Donnerstag, 6. Oktober 2022
Doctor Strange in Aktion
© Marvel Studios
Nach dem Sieg über Thanos in Avengers | Endgame hatte sich Dr. Stephen Strange in sein New Yorker Sanktum zurückgezogen. »Wir finden ihn zu Beginn des Films in einer sehr sicheren, allwissenden, fast allmächtigen Position«, erklärt Benedict Cumberbatch. »Wir sehen ihn als jemanden, der ein wenig über sich selbst nachdenkt. In seiner Beziehung zu Christine brennt immer noch die Zündflamme sehr hell. Er hat sie nicht losgelassen. Und dann stürzt er sich mit einem halsbrecherischen Tempo in dieses Abenteuer.«
Die Zündflamme bekommt Gegenwind, da Christine zu Beginn des Films einen anderen heiratet. Inmitten der Feierlichkeiten muss er einem Mädchen zu Hilfe eilen, das von einem riesigen einäugigen Monster verfolgt wird. Diese turbulente Actionszene erinnert ein wenig an Monsters vs. Aliens, vor allem auch, wie diese Kreatur, die Gargantos genannt wird, dargestellt und bekämpft wird.
Das Mädchen mit dem ebenso herausragenden Namen America Chavez berichtet, dass sie zwischen den Universen herumspringen kann, allerdings ihre Fähigkeit nicht unter Kontrolle hat. Nur in Todesangst öffnet sich ein sternförmiges Portal, das sie in andere Universen katapultiert. Daher ist sie auch zunächst zurückhaltend gegenüber Dr. Strange, da sie zuvor von einem „finsteren“ Strange fliehen musste.
Ohne Kontrolle über diese Fähigkeiten weiß Stephen nur von einer Person, die ihnen weiterhelfen könnte – Wanda Maximoff, die mit ihren magischen Kräften Hilfestellung geben könnte, um herauszufinden, wer die Monster auf America angesetzt hat. Nach ihrem Faux pas in dem Örtchen Westfield, das sie samt Bewohner zu einer Sitcom umgestaltet hatte, nur um mit einem fiktiven Vision und ihren beiden fiktiven Kindern ein zufriedenes Leben zu führen, lebt Wanda mittlerweile fern von der Zivilisation.
»Meiner Meinung nach macht es keinen Spaß, immer den Helden einer Geschichte zu spielen, in der man nichts falsch macht«, sagt Elizabeth Olsen, die ihre Rolle der Wanda weiter erforscht. »Das finde ich nicht interessant. Ich glaube, der Grund, warum mir Wanda von Anfang an so gut gefallen hat, ist, dass sie sehr klar in ihren Überzeugungen ist. Sie stimmen nur nicht mit denen anderer überein, und das ist in Ordnung. Sie wird ihre eigenen Einsichten haben und zugeben, wenn sie Fehler macht.«
Ab hier nimmt der Film an Fahrt zu, denn wie sich herausstellt, ist sie es, die nach Americas Fähigkeiten her ist. Die Wanda in diesem Universum ist allein. In ihren Träumen lebt sie mit ihren beiden Söhnen, wie sie es in Westfield bereits tat, nur diesmal ohne sie körperlich zu erschaffen. Sie ist versessen darauf, die Mutterrolle in eines der zahlreichen Universen zu übernehmen, in denen die Jungs real sind. Doch ein Appell an die Vernunft prallt von ihr ab, als wenn sie unter einem Bann stünde.
Dieser Bann stammt von einem Buch, das schon zahlreiche Individuen vor ihr in den Wahnsinn getrieben hatte. Die Darkhalte (oder wie es im Original heißt: Darkhold) kennen Zuschauer bereits aus den Serien Agents of SHIELD, Runaways und WandaVision. Wanda „erbte“ das Buch, das den Leser liest und die Seiten mit Inhalten füllt, mit denen dieser seine Wünsche wahr werden lassen kann. Das Buch, das in der Höllendimension aus dunkler Materie geschaffen wurde, ließ zuletzt die Hexe Agatha Harkness aus Westfield Wandas Sitcom-Anomalie durchbrechen und führte dazu, dass Wanda gegen die Hexe antreten musste, um Schlimmeres zu verhindern.
Doch wie auch alle Lesenden vor ihr übernahm das Buch wie das Teufelchen auf der Schulter Wandas Persönlichkeit. Und wie soll man eine allmächtige Hexe bekämpfen, die nur einen Steinwurf von ihrem Ziel entfernt ist…? Auf ihrem Weg zum Finale haben America und Dr. Strange ein Abenteuer in Paralleluniversen zu überstehen, das die Herzen aller Marvel-Fans höher schlagen lässt!
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Die Prämisse ist recht einfach und Wandas Wünsche wurden von der Dunkelhalte beeinflusst, weshalb auch ein Appell an die Vernunft und Logik ins Leere führt. Um zu verstehen, was das Buch mit dem Leser anstellen kann, sollte man schon oben genannte Marvel-Serien gesehen haben. Erst dann versteht man Wandas Tragik, was jedoch nicht heißt, dass man ohne dieses Vorwissen bei dem Film Spaß haben kann.
Ein Garant ist zum Beispiel Regisseur und Produzent Sam Raimi, der seine Erfahrungen aus dem Horrorgenre mit denen der Original-Spider-Man-Trilogie vermengte und nach neun Jahren wieder auf dem Regiestuhl (mit ein paar TV-Serien-Ausnahmen) platznahm. Herausgekommen ist ein aberwitziger Marvel-Horror-Mix, der zwar ganz schön ans Eingemachte geht, doch mit einer Freigabe ab 12 Jahren dementsprechend splatterfrei daherkommt, damit auch das Zielpublikum den Film sehen darf. Und natürlich dürfen zwei Sachen bei Sam Raimi nicht fehlen: Bruce Campbell, der hier einen Schmunzel-Kurzauftritt hat, und natürlich Danny Elfman als persönlicher Lieblingskomponist.
Neben den souverän agierenden Hauptdarstellern sei noch der zungenbrecherische Neuzugang Xochitl Gomez zu erwähnen, die als America Chavez in ihrer ersten Hauptrolle zu sehen ist und dabei einen eindringlichen Einstand gibt. »In diesem Film versucht America herauszufinden, wie sie ihre Kräfte kontrollieren kann«, sagt die gerade 18 gewordene Schauspielerin. »Das bringt eine verrückte Fahrt mit sich, und das ist der Film. Sie trägt dieses Selbstvertrauen in sich. Selbst wenn sie sich in einer Situation befindet, in der alles gegen sie spricht, hat sie Selbstvertrauen. Wir drücken ihr die Daumen.«
Es könnte hier noch so viel erwähnt werden, aber ein paar Überraschungen sollten nicht vorweggenommen werden. Zwei Zusatzszenen setzen dem Film wieder den Marvel-Stempel auf, und man kann nur hoffen, dass Disney die 3D-Blu-ray noch nicht vollständig abgeschafft hat. Im Kino gibt es ihn jedenfalls wieder in allen Formaten zur Auswahl.

22.08.2022 | mz
Kategorien: Feature | Filme