Donnerstag, 24. Juni 2021
Jesus rolls
Niemand verarscht Jesus
The Jesus rolls
Jesus wird umtanzt.
📷 Atsushi Nishijima | © EuroVideo Medien
Dios mio! Mann, kaum aus dem Knast raus, schon hat der gottbegnadete Bowler Jesus Quintana, der einst den „Dude“ höchstpersönlich herausforderte, wieder Ärger an der Backe. Gemeinsam mit seinem Kumpel Petey „leiht“ er sich dem Haarstylisten Paul Dominique zuerst dessen V8-Plymouth-Klassiker, dann seine geliebte Friseurfachangestellte Marie, Jesus‘ ehemalige Flamme, und schließlich rauben sie auch noch dessen Kasse leer.
Da vergeht sogar dem coolsten Friseurmeister das Lachen. Als die beiden vor ihm fliehen, schießt dieser Petey in den Allerwertesten. Bevor sie sich noch tiefer in die Welt des Schmerzes begeben, legen sie mit Marie eine legendäre Reise voller Sex, Strikes und Gipsy Kings-Liedern hin.
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Dass John Turturro auch gute Filme machen kann, hat er bei Romance & Cigarettes (2005) und Plötzlich Gigolo (2013) bewiesen. Mit diesem Film hat er zwar sichtlich eine Menge Spaß gehabt, doch vielleicht hätte er sich beim Drehbuch etwas besser anstrengen können. Ständig rätselt man, warum sie dieses oder jenes machen und wie z.B. Marie es schafft, ihren beiden Begleitern hinterher zu reisen, ohne zu wissen, wo sie hin sind?
Die Originalgeschichte stammt von Bertrand Bliers eigener Romanadaption von „Les Valseuses“, der 1974 mit dem Zusatz Wir sind die Größten mit Gérard Depardieu, Miou-Miou, Patrick Dewaere, Jeanne Moreau und Isabelle Huppert in die Kinos kam, später dann unter dem weitaus klingenderen Namen Die Ausgebufften erschien. John Turturro adaptierte die schon recht anspruchslose Unterwegs-Orgie, die ihrerzeit viele Tabus gebrochen hatte – daher auch die Freigabe ab 18 Jahre!
John Turturro machte in seiner Fassung des Stoffes aus Jean-Claude seine Figur des Jesus Quintana, um sich ein wenig mit dem „Großen Lebowski“ zu schmücken, aus Pierrot wurde Petey und aus Marie-Ange nur Marie. Und ein wenig freizügig ist er auch, denn immerhin ist Frankreich-Export Audrey Tautou oben ohne zu sehen, während die Herren hauptsächlich ihre „Mondgesichter“ zeigen. Bei Susan Sarandon, die John Turturro bereits in seinem Film Romance & Cigarettes inszeniert hatte, hatte ich schon fast vermutet, dass diese sich auch etwas freizügiger macht. Doch bei ihr musste das üppige Decolleté ausreichen.
Dass der Film keine komplette Nullnummer wird, liegt einerseits an ihrer Rolle und vor allem an der Figur von Marie, die, wie sie im Film sagt, beim Geschlechtsverkehr noch nie irgendendeine Art Befriedigung erfahren hat. Eigentlich ist sie die Handlung, denn erst nachdem sie ihren ersten Orgasmus bekommt (und nein, nicht von Jesus), ist der Film aus – so ohne ein wirkliches Ende der Haupthandlung.
Wenn man sich auf eine knappe Anderthalbstunde Jux und Tollerei ohne jeglichen Anspruch oder inhaltliche Kontinuität einlässt und sich vielleicht noch das eine oder andere alkoholische Getränk zuführt, ist man mit Jesus rolls gut bedient. Ansonsten kann der Film weder in Sachen Witzigkeit oder Spannung punkten, noch irgendwelche Tabus brechen. Selbst das an The Big Lebowski anlehnende Bowling bleibt auf eine kleine Szene beschränkt, dass Herr Turturro da nicht unbedingt seinen Jesus hätte hineinadaptieren brauchen. Aber immerhin konnte er ein paar bekannte Kollegen[m/w/d] in den kleinen Rollen besetzen.

29.05.2021 | mz | Quelle: EuroVideo
Kategorien: Feature | Filme