Mittwoch, 8. Dezember 2021
Sechzehn Stunden Ewigkeit
The Map of tiny perfect Things
Mark und Margaret
📷 Dan Anderson | © Amazon Studios
Der schlagfertige Teenager Mark lebt zufrieden den gleichen Tag in einer Endlosschleife, als seine Welt durch die geheimnisvolle Margaret, die ebenfalls in der gleichen Schleife feststeckt, auf den Kopf gestellt wird. Zusammen zeichnen sie eine Karte, auf der sie all die kleinen Dinge notieren, die den einen Tag perfekt machen. Was folgt, ist eine Liebesgeschichte mit einer fantastischen Wendung, während die beiden darum kämpfen, herauszufinden, wie (und ob) sie ihrem nicht enden wollenden Tag entkommen können.
Die Geschichte stammt aus der Feder von Lev Grossman, der vor allem durch seine Fantasyromane und die daraus entstandene Syfy-Serie The Magicians bekannt wurde. Als er gebeten wurde, eine Kurzgeschichte für eine Anthologie für junge Erwachsene beizusteuern, beschloss der Autor, zu einer Idee zurückzukehren, über die er schon seit Jahren nachgedacht hatte: die Zeitschleife.
Der Schriftsteller sah das Murmeltiertag-Szenario als treffende Metapher für das Erwachsenwerden. »Die Vorstellung, dass man einfach jeden Tag neu anfangen kann, ist in gewisser Weise so, wie es ist, ein Teenager zu sein«, sagt er. »Man kann immer noch Fehler oder Fehleinschätzungen korrigieren. Aber mit etwa 17 wird das alles realer. Es ist ein komplizierter Moment, der sowohl freudig und ermächtigend ist, aber auch irgendwie bittersüß.«
Die gleichnamige Kurzgeschichte erschien 2017 in der Anthologie „Summer Days and Summer Nights: Twelve Love Stories“. Der gefeierte und mit dem Oscar® ausgezeichnete Produzent, Regisseur und Drehbuchautor Akiva Goldsman hielt es für eine kraftvolle und schöne Geschichte und wollte helfen, sie auf die Leinwand zu bringen.
Er und sein Partner von Weed Road Pictures, Greg Lessans, verbrachten drei intensive Tage damit, mit Lev Grossman, der zuvor noch nie ein Drehbuch geschrieben hatte, die Struktur des Films zu skizzieren. »Lev schreibt authentische Figuren, vor allem junge Erwachsene, wirklich gut«, sagt Greg Lessans. »Er hat auch schnell die bekannten Zeitschleifen-Aspekte hinter sich gelassen und einige neue und interessante Ideen gefunden, die es zu erforschen galt.«
Regisseur Ian Samuels sagt, das Drehbuch, in das er sich sofort verliebt hat, sei eine Geschichte über Herzschmerz, spreche aber auch die jugendliche Fantasie von ungebremster Freiheit an. »Wir alle hatten schon einmal das Gefühl, in einem Moment festzustecken und nicht loslassen zu wollen, während wir gleichzeitig vorwärts kommen wollen. Aber es gibt auch einen Aspekt der Wunscherfüllung: Ein Leben ohne Konsequenzen ist ein lustiger Teenager-Fiebertraum.«
Der Regisseur stellt fest, dass viele der in diesem Jahrtausend Geborenen heute das Gefühl haben, dass die Karten gegen sie gestapelt sind: »Sie werden während endloser Kriege, wirtschaftlicher Unsicherheit und jetzt einer Pandemie und ziviler Unruhen erwachsen. Es kann schwierig sein, an der Vorstellung, einen festen Job und eine Familie zu haben, ein Haus zu kaufen und all die anderen traditionellen Indikatoren des Erwachsenseins festzuhalten.«
Die Filmemacher haben eine witzige, kluge und fantasievolle Interpretation einer klassischen Filmtrope geschaffen, die mit Figuren gefüllt ist, die klüger sind als sie denken. »Wir sind so nah wie möglich an der Originalgeschichte geblieben«, sagt Ian Samuels. »Als Mark und Margaret diese winzigen perfekten Dinge in ihrem Tag erleben, haben wir es vermieden, es glatt zu feilen und versucht, ein bisschen naturalistischer und gefühlsmäßiger zu bleiben.«
»Es ist ein Liebesbrief an die Gegenwart«, fügt Greg Lessans hinzu. »Überall um uns herum, jeden Tag, gibt es perfekte Momente, die einfach vorbeiziehen, wenn wir sie nicht nutzen.« Für Produzent Aaron Ryder von FilmNation liegt die Kraft des Films in der Art und Weise, wie er die Angst und die Aufregung des Übergangs von der Jugend zum Erwachsensein einfängt: »Mit 17 beendet man einen Lebensabschnitt und beginnt einen anderen, und alles ist so intensiv. Du entdeckst deine Zukunft.«
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Groundhog Day war gestern, fast buchstäblich. Zehn Tage, nachdem das Murmeltier aus Punxsutawney einen Schatten geworfen hatte, startet nun diese Jugendlichen-Variante des Zeitschleifen-Themas, das Harold Ramis 1993 mit Bill Murray und Andie MacDowell zur Kultkomödie machte. Sechzehn Stunden Ewigkeit (Den deutschen Titel hatte man erst am Starttag bekanntgegeben.) sieht sich nicht nur als zeitgemäße Aktualisierung des Stoffs, er philosophiert auch über die Zeit, das Universum und das Leben. Und ganz nebenbei zitiert er Genrekollegen von Time Bandits über Doctor Who bis hin zu Edge of Tomorrow.
In einer Zeit, in der die Menschen kaum von ihrem Smartphone aufschauen, zeigt der Film von Ian Samuels, der mit seinem ersten Spielfilm Sierra Burgess is a Loser nicht ganz so die Herzen der Couchkartoffeln erobern konnte, dass es noch zahlreiche kleine Dinge im Leben gibt, die einem den Atem rauben oder einfach nur so erfreuen, wenn man sich nur im rechten Moment am richtigen Ort umschauen würde.
Natürlich kann man solch eine Karte der kleinen perfekten Dinge nur erstellen, wenn man die Zeit dazu hat. Unser Held Mark, ein leidenschaftlicher Zeichner, der täglich irgendwelche Comics doodlet, hat sie, denn er durchlebt denselben Tag immer und immer wieder. Schlag Mitternacht wird der Tag auf 8 Uhr zurückgedreht. Und wenn man denselben Tag immer und immer wieder durchlebt, bekommt man eine Routine, Missgeschicke gekonnt zu beseitigen, konsequenzlos Streiche zu spielen oder einfach nur so Neues zu entdecken.
Nun mag Kyle Allen in der männlichen Hauptrolle etwas blass wirken, vor allem da er als gut aussehender weißer Junge wie ein Euphorisch-durch-den-Film-tanzender-Disney-Channel-Schauspieler mit der positiv-sportlichen Gesinnung eines Joseph Gordon-Levitt wirkt (was nicht unbedingt falsch ist!), aber doch schafft er es an der Seite von Kathryn Newton, die schon etwas mehr Erfahrung und Können durch ihre Arbeit mit Hollywoodgrößen wie Frances McDormand, Julia Roberts oder Nicole Kidman mitbringt, nicht ganz so langweilig zu wirken.
Und trotz Ermüdungserscheinungen der Zuschauer[m/w/d] schafft es Lev Grossman in seiner ersten Filmadaption gerade noch so, die Geschichte doch noch in Fahrt zu bekommen. Man ist ja bei dem Thema Zeitschleife schon ein wenig abgestumpft, doch erst im letzten Drittel, wenn Mark die Crux der Geschichte erkennt, bekommt man auch beim Zuschauen ein gutes Gefühl und drückt die Daumen, dass alles gut ausgeht. Und man bekommt nebenbei auch noch durch Marks Videogamer-Kumpel Henry ein paar Star Wars-Anekdoten geliefert – besonders süß der Hund, den Margaret den ganzen Film über sucht und ihn dann Chewbarka nennt.
Es war schon klar, dass es bei einem solch peniblen Thema wie Zeit auch in diesem Film Dinge gibt, bei denen man einfach nicht zu doll nachdenken sollte (Stichwort Mondspaziergang oder die titelgebende Karte). Aber der Film konzentriert sich schließlich auf die kleinen perfekten Dinge und nicht die groben Ungereimtheiten. So fühlt man sich am Ende dann doch ganz gut unterhalten.
Es fehlt dem Film jedoch ein wenig Charisma, was sicher an der Auswahl des Hauptdarstellers liegt. Kathryn Newton ist jedenfalls diejenige (so gut wie die Einzige), die hier voll und ganz überzeugt, und von der man auf jeden Fall mehr sehen möchte! Als nächstes wird sie jedenfalls als Scott Langs erwachsenere Tochter Cassie in Ant-Man and the Wasp | Quantumania zu sehen sein, der 2022 in die Kinos kommen soll (so sie bis dahin wieder Publikum haben).

16.02.2021 | mz | Quelle: amazon prime video
Kategorien: Feature | Filme