Samstag, 26. September 2020
Alle in einem Boot
Start 12. März 2020
Drama
DE 2019 | 91 min | FSK –
von Tobias Stille
mit Christof Düro, Kathleen Gallego-Zapata, Hassan Kello u.a.
1939 wollen jüdische Menschen auf der Flucht mit der St. Louis, einem Kreuzfahrtschiff der Hapag, nach Kuba gelangen – doch Kuba lässt die Geflüchteten trotz ihrer Visa nicht an Land. Eine Odyssee beginnt.
Pauls Großvater war mit dessen jüdischer Frau Elsa und Sohn Georg auf der „St. Louis“. Paul möchte über diesen Mann und seine Flucht einen Film machen. Als er nicht genug Geld auftreibt, entscheidet er sich, ein Theaterstück zu inszenieren. Er vereint eine bunte Truppe von Schauspielern um sich und beginnt mit den Proben.
Einer der Schauspieler, Moah, holt aus der nahe gelegenen Flüchtlingsunterkunft afrikanische Migranten, um dem Stück mehr Aktualität zu verpassen. Sie sollen als jüdische Flüchtlingskomparsen mitmachen. Plötzlich ist der Theaterraum selber ein Ort der Begegnung, wo alle Fragen verhandelt werden, die auch in der Fluchtgeschichte der „St. Louis“ eine Rolle spielen: Wie groß ist menschliches Mitgefühl? Wie tolerant sind wir mit Fremden? Können wir humanitär handeln und teilen? Wie entsteht Rassismus?

Es beginnt ein Aufeinanderprallen der Kulturen, ein Fremdeln wird zum Miteinander, und die historischen und heutigen Schicksale beginnen sich zu vermischen, denn auf der Flucht zu sein, damals wie heute, heißt, existentiell bedroht zu sein. Aber nicht nur in der Theaterwelt rumort es durch die neuen Mitstreiter. Die Geflüchteten wollen ihre Geschichte auch auf der Bühne verhandelt sehen – statt Flucht in einem Ozeandampfer über den Atlantik also ein Überlebenskampf in einem Schlauchboot auf dem Mittelmeer. Schaffen Paul und sein Ensemble die Überkreuzung – die Reise über den symbolischen Ozean? Die Reise ins Herz des Humanismus? Und nicht zuletzt: Schafft das Werk die Überkreuzung zwischen Film und Theater?

07.07.2020 | mz | Quelle: PARTISAN filmverleih ANTIHELD
Kategorien: Filme