Montag, 25. Oktober 2021
Lydia und Emily sind entschlossen.
📷 Hopper Stone | © Netflix, Inc.
In einer Welt, in der Superschurken alltäglich sind, kommen die beiden entfremdeten besten Kindheitsfreundinnen Lydia und Emily wieder zusammen, nachdem Emily eine Behandlung entwickelt hat, die ihnen die Kräfte zum Schutz ihrer Stadt verleiht. Während die beiden sehr unterschiedliche Persönlichkeiten haben (Lydia ist ein Freigeist, der springt, ohne zu schauen, und Emily ist eine akribische Wissenschaftlerin), bringt sie ihr lebenslanges Band der Freundschaft durch ihre Abenteuer. Mit Hilfe von Emilys Tochter Tracy sind die beiden bereit, den Kampf gegen die „Missgestalten“ aufzunehmen, darunter „Die Krabbe“, „Laser“ und deren Anführer „The King“.
Er führt Regie, produziert, schreibt Drehbücher und spielt dann auch noch meist in einer kleinen Rolle mit – Ben Falcone, der auch für dieses Projekt zuständig zeichnet, ist nebenbei auch noch Ehemann von Melissa McCarthy und setzt diese natürlich liebend gern in Szene – so u.a. in Tammy, The Boss oder zuletzt in Superintelligence. Wer so begabt ist und dazu noch Comic-Nerd ist, freut sich natürlich darüber, wenn sich die Gelegenheit bietet, einen Superheldenfilm zu machen.
Hinzu kommt, dass das Paar seit über 20 Jahren mit Oscar®-Preisträgerin Octavia Spencer befreundet ist (da gibt es im Film eine witzige Szene mit Emilys Mutter am Esstisch). Als er dann eines Tages in Los Angeles auf dem (Fuß!-)Weg zur Arbeit überlegte, was er denn als nächstes machen könnte, »und dachte mir ganz schnell: Was, wenn Melissa und Octavia Superheldinnen wären?!«, sagt der Filmemacher. »Bei diesem Spaziergang kam ich auf eine lose Grundhandlung. Ich ging an die Arbeit und versuchte, Löcher in die Idee zu stanzen. Ich fand ein paar, aber weniger, als ich ursprünglich dachte, dass es sie geben könnte. Dann wurde das Drehbuch das schnellste, was ich je geschrieben habe.«
Da im ersten Teil des Films die Geschichte der Freundschaft zwischen Lydia und Emily erzählt wird, brauchte man auch Kinderdarstellerinnen. Für die Rolle der Lydia kam für die Falcones nur Tochter Vivian in Frage. »Wir haben Vivian so weit es ging vom Schauspielen abgehalten, aber dafür ist sie sehr gut darin«, sagt Ben Falcone. »Wir brauchten eine Person, die die zwölf Jahre alte Lydia spielt, und Vivian sieht wirklich so aus wie Melissa in jenem Alter. Sie ist darin wie ihre Mutter – sie kann in der Szene bleiben und dann kann man ihr alternative Wege vorschlagen, wie die Szene ablaufen kann, basierend darauf, was man denkt, dass es ein bisschen lustiger oder anders sein könnte – und sie ist in der Lage, diese Anpassungen vorzunehmen. Und sie ist erst zwölf!«
Außerdem ist auch die jüngere Tochter Georgette zu sehen, die nach der spektakulärsten Filmszene ruft: „Die Dame hat einen Bus geworfen.“ Zudem haben sie Freunde versammelt, mit denen sie bereits oft vor oder hinter der Kamera gearbeitet haben – so Jason Bateman, mit dem Melissa McCarthy bereits in Voll abgezockt zusammen gespielt hat. Hier gibt es auch so eine Art Liebesgeschichte zwischen Lydia und der Krabbe, die mit einer unglaublichen Tanz-Traumsequenz beginnt, die man nicht so schnell entsehen kann.
Zudem ist als Chef-Bösewicht The King Bobby Cannavale zu sehen, der mit Rose Byrne verheiratet ist, die wiederum seit Brautalarm Melissa McCarthy kennt. Beide Paare haben bereits in Spy und Superintelligence zusammen gespielt. Rose ist zwar diesmal nicht dabei, doch ich glaube, dass es sicher eine weitere Gelegenheit geben wird, solange alle im Filmgeschäft bleiben.
Apropos entsehen: Um ihre Superkräfte zu stärken, muss Lydia bergeweise rohes Hühnchen essen. Dieses Hineinstopfen der glibbrigen Scheiben ekelt nicht nur das Filmpublikum an. Auch am Set konnte man sich dieses Hineinschlingen nicht entsehen, auch wenn man wusste, dass das in Wirklichkeit mit Zitronensäure und Essensfarbe versetzte Pfirsiche waren.
Abartig war auch die Vorstellung, dass diese Superanzüge, die die beiden Hauptdarstellerinnen im Film tragen, muffeln, da sie nur den einen haben und der auch nicht gewaschen werden kann. In Wirklichkeit war das nur ein fortlaufender Witz, denn jeder hatte zwei Anzüge, die am Ende des Drehtages von der Kostümabteilung mit Wodka eingesprüht wurden, um Infektionen und Gerüchen vorzubeugen. Außerdem gab es auch Anzüge für das Stuntteam.
🦸‍♀️🦸‍♀️⚡ 👑🦀🚌
Alles in allem ist der Film ganz knuffig und unterhaltsam, doch der Humor, oder vielmehr Melissa McCarthys loses, einfältiges, für manche als komisch empfundenes Mundwerk, ist nicht jedermanns Sache. Und auch wenn Octavia Spencer es gemocht hat, eine Superheldin zu spielen, konnte sie in dieser Rolle nicht über eine befreundete Stichwortgeberin und verbalen Spielball hinaus überzeugen.
Was man allen jedoch ansieht – dass sie Spaß bei der Arbeit hatten. Es gibt immer wieder ein paar wirklich witzige Momente, wie sich z.B. die beiden üppigen Damen in ihren engen Superhelden-Einteilern in diesen flachen Sportwagen quetschen oder Lydia von den Roboter-Spritzenarmen gepiesackt wird. Auch die Spezialeffekte und die Musik wirken, und die Geschichte über Freundschaft ist wirklich schön. Wenn der dumpfbackige Humor doch nur nicht wäre… 

04.05.2021 | mz
Kategorien: Feature | Filme