Dienstag, 15. Juni 2021
Moxie!
Zeit, zurückzuschlagen
Vivian mit ihrem Magazin
© Netflix, Inc.
Vivian, eine eigentlich schüchterne 16-jährige, läuft meist mit gesenktem Kopf herum und versucht, möglichst nicht aufzufallen. Als die Ankunft einer neuen Schülerin sie dazu bringt, das ungezügelte Verhalten ihrer Mitschüler an der Highschool genauer zu betrachten, merkt Vivian, dass sie endgültig genug hat.
Sie lässt sich von der rebellischen Vergangenheit ihrer Mutter (gespielt von Regisseurin und Produzentin Amy Poehler) inspirieren und bringt anonym ein Untergrundmagazin namens „Moxie!“ heraus, in dem sie das unfaire Verhalten und die Verfehlungen in der Highschool anprangert. Sie tritt damit eine Bewegung los, die nach und nach ein Eigenleben entwickelt. Plötzlich steht Vivian im Mittelpunkt einer Revolution und schmiedet neue Freundschaften mit anderen jungen Frauen und Mitstreiterinnen quer über alle Cliquen und Clubs hinweg, mit denen sie gemeinsam die Höhen und Tiefen des Highschool-Alltags bewältigt.
Der Film beruht auf dem gleichnamigen Roman von Jennifer Mathieu, einer Englischlehrerin, die hier in einer kleinen Rolle als Chemielehrerin zu sehen ist. Das Buch der ehemaligen Journalistin zählte 2017 im Magazin TIME zu den zehn besten Romanen für junge Erwachsene.
Amy Poehler, die nach ihrem ersten Kinofilm Wine Country erneut vor und hinter der Kamera agiert, schafft es, Dank ihrer komödiantischen Erfahrungen aus der Zeit, in der sie bei NBCs Sketchshow Saturday Night Live und ihrer Serie Parks and Recreation agierte, eine flüssig inszenierte Erwachsen-werd-Geschichte zu inszenieren, die diskriminierende Aspekte im Schulalltag anspricht.
Aber nicht nur das Drehbuch überzeugt – auch die Hauptdarstellerin Hadley Robinson, die man eventuell aus dem Kinofilm Little Women oder aus der amazon-Serie Utopia, worin sie manipulative Zwillinge spielt. Sie schafft es, ihre Rolle nicht nur zu spielen, sondern auch zu verinnerlichen. Dadurch wirkt sie als universelle Identifikationsfigur, die andere inspiriert, die eigene Stimme zu erheben, wenn es um Ungerechtigkeit im Alltag geht. Dabei bekommt sie von Neuzugang Alycia Pascual-Peña, die die neue Schülerin Lucy mit Hingabe spielt, tatkräftige Unterstützung. Lucy ist es schließlich, die Vivian wachrüttelt, etwas gegen die Missstände zu tun.
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Unterstützt von punkiger Musik von Bikini Kill, Gossip oder Amy Poehlers Entdeckung, den Linda Lindas, formt der Film einen Aufschrei, der gehört werden sollte und muss, und der dabei junge Leute inspiriert, ihre eigenen Stimmen und ihren eigenen Platz in der Welt zu finden. Dabei wirkt der Film unkonventionell frisch und mitreißend, ohne zu dramatisch oder zu komödiantisch daherzukommen. Und mit Patrick Schwarzenegger hat man einen schön schmierigen, selbstgerechten Bösewicht gefunden, der den Diskurs belebt. Schneid! (wie der Titel übersetzt heißt) ist einer der auffälligsten Filme der letzten Zeit, der (nicht nur von der Zielgruppe) gesehen werden sollte.

13.03.2021 | mz | Quelle: Netflix
Kategorien: Feature | Filme