Dienstag, 28. September 2021
Der Prinz aus Zamunda 2
Coming 2 America
„Ebola und Kunta Kinte“ - Semmi und sein Gebieter Akeem
📷 Quantrell D. Colbert | © Amazon Studios
1988 begeisterten Eddie Murphy und Arsenio Hall ihre Fans mit der Komödie Der Prinz aus Zamunda, indem sie neben ihren Hauptfiguren Akeem und Semmi in verschiedene Rollen schlüpften, um diese überspitzt darzustellen. Damals ging Prinz Akeem (wie der Originaltitel verrät) nach Amerika, speziell nach New York City in den königlichen Stadtteil Queens, um eine Braut zu suchen, denn er hält nichts von arrangierter Heirat. Dort begegnete er der Fast-Food-Restaurant-Tochter Lisa McDowell, die er (wie sollte es auch anders kommen) zum Ende des Films zur Frau nahm.
Nun sind 30 Jahre vergangen – König Jaffe Joffer liegt im Sterben und hätte gern einen männlichen Thronfolger-Enkel. Akeem und Lisa haben drei Mädchen gezeugt, wobei die älteste bereits für die Thronfolge mit ihrem Vater trainiert. Doch die Tradition fordert nun mal einen Prinzen. Eines Tages erfährt Akeem, dass er in Queens einen unehelichen Sohn hat – gezeugt in einer betrunkenen Nacht. Und so macht er seinen Sohn ausfindig und begibt sich mit Semmi erneut auf Stippvisite nach Queens.
Was folgt, ist zunächst purer Nonsens mit den SNL-Komikern Leslie Jones und Tracy Morgan (auch SNL-Nachrichtensprecher Colin Jost hat eine kleine Rolle), die jedoch (vermutlich nur für Nicht-New-Yorker oder -Amerikaner oder Weiße) dermaßen überspitzt agieren, dass das nicht nur nervt, sondern auch kein bisschen lustig ist. Zudem ist der Besuch in den USA recht kurz gehalten, was den Originaltitel schon fast ad absurdum führt, der übrigens genauso ausgesprochen wird wie der erste Film – lediglich mit einer 2 statt des „to“ – Coming 2 America.
Interessant ist auf jeden Fall, dass fast alle Schauspieler[m/w/d] aus dem ersten Film wieder mit dabei sind – wobei man sehen kann, wie sie sich nach 30 Jahren verändert haben (oder auch nicht). Auch spielen die beiden Hauptakteure wieder ihre (oft nervigen) Figuren aus dem ersten Film – ob der Reverend, der Friseur und dessen jüdischer Dauergast Saul (beachtenswert: Man erkennt nach wie vor Eddie Murphy keineswegs unter dieser perfekten Maske! – im Zuge der politischen Korrektheit der heutigen Gesellschaft vermutlich einen Aufschrei erwartend).
Es wird auch wieder opulent getanzt in Zamunda. Zur Trauerfeier des zu Beginn noch lebenden Königs lässt Eddie Murphy mit Salt-n-Pepa und En Vogue die 90er Jahre hochleben – Gladys Knight und Morgan Freeman sind auch mit dabei! Es wird sowieso viel wiederholt – der Vorspann zum Beispiel, der diesmal ein wenig aufwändiger computeranimiert hinter den Paramount-Berg nach Zamunda fliegt. Auch die Grundgeschichte ist dieselbe, denn Akeem will seinen Sohn mit der Tochter des Diktators des Nachbarlands (Achtung, jetzt kommt’s:) Nexdoria (auf gut Deutsch: Nachbaristan) vermählen, um mit General Izzi Frieden zu schließen.
Dieser wird von Wesley Snipes gespielt, der nach seinem Gefängnisaufenthalt versucht, an alte Erfolge anzuknüpfen. Allerdings ist auch diese Figur (wie auch die Truppe des Diktators) völlig daneben. Sie treten mit Waffen auf, benutzen sie jedoch zum Tanzen. Sechs Leute haben am Drehbuch herumgewerkelt – kein Wunder, dass die neuen Figuren so schräg und unsympathisch sind. Einzig der vermeintliche Sohn, gespielt vom noch recht unbekannten Jermaine Fowler, zeigt sich seinem Filmvater ebenbürtig.
Im dritten Viertel wird der Film plötzlich ansehnlich, denn die (Liebes-)Geschichte des ersten Films wiederholt sich – hier jedoch genau umgekehrt: Der Amerikaner verliebt sich in Zamunda und holt seine Geliebte zurück in die USA. Doch zum Ende verliert sich der Film wieder im vermeintlich komödiantischen Verkleidungsspiel der beiden Hauptdarsteller.
Der Prinz aus Zamunda 2 ist leider eine Gurke geworden, auch wenn es weitaus gurkigere Fortsetzungen gibt. Die Handlung wirkt uninspiriert, die Quote der lustigen Witze liegt bei unter 5%, die unnötigen Nebenfiguren nerven ohne Ende, während die Hauptfiguren eher eindimensional wirken. Da kann auch ein Happy End nicht viel ausrichten. Schade. Wer also den ersten Film mochte, sollte sich dieses Werk getrost schenken (oder vorspulen – wenn man das heute noch so sagt).

10.03.2021 | mz | Quelle: amazon prime video
Kategorien: Feature | Filme