Montag, 4. März 2024
Der Junge und der Reiher
君たちはどう生きるか
宮﨑駿 | Miyazaki Hayao
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Nachdem seine Mutter bei einem Luftangriff im Zweiten Weltkrieg umgekommen ist, muss der elfjährige Mahito Tokio verlassen. Er zieht zu seinem Vater und dessen neuer Frau in ein altes Herrenhaus, das sich auf einem riesigen Landgut befindet.
Isoliert von der Welt, beginnt Mahito, die verzauberten Landschaften, die sein neues Zuhause umgeben, zu erforschen, und begegnet einem mysteriösen Graureiher, der hartnäckig an seiner Seite bleibt. Nach und nach wird der Reiher zu seinem Führer und hilft ihm, die Welt um ihn herum besser zu verstehen und die Geheimnisse des Lebens zu lüften.
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Inspiriert von Hayao Miyazakis Lieblingsroman „Wie lebst du?“ von Genzaburo Yoshino, den er in seiner Jugend von seiner Mutter geschenkt bekommen hatte, erzählt er von seiner eigenen Jugend, dem Verhältnis zu seinem Vater, von Armut und seinem Weg zur spirituellen Reife. Und das macht er wie gewohnt in einem beeindruckenden Farbteppich von Fantasie und Eleganz, mit allen Mitteln der japanischen Animationskunst.
Der Junge und der Reiher ist ein besonders kostbares Geschenk und möglicherweise der letzte Film des Meisterregisseurs, der sich visuell und erzählerisch auf dem Höhepunkt seines Könnens zeigt. In Japan ist das Anime-Abenteuer einer der erfolgreichsten Filme des Jahres 2023.
Im Zuge der überwältigenden Bild-und-Ton-Klangwelt der heutigen Zeit wirkt der Film recht altmodisch, oder wie es so schön heißt: old school. Er ist sehr ruhig – so ruhig, dass an einigen Stellen die Augenlider schwer werden und man mit Mahito in die Traumwelt abzugleiten vermag. Er ist besonders in der ersten Hälfte langatmig, das Ende wirkt dafür eher abgehackt.
Es ist für Ottonormalkinogänger nicht einfach, die Handlung zu verstehen – eigentlich normal für einen Anime-Film, kommen hier doch reale Ereignisse vor, Fantasyelemente, Metaphern und schließlich das erklärende SciFi-Element, das mit der Botschaft aufwartet, dass man die Geschichte nicht ändern kann und sollte, man es jedoch selbst in der Hand hat, die Zukunft mitzugestalten.
Und natürlich gibt es auch in diesem Film wieder kleine knuffige Wesen, die wir in eigentlich allen Miyazaki-Filmen finden, seien es die Kodamas in Prinzessin Mononoke oder die kleinen Aschegeister in Mein Nachbar Totoro. Hier sind es die Warawara, kleine weiße Gespensterchen, die aufgepustet werden müssen, um „nach oben“ zu steigen, um dann als ein Lebewesen geboren zu werden. Und jetzt alle mal weiße Luftballons kaufen!

21.02.2024 | mz
Kategorien: Feature | Kino