Samstag, 18. Mai 2024
Lizzie und Aren im Café
📷 Tobin Yelland - © Focus Features
Je glücklicher sie sind, desto sicherer sind wir.
In der feinsinnigen und märchenhaften „Komödie“ wird der junge Afroamerikaner Aren von Agent Roger für eine geheime Vereinigung angeworben. Diese hat es sich zum Ziel gesetzt, das Leben ihrer weißen Mitbürger zu verbessern, um die Bedrohung für schwarze Menschen zu verringern.
Aren steht vor seiner größten Herausforderung, als er sich in dieselbe Frau verliebt wie sein Schützling, denn diese Dreiecksbeziehung könnte die gesamte Mission gefährden…
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Regiedebütant Kobi Libii, der aus der Komödienbranche kommt, sagt, dass der Film mit einer Idee begann, von der er annahm, dass sie ein kurzer Komödiensketch werden würde: »Meine Erfahrung mit komödiantischen Ideen mit übergeordnetem Konzept wie in diesem Fall ist, dass die meisten von ihnen nicht länger als drei Minuten lang sein sollten.
Aber als ich mich hinsetzte, um die Idee als Sketch auszuarbeiten, entdeckte ich, dass ich über etwas viel Größeres und viel Persönlicheres schrieb: einen ganz bestimmten Abwehrmechanismus, der mir als schwarzem Mann beigebracht hatte, wie man im weißen Amerika überlebt. Dieser Abwehrmechanismus hatte eine Reihe unbeabsichtigter Konsequenzen in meinem Leben, was mein Selbstvertrauen und meine Fähigkeit anbelangt, Raum einzunehmen und mich in der Welt zu bewegen. The American Society of Magical Negroes ist eine ausgeklügelte Metapher, um all das zu erkunden.«
»Die Weißen beschreiben den Topos des „Magical Negro“ als eine Art „glücklicher Sklave“. Es ist ein Archetyp, der sich vorstellt, dass Schwarze es wirklich genießen, sich zu verrenken, um in weiße Machtsysteme zu passen. Ich bediene mich dieses Themas, um zu erkunden, was es Schwarze wirklich kostet, so zu leben«, so der Regisseur.
»Dieser Film ist mein Versuch, all das zu verarbeiten. Er ist eine Fantasie, denn die harte Realität kann nicht die kreativen, fantastischen Dinge widerspiegeln, die Schwarze tun müssen, um in Amerika zu überleben. Es ist eine Komödie, weil die Scham über diesen Abwehrmechanismus so radioaktiv ist, dass ich lachen muss, um ein ehrliches Gespräch darüber erträglich zu machen. Und es ist eine Liebesgeschichte, weil es für mich das Gegenteil einer Gesellschaft ist, die einem vorschreibt, wie man sein Leben zu leben hat, wenn man von jemandem gesehen und geschätzt wird, den man liebt, das Gegenteil einer Gesellschaft, die einem sagt, dass das eigene Leben unwichtig ist.«
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Und genau das ist es auch – eine Liebesgeschichte ummantelt in einer märchenhaften Gesellschaftssatire. Dass der Film so viele schlechte Bewertungen bekommen hat, kann nur bedeuten, dass die Bewertenden den Film nicht gesehen oder verstanden haben.
Gut, er ist im Schnittmaß eher mittelmäßig: Er ist mit viel aufwändiger Tricktechnik bestückt, hat eine wundervolle Filmmusik und ist souverän inszeniert. Andererseits gibt es so einige technische Patzer wie die voluminöse Vorschwebende der „Magischen Neger“, bei der man praktisch die Drahtseile sehen kann, an denen sie hochgezogen wird (auch wenn sie digital wegtuschiert wurden!) oder gegen Ende die Szene, in der Aren zu Stricken beginnt und vermutlich jemand vergessen hat, „Cut!“ zu rufen…
Kobi Libiis Inszenierung merkt man die Sketchidee zunächst an, doch schon bald entspinnt sich eine haarsträubende Geschichte, dessen widersprüchliche Hauptprämisse das eigentliche Ärgernis darstellt. Es mag zwar sein, dass er die „weiße“ Gesellschaft wachrütteln will (was im Höhepunkt des Dialogs zwischen Aren und Jason gegen Ende auf der Bühne resoniert), dass die vielfältige Gesellschaft heutzutage für solch einen Film bereit wäre, doch am Ende verpufft die ganze Idee in einem Happy End, als wenn die „weißen“ Produzenten dieses gefordert hätten.
Justice Smith, der durch Baz Luhrmanns Miniserie The Get Down einen positiven Ersteindruck hinterließ, wirkt hier eher hölzern und pupig, bis er im Höhepunktdialog endlich aufgeladen ist. Und man bemerkt erstmals auch in verschiedenen Ausdrücken und Bewegungen die Verwandtschaft mit seinem Vater Will.
Während Komödienaltmeister David Alan Grier (der, wie wir u.a. in Joe Pickett gesehen haben, auch ernste Bösewicht-Rollen spielen kann, die weitaus intensiver herüberkommen) als Sprachrohr des Regisseurs dient, überzeugt vor allem Filmneuling An-Li Bogan (Schauspielerin asiatisch-irischer Herkunft) in der weiblichen Hauptrolle, die den gesunden Menschenverstand repräsentiert.
Vermutlich kommt es auch darauf an, mit welcher Figur man sich identifiziert, dass der Film auch als Schablone der Gesellschaft fungieren kann. Auf jeden Fall ist er keine Komödie, bei der man schenkelklopfend am Boden liegt, auch bei der es wenig zu lachen gibt. Ich schätze das liegt an der Schablone, und je nachdem, wer sich mit welcher Figur identifiziert, bewertet den Film anders. Und vielleicht fällt er auch genau aus diesem Grund auf den Boden…

10.05.2024 | mz
Kategorien: Kino