Sonntag, 29. Januar 2023
Mona Lisa and the Blood Moon
Mona Lisa (Jun Jong Seo) irrt durch New Orleans.
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Mona Lisa flieht in einer Zwangsjacke aus der Psychiatrie.
Polizist Harold (Craig Robinson) wird schnell auf die Entflohene aufmerksam.
Mona Lisas (Jun Jong Seo) Weg führt sie zu einem Burgerrestaurant.
Sie begegnet unter anderem Fuzz (Ed Skrein).
Stangentänzerin Bonnie (Kate Hudson)
Bonnie (Kate Hudson) benutzt Mona (Jun Jong Seo) für Raubzüge.
Mona (Jun Jong Seo) mit ihrer Ausbeute
Mona (Jun Jong Seo) freundet sich mit Bonnies Sohn Charlie (Evan Whitten) an.
Polizist Harold (Craig Robinson) kommt dem diebischen Duo auf die Spur.
Mona (Jun Jong Seo) versucht, der Polizei zu entkommen.
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Längst vergessen in einer Psychiatrie im Sumpfland von Louisiana erwacht die junge Mona „Lisa“ in einer Blutmondnacht aus einer jahrelangen Lethargie. Dank ihrer mysteriösen Fähigkeit, den Willen anderer Menschen kontrollieren zu können, entflieht sie der Anstalt und findet sich auf den Straßen von New Orleans wieder.
Dort begegnet sie der Stangentänzerin Bonnie, die Monas Gabe erkennt und sie bei sich aufnimmt. Während Bonnie die Kräfte der scheuen Frau für gemeinsame Raubzüge ausnutzt, entwickelt sich zwischen Mona und Bonnies zehnjährigem Sohn Charlie eine zarte Freundschaft. Doch die Diebstähle bleiben nicht unbemerkt und schon bald gerät Mona ins Visier der Polizei…
In knalligem Neon-Look und mit cooler Tonspur überrascht Ana Lily Amirpour erneut mit einer außergewöhnlichen Genreperle über eine fantastische Heldin, die nach einem Platz in dieser Welt sucht. Ihr Spielfilmdebüt A Girl walks home alone at Night wurde 2014 auf dem Sundance Filmfestival uraufgeführt. Bei den Gotham Awards 2014 wurde sie mit dem Bingham Ray-Preis geehrt, der an aufstrebende Filmemacher verliehen wird, die sich durch eine ausgeprägte kreative Vision und stilistische Kühnheit auszeichnen und sich von der Masse abheben.
Während es darin um eine in Schwarzweiß gefilmte Liebesgeschichte mit einem Vampirmädchen geht, folgte sie 2016 in The bad Batch einer jungen Frau, die in einer Wüsten-Dystopie von Kannibalen verschleppt wird. Durch ihren gelungenen Einstand konnte sie nun für ihr Folgeprojekt Stars wie Suki Waterhouse, Jason Momoa, Keanu Reeves, Jim Carrey oder Giovanni Ribisi gewinnen. Der Film feierte seine Premiere bei den Filmfestspielen von Venedig, wo er den Spezialpreis der Jury erhielt.
In ihrem neuesten Werk begeistert das südkoreanische Nachwuchstalent Jeon Jong Seo, die 2018 von I Cang Dong für den Krimi Burning entdeckt wurde, der im Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes Premiere feierte und es als südkoreanischer Oscar®-Beitrag in die engere Auswahl für den besten fremdsprachigen Film schaffte. An ihrer Seite spielen hier Golden Globe®-Preisträgerin Kate Hudson und Komiker Craig Robinson.
Hauptfigur Mona erinnert hier ein wenig an die Figur der Kimiko in der Superheldenserie The Boys. Auch Mona redet kaum, ist sie doch innerlich noch wie ein Kleinkind, das die Welt erkundet. Sie war wer weiß wie lange in der Gummizelle eingesperrt. Den Spitznamen Mona Lisa hat sie der gemeinen Pflegerin zu verdanken, die auch sogleich als Erste Monas Fähigkeit zu spüren bekommt.
Es bleiben so einige Fragen über die Herkunft und Manifestierung ihrer Fähigkeit ungeklärt. Auch scheint der Blutmond den ganzen Film über, selbst wenn mehrere Tage vergehen. Aber solche Gedanken geraten in den Hintergrund, wenn wir Mona Lee, wie sie eigentlich heißt, dabei zusehen, wie sie ihren Weg in die Zivilisation findet. Dabei lernt sie, wie welche Menschen miteinander umgehen, und dass sie ihre Fähigkeiten zügeln muss, um nicht wieder eingesperrt zu werden.
So findet sie zunächst ihren ersten Verbündeten in dem Dealer Fuzz, der ebenfalls Parallelen zu Kimikos Partner Frenchie in The Boys aufweist. Ed Skrein, bekannt aus Filmen wie Deadpool, Beale Street, Alita, Maleficent | Mächte der Finsternis oder Midway, spielt diesen Typen mit einer derartigen Liebenswürdigkeit, dass sein Abschiedssatz „Ich seh dich in der Fortsetzung.“ die Hoffnung auf eine solche aufkommen lässt.
Natürlich spitzt sich die Geschichte zum Ende hin zu, Wünsche und Sehnsüchte interagieren mit Ängsten und Realitäten, Gut und Böse kämpfen um die Vorherrschaft – was bleibt ist ein offenes Ende und die Fragen, die nicht beantwortet wurden – noch eine Option für eine Fortsetzung. Mona Lisa and the Blood Moon ist eine durchaus angenehme Reise durch die Nacht, die nicht ganz so blutig ist, wie man es erwarten würde. Das haben wir in erster Linie der Hauptdarstellerin zu verdanken, die die Zuschauenden an die Hand nimmt und sich mit ihr freuen oder ärgern lässt, stilsicher inszeniert von Ana Lily Amirpour.

16.10.2022 | mz
Kategorien: Feature | Filme