Montag, 28. November 2022
Ein Mordsteam ermittelt wieder

Loin du Périph

François und Ousmane ermitteln wieder.
📷 Emmanuel Guimier - © Netflix, Inc.
Zehn Jahre, nachdem sie ein Team gebildet haben, bilden Ousmane und François, zwei Polizisten, die unterschiedlicher nicht sein könnten, widerwillig erneut ein schlagkräftiges Zweiergespann. Nicht gerade erfreut, sich wiederzusehen, machen sie sich auf den Weg in eine kleine Stadt in den Alpen, um einen Mord zu untersuchen.
Doch als Ousmane und François glauben, den Fall aufgeklärt zu haben, entdecken eine weitaus erschreckendere Realität! Mit Überraschungen und Wendungen führt ihr Ausflug weit weg vom Stadtrand sogar dazu, dass sie sich gegenseitig schätzen lernen.
Vor zehn Jahren mussten Ousmane und François erstmals unfreiwillig außerhalb des Pariser Stadtrings in der Banlieue ermitteln und hatten sich (ähnlich wie Axel Foley und die Polizisten Billy Rosewood und Sgt. Taggart im Beverly Hills Cop) mit der Zeit angefreundet. Okay, Freundschaft konnte man das nicht gerade nennen, aber sie waren am Ende freundschaftlich auseinander gegangen. François ging in die City zurück und Ousmane machte seinen Oberkommissar – was in dieser Fortsetzung immer wieder für verbale Reibereien unter den beiden sorgt.
Ousmanes Sohn ist mittlerweile erwachsen und seine Kollegin Yasmine arbeitet derweil im Drogendezernat. Im Grunde sind die beiden „Kumpel“ nach wie vor charakterlich gleich geblieben: Ousmane ist immernoch der gewiefte Banlieue-Cop, der die Regeln schon mal ein wenig locker angeht und immer noch so seine Aversionen gegen offene Nacktheit besitzt, die er mit seinem Darsteller Omar Sy gemein hat, während François in seinem Leben nicht weiterkommt. Er ist immer noch kein Oberkommissar und jagt jeder attraktiven Frau hinterher, bis er mit dieser im Bett landet.
Allerdings sind die zehn Jahre nicht spurlos vorbei gegangen. Man merkt, dass jemand anderes das Drehbuch geschrieben hat, da der Witz und die Chemie des Drehbuchs mit der Grundidee des Originals nicht mehr so ganz einher gehen. Gut, die verbalen Tiefschläge haben mit der Filmhandlung zu tun, aber dennoch weiß man oft nicht so genau, ob ein Kommentar ironisch oder genauso gemeint ist. Und das ist vermutlich das Grundproblem, warum der Film nicht so ganz überzeugen kann.
Die Action wurde routiniert und unterhaltsam von Louis Leterrier inszeniert, der schon mit Filmen wie The Transporter, Kampf der Titanen, Die Unfassbaren – Now you see me und Der Spion und sein Bruder für Unterhaltung sorgte: »Man lernt sie in Momenten kennen, in denen sie in ihrem Berufsleben vorangekommen sind, aber viel weniger auf der emotionalen Ebene. Der erste Film konzentrierte sich übrigens auf ihre berufliche Entwicklung, während es im zweiten Teil um ihren emotionalen Werdegang geht: Sie entdecken ihre eigenen Persönlichkeiten und ihre Beziehungen zueinander und verstehen, dass sie zusammen stärker sind als getrennt.«
Was überhaupt nicht auffällt, ist, dass Ein Mordsteam ermittelt wieder der erste Film ist, der nach The Mandalorian LED-Wände benutzt, um die Schauspieler in einem Studio vor einer projizierten Umgebung agieren zu lassen. »Da wurde mir übel!«, lacht Lauren Lafitte. »Das Ergebnis ist schon allein bei der Kombination verblüffend. Es ist unbequem und aufregend, ein bisschen wie ein Karussell auf dem Jahrmarkt. Aber es ist sehr nützlich für Aufnahmen, bei denen man vor einer Landschaft steht, weil es eindringlicher und realistischer ist.« Zudem wurde die Verfolgungsjagd in den Kart-Wagen mit einer Drohne gefilmt – eine durchaus rentable Technik, wie der Regisseur meint. »Man sollte sie nur nicht zu oft einsetzen.«
Der derbe und staubtrockene Humor sowie das national(sozial)istische Grundthema des Films sind nicht Jedermanns Geschmack und lassen zu oft sauer aufstoßen als für Lacher zu sorgen. Für das Finale hat man sich eindeutig von der Erstürmung des Capitols beeinflussen lassen (Stichwort: Indianerkostüm). Zudem orientierte man sich nicht mehr wie im ersten Film an den Beverly Hills Cop, sondern generell um Duo-Filme wie Lethal Weapon oder Bad Boys.
Und man merkt es den Hauptdarstellern auch an, dass sie mit unterschiedlichen Motivationen an die Fortsetzung gegangen waren. Während Omar Sy gespannt erstmals eine Filmrolle fortführte, hatte sein Kollege Laurent Lafitte bereits Erfahrungen mit Fortsetzungen und findet es »ein seltsames Unterfangen, eine Figur zehn Jahre später wiederzutreffen und dabei Spaß zu haben, ohne sich zu wiederholen.«
Sie mögen zwar Spaß am Set gehabt haben, zumal der Regisseur gesteht, dass einige Szenen nachsynchronisiert werden mussten, weil die Akteure so viel gelacht haben, doch irgendwie scheint der Dreh lustiger gewesen zu sein als der Film. Es gibt durchaus Szenen, in denen man ordentlich auf die Schenkel klopfen kann, doch dann kommen immer wieder so trockene Rohrkrepierer, die einen Axel Foley herbeiwünschen lassen. Der Film ist trotzdem gute Unterhaltung, auch wenn er an keine Fortsetzung der Vorbilder herankommen kann.

22.08.2022 | mz
Kategorien: Feature | Filme