Donnerstag, 2. April 2020
Schönheit & Vergänglichkeit
IMDb
Schon vor dem Mauerfall porträtierte der gelernte Fotograf Sven Marquardt, heute auch durch sein markantes Aussehen als Türsteher des legendären Technoclubs „Berghain“ weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt, die subkulturelle DDR-Berliner Szene in ausdrucksstarken Schwarz-Weiß-Fotografien. Nach 25 Jahren Unterbrechung seines künstlerischen Schaffens erfindet er sich inzwischen noch einmal neu und erlangt mit seinen Ausstellungen, Publikationen und Auftragsarbeiten Weltruhm.
Nacht, Rausch, Exzess und Dunkelheit strahlen seine Werke aus, obwohl sie meist bei Tageslicht entstehen. Die Porträts seiner DJs, Musiker, Türsteherkollegen sind erotisch, lässig, schmutzig und existenziell. Nach Fassbinder, Fünf Sterne und Familie Brasch trifft Regisseurin Annekatrin Hendel in ihrem neuen, wieder sehr persönlichen Film, Sven Marquardt und zwei seiner Weggefährten aus der gemeinsamen Ostberliner Punkzeit: Robert Paris und Dominique „Dome“ Hollenstein.
Der Film erzählt von drei Freunden mit einer gemeinsamen Jugend, deren Werdegang von ihrem künstlerischen Blick auf die Welt, von Radikalität und Offenheit geprägt ist. Aber es ist auch ein Film über die unbedingte Sehnsucht nach Individualität und Unangepasstheit, Rebellion, Älterwerden, Liebe und Freundschaft in ganz unterschiedlichen Wertesystemen. Und es ist ein Berlin-Film. Robert Paris‚ großartige Stadtansichten erzählen vom Wandel der Stadt, vom eigenwilligem Charme menschenleerer Straßen, vernagelter Türen und blinder Fenster – ein ungewöhnlicher Film im 30. Jahr nach dem Mauerfall.

14.03.2020 | mz
Kategorien: Filme