei relativ machtlos, zumal sicher einige Beamte zu Daesh gehören.
Ädemo Bisa, der 2017 bei den Filmfestspielen von Venedig in Sofia Djamas Kriegsdrama Les Bienheureux mit seiner Darstellung auffiel, spielt den jungen Polizisten, der uns durch den Film führt. Über ihn fangen wir langsam an, die anderen Figuren, ihre Beweggründe und ihre sichtbaren und unsichtbaren Wunden zu verstehen. In den mehreren Stunden, in denen die Handlung stattfindet, wird Kawa ins Erwachsenen- und Führungsverhalten eingewiesen, sein junges Leben für immer verändert.
Als Anführer des SWAT-Teams ist Suhail Dabash zu sehen, dessen ausdrucksstarkes, gezeichnetes Gesicht eventuell aus markanten Szenen von The Hurt Locker (der Mann im schwarzen Anzug, der im Filmfinale an eine Bombe gefesselt ist) oder Whisky Tango Foxtrott bekannt sein könnte. Major Jassem ist manchmal ein Rätsel, besonders für den jungen Kawa. Er ist misstrauisch, rücksichtslos und undurchschaubar, weltmüde, zynisch und unberechenbar, aber gleichzeitig auch freundlich und mitfühlend.
»Seine Figur war eine Verschmelzung von zwei Kommandanten aus dem Artikel«, erinnert sich der Regisseur. »Ursprünglich hatte ich ihn als viel bombastischer und aggressiver geschrieben, mit einer kräftigeren Statur. Nachdem ich Suhail besetzt hatte, wurde Major Jassem zu einer Figur von ruhiger Autorität, die innerhalb von Minuten von einem Akt der Grausamkeit zu einem Akt der Güte wechseln konnte. Er hat auch die Art von Gesicht, die Sie wissen lässt, dass dass er lieber etwas anderes machen würde als das hier.«
Es gibt da eine Szene im Humvee, in der er aus seiner Vergangenheit erzählt, einer Vergangenheit, in der die Welt noch „in Ordnung“ war, in der er als Kriminalkommissar arbeitete. In dieser Szene spricht er jedoch nicht nur von sich, sondern von allen Menschen in dieser Region, deren tägliches Leben vom Krieg zerstört wurde, die, so sie denn überlebten, ums Überleben kämpfen mussten. Viele der Akteure kommen aus dem Irak, leben jedoch seit Jahren im Exil. Suhail Dabash war zum Beispiel nach seiner ersten Karriere als irakischer Schauspieler Koch in einem Pflegeheim in New Mexico, bevor er in Amerika als Schauspieler fußfassen konnte.
Major Jassem hat auch während der Verschnaufpausen seines Teams den inneren Zwang, die Räumlichkeiten aufzuräumen, Abfall in den Mülleimer zu packen, Unordnung zu bekämpfen. Daran erkennt man seinen sehnlichen Wunsch, die normale Gesellschaftsordnung wieder herstellen zu wollen. Und erst gegen Ende des Films, nachdem auch der letzte Posten des Daesh zerstört wurde, wird Kawa klar, was die eigentliche Mission des Teams ist, warum es Befehle missachtet hatte.
Es gibt immer wieder Szenen, in denen das Thema Familie eine Rolle spielt – Kinder, die ihre tote Mutter auf einem Karren durch die Stadt ziehen, oder eine Mutter, die ihr lebloses Kind wachrütteln will und dann vorwurfsvoll klagend zum Soldaten hinauf auf’s Dach blickt, obwohl dieser gar nicht geschossen hatte.
Matthew Michael Carnahan zeigt in seinem Filmdebüt die Grausamkeiten dieses Konflikts, den Zusammenhalt einer Gruppe hartnäckiger Soldaten, die ihr eigenes Leben für eine bessere Zukunft geben, sowie mit dem offenen Ende, dass die Gefahr bei weitem noch nicht vorüber ist. Es ist ein mutiger Film, der nichts verschönt und den Konflikt unverblümt klar macht – was die Medien, wenn überhaupt, nur bedingt darstellen können. Und bis auf eine etwas zu langatmige Szene am Ende des Films, in der Kawa einen Entschluss fassen musste, fühlt man sich mitten drin im Geschehen und möchte, wie alle anderen, einfach nur raus aus dieser Situation. Doch die Realität kennt kein Erbarmen…

22.12.2020 | mz | Quelle: Netflix
Kategorien: Filme