Mittwoch, 6. Dezember 2023
Tel Aviv - Beirut
Tanya und Myriam auf der Suche nach Gil
© Neue Visionen
1984. Während der Krieg im Libanon tobt, wird der junge israelische Soldat Yossi kurz nach der Geburt seines Sohnes von seiner Frau Myriam getrennt. Im Libanon lernt er die harte Realität und Brutalität des Krieges an der Seite von Fouad kennen, einem Kämpfer der Südlibanesischen Armee, einer von Israel unterstützten Miliz, um dem Vormarsch der Hisbollah entgegenzuwirken.
Die Freundschaft beginnt, als Yossi Fouads Tochter Tanya bei einem bewaffneten Häuserkampf das Leben rettet. Kurz darauf kommt allerdings Fouads Ehefrau durch eine Bombe ums Leben. Yossi kämpft weiterhin für die Israelis im Libanon, während seine Frau Myriam ihren gemeinsamen Sohn Gil in Tel Aviv großzieht und allein klarkommen muss.
Als im Jahr 2000 die Hisbollah-Organisation den Libanon übernimmt, hilft Yossi seinem Freund Fouad und dessen Tochter Tanya bei der Flucht aus dem Land, um einer drohenden Bestrafung zu entgehen, da er 16 Jahre lang gegen sie gearbeitet hat. Fouad und Tanya finden Zuflucht in Israel und müssen dort zurückgezogen und unerwünscht ihr Exilleben bestreiten. Die Freundschaft zwischen Yossi und Fouad hat keine Chance mehr und der Kontakt bricht ab.
Auch die Ehe zwischen Yossi und Myriam konnte die Zeit des Krieges nicht überstehen und ist gescheitert. Der gemeinsame Sohn Gil, der eigentlich zum Studieren nach Paris gehen wollte, entscheidet sich gegen den Willen seiner Mutter für den Kampf als israelischer Soldat an der Grenze.
Einige Jahre später 2006 bricht im Libanon erneut Krieg aus, der zu Spannungen an der israelischen Grenze führt. Bei einem Angriff werden israelische Soldaten getötet und einige vermisst – darunter auch Gil. Währenddessen ergeht es Fouad gesundheitlich immer schlechter und Tanya bittet Yossi um Hilfe.
Als sie Medikamente im Krankenhaus abholen möchte, trifft sie auf Myriam, die seit dem Angriff kein Lebenszeichen von Gil gehört hat und kurzerhand beschließt, mit Tanyas Hilfe zur Grenze zu fahren um nach Gil zu suchen. Diese Reise ermöglicht es den beiden Frauen, ihre Sorgen zu teilen, Erfahrungen auszutauschen, Verständnis aufzubringen und gegenseitigen Respekt aufzubauen.
Zusammenhalt und Hoffnung im Angesicht der erschütternden Realität des Krieges: Mit Tel Aviv – Beirut ist der französisch-israelischen Regisseurin Michale Boganim ein intimes und zutiefst berührendes Kinoerlebnis gelungen – ein eindringlicher Film voll roher Kraft und großer Poesie.

20.09.2023 | mz | Quelle: Neue Visionen
Kategorien: Feature | Filme