Samstag, 14. Dezember 2019
It

 

Stephen Kings Bestsellerroman „Es“ versetzt seit Jahrzehnten seine Leser in Angst und Schrecken. 1990 bemühte sich Warner Brothers bereits mit einem dreistündigen TV-Zweiteiler, das über 1500-seitige Mammutwerk zu verfilmen – mit mäßigem Erfolg. Nun wagte man sich erneut an den Stoff heran – diesmal mit einem größeren Budget, das für zwei Kinofilme reichen sollte.
Im Mittelpunkt stehen sieben junge Außenseiter, die in dem Städtchen Derry im US-Bundesstaat [und Heimatgegend des Autors] Maine aufwachsen. Sie bezeichnen sich als „Klub der Loser“ – ursprünglich Lizards, doch durch das Einwirken der tyrannisierenden Mitschüler sind sie ständig in Angst und auf der Flucht vor der nächsten öffentlichen Schmach.
Nachdem der kleine Bruder eines der Klubmitglieder eines Tages beim Spielen verschwindet, tun sich die Loser zusammen und bilden eine unzerbrechliche Gemeinschaft, um das Verschwinden von mehreren Kindern aufzuklären. Eine Spur führt sie in die Vergangenheit Derrys, wobei sie feststellen, dass alle 27 Jahre Kinder spurlos verschwinden.
Nicht nur, dass die Stadtrowdies, unter ihnen der Anführer Henry Bowers, Sohn des Sheriffs, ihnen die Sommerferien vermiesen, auch müssen sie sich ihren ganz privaten, eigenen Ängsten stellen, denn das Böse in der Gestalt des Clowns Pennywise besitzt die Macht, die Ängste der „schwachen“ Kinder auszunutzen, um sie zu sich hin zu locken. Und je ängstlicher man ist, desto stärker wird das Wesen…
🤡 🎈
»Angst ist universell«, sagt der argentinische Regisseur Andrés Muschietti. »Das ist etwas, was wir alle nachempfinden können. Und was könnte angsteinflößender sein als etwas, das dich nicht nur einfach so angreift, sondern das benutzt, was dir am meisten Angst bereitet?« Die kreative Partnerin des Regisseurs ist dessen Schwester und Produzentin Bárbara Muschietti, die mit verschmitztem Lächeln eines verspricht: »Chase Palmer, Cary Fukunaga und Gary Dauberman haben es geschafft, die rührenden Aspekte der Freundschaft des Loser-Klubs und sogar einen Tupfer der ersten Jugendliebe einzufangen. Aber macht keinen Fehler, ihr werdet Angst bekommen!«
Und die bekommt man auch, wenn allerdings hauptsächlich durch Effekthascherei. Das ist bei dem Film recht schwierig zu unterscheiden. Erfahrene Kinogänger wissen, dass oftmals visuelle und Toneffekte die Reflexe von Großstädtern provozieren, da diese, wie auch Fans des Genres bereits einigermaßen abgehärtet sind. In diesem Film wird jedoch zusätzlich versucht, die bereits grausige Handlung mit diesen Effekten zu verstärken.
Das gelingt allerdings nicht oft. Der Film ist wunderbar fotografiert, das Licht birgt immer soviel Schatten, wie er für die Stimmung gerade gebraucht wird. Auch die Bauten und Kostüme, die Kleinigkeiten im Hintergrund, die zeitgenössischen Details – all das verursacht eine idyllische Grundstimmung, wie sie der Meister persönlich stets gekonnt in seinen Büchern beschreibt.
Allerdings kann der Horror nicht so recht überzeugen. Die Spannung bezieht sich lediglich auf die Frage, was man jetzt noch tun könnte, um das Clownmonster zu besiegen, und ob alle Sieben die Konfrontation überleben. Die Romankenner wissen natürlich, was passiert, weshalb das auch ein Grund zu sein schien, die Spannung durch Aktionen zu erzeugen. Da ist die Konfrontation mit dem sadistischen Halbstarken Bowers schon grausiger als der Clown. Gut, wer eine Clownphobie hat, der wird in diesem Film sicher seine Ängste ausleben können. Doch bei allen anderen Zuschauenden könnte schon eine gewisse Horrormüdigkeit einkehren.
Das mag vielleicht auch an der Darstellung von Bill Skarsgård liegen, der sich zwar bemüht, aber irgendwie ohne sein animiertes Riesenmaul nicht so recht Angst verbreiten kann. Das kann aber auch generell an der Figur liegen, die Stephen King erschaffen hat. Es hätte aber auch generell gruseliger inszeniert werden können. Die Szenen, in denen sich die Kinder ihren Ängsten stellen, sind da schon nicht ohne, das waren sie im Buch schon nicht. Hinzu kommt die stimmige Musikuntermahlung von Benjamin Wallfisch, der auch hier wie bei A Cure for Wellness Stimmen hineinmischt.
Die Jungdarsteller wurden sorgfältig ausgesucht und bringen ihre jeweiligen Romanfiguren gekonnt auf die Leinwand. Man kann sich gut in die einzelnen Figuren hineinversetzen, und als Kind würde ich mich auch in Beverly Marsh verknallen. Dabei wirkt sie allerdings weitaus erwachsener als die Jungs der Fahrradclique.
Einzig Finn Wolfhard als Richie Tozier kann nicht so ganz überzeugen. Teilweise spricht er so schnell, dass man kaum versteht, was er sagt, was vermutlich daran liegt, dass er Sätze sagt, die ein Junge in seinem Alter niemals so sagen würde. Ich schätze das war entweder ein Fehler der Drehbuchautoren oder bereits im Roman so, was ich jetzt aber zu phlegmatisch bin, nachzuschlagen. Als Mike in der Serie Stranger Things ist er jedenfalls besser zu verstehen, in jeder Hinsicht, was eventuell aber auch an einem Dialoglehrer gelegen haben könnte.
🤡 👦 👧 🏚️ 🕳️ 😱 🎈
Am Ende des über zweistündigen Films schließen die Jugendlichen einen Pakt, in 27 Jahren wieder zurückzukommen, sollte das Monster sich erneut zeigen. Kenner des Buchs wissen, dass damit im Roman die Halbzeit eingeläutet wird, und in der Tat endet der Film mit dem Hinweis, dass dies erst das erste Kapitel sei. Da müssen wir wohl oder übel noch 2 Jahre warten, bis die Fortsetzung in die Kinos kommt. Dann wird sich zeigen, wie das Ganze aufgelöst wird, wer die erwachsenen Figuren spielen wird und vor allem, ob die zweite Hälfte besser, schlechter oder gleichgesinnt daherkommt…

08.10.2017 | mz
Kategorien: Feature | Filme