Mittwoch, 23. Oktober 2019

 

 
Nach den Ereignissen aus Avengers | Endgame hat sich Peters Universum total verändert. Gleich am Anfang nimmt das Schulfernsehen in einer eigens zusammengestellten Hommage Abschied von den gefallenen Superhelden und erklärt uns die derzeitige Situation: Erst zerfällt die eine Hälfte der Leute zu Staub, dann erscheinen diese 5 Jahre später am selben Ort, jedoch keinen Tag gealtert, was natürlich auf die Hormone von Teenagern enorme Auswirkungen hat. Und dann ist da noch Happy Hogan, der verdammt viel Zeit mit seiner Tante May verbringt…
Peter ist gebeutelt. Überall wird er an Tony Stark erinnert und dann bekommt er auch noch dessen kultige Brille überreicht, die ihm Zugriff auf alle Stark-Sicherheitseinrichtungen gewährt. EDITH ist nicht nur ein Name, sondern lässt noch einmal dem Humor Tony Starks huldigen, denn das Acronym bedeutet Even Dead I’m The Hero. Allerdings gehen seine ersten Anweisungen nach hinten los, wodurch er beinahe seinen Widersacher Flash Thompson getötet hätte.
Eigentlich hatte Peter sich darauf gefreut, mit einer romantischen Geste seiner Angebeteten auf dem Pariser Eiffelturm seine Zuneigung zu gestehen, doch ein gewisser Nick Fury versucht ständig, Peter ans Telefon zu bekommen. Vermutlich hätte dieser nicht mit einer unterdrückten Nummer anrufen sollen…? Und wie Happy Hogan sagt: „Man schickt Nick Fury nicht auf die Mailbox.“
Doch nicht nur, dass ein neuer Superheld im ersten europäischen Urlaubsziel der Klasse, Venedig, ein gigantisches Wassermonster besiegt, auch erscheint Nick Fury endlich persönlich in Peters Hotelzimmer und bittet ihn um Hilfe, denn kein anderer Avenger war zu erreichen. Und Peter sieht sich nicht wirklich als einer der Avengers, auch wenn Nick Fury sagt, er wäre immerhin im Weltraum gewesen.
Und so kommt es, dass Peter seine Klassenfahrt mit dem Bekämpfen der bedrohlichen Situation in Einklang bringen muss. Die ganze Geschichte ist so irre und wirre komplex ineinander verzahnt, dass man sich ganz gut in Peters Anzug hineinversetzen kann. Als dann in der Mitte des Films plötzlich die Bedrohung bekämpft zu sein scheint, fragt man sich erstmal: Wie jetzt, das war’s schon? Aber wer den ersten Film Homecoming gesehen hat, ist nicht überrascht, wenn sich der vermeintliche Superheld aus dem Paralleluniversum (Into the Spider-verse lässt grüßen) als etwas völlig Anderes entpuppt, das in der heimischen Welt, ja sogar in der „Nachbarschaft“ seinen Ursprung hat.
Natürlich sind auch die Mitschüler aus dem ersten Film mit dabei – allen voran sein Kumpel Ned, der sich darauf freut, Europa mit Peter als Junggesellen zu erkunden. Doch durch ein Kuddelmuddel im Flieger nach Venedig wird Ned neben die schöne Betty gesetzt, die zunächst gar nichts mit ihm gemein zu haben scheint. Doch am Ende des Fluges sind sie plötzlich ein Pärchen, das sich mit „Ja, Babe“ kost. Das ist voll niedlich und lässt ein „Oooh“ durchs Publikum wellen – ganz im Gegenzug zur verkrampften Liebesgeschichte zwischen Peter und Michelle, die zwar auch ihren Höhepunkt findet, aber viel erzwungener erscheint als das knuffige „Netty“.
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Aber so ein Marvel-Film braucht natürlich auch seine Effekte, und die sind wieder einmal grandios. Man verliert zwar manchmal die physische Orientierung, was aber auch so gewollt ist. Gerade dabei kommt das dreidimensionale Szenario voll zur Geltung. Und die gigantischen Szenen wirken auf einer IMAX®-Leinwand noch gigantischer.
Jon Watts, der auch für Spider-Man | Homecoming verantwortlich zeichnete, lässt die Fans nicht nur abfeiern, wenn am Anfang Whitney Houstons „I will always love you“ zum „In memoriam“-Segment ertönt, auch bringt er in der ersten Zusatzszene eine Figur aus dem Sony-Spiderversum zurück, die bereits 2002 in Spider-Man mit Tobey Maguire aufgetaucht war – J. Jonah Jameson, witzigerweise erneut gespielt von J.K. Simmons, der mit seinem Auftritt einen Cliffhanger erzeugt, der die Spider-Man-Fans, aber vor allem die Titelfigur selbst, an einem düsteren Ort hinterlässt. Und dann trumpft der Film noch mit einer Szene nach dem Abspann auf, die ein unglaublich verblüfftes „Waaaaas?“ beim Publikum hinterlässt. Wann, wie und ob die Geschichte weitererzählt wird, ist noch nicht bekannt. Nach dem vermeintlichen Ende der Avengers kommen als nächstes erst einmal Black Widow, Black Panther und Doctor Strange in Einzelgeschichten ins Kino.

04.07.2019 | mz
Kategorien: Feature | Filme