Freitag, 24. Mai 2024
Colm Doherty (Brendan Gleeson) und Pádraic Súilleabháin (Colin Farrell)
Pádraic Súilleabháin (Colin Farrell)
Colm Doherty (Brendan Gleeson) und Pádraic Súilleabháin (Colin Farrell)
Colm Doherty (Brendan Gleeson) und Pádraic Súilleabháin (Colin Farrell)
Gerry (Jon Kenny), Colm Doherty (Brendan Gleeson), Pádraic Súilleabháin (Colin Farrell) und Jonjo Devine (Pat Shortt)
Pádraic Súilleabháin (Colin Farrell) und seine Schwester Siobhán (Kerry Condon)
Pádraic Súilleabháin (Colin Farrell) und Dominic Kearney (Barry Keoghan)
Siobhán Súilleabháin (Kerry Condon) und Dominic Kearney (Barry Keoghan)
Pádraic Súilleabháin (Colin Farrell) und Colm Doherty (Brendan Gleeson)
Pádraic Súilleabháin (Colin Farrell) und Colm Doherty (Brendan Gleeson)
Pádraic Súilleabháin (Colin Farrell) und Colm Doherty (Brendan Gleeson)
Colm Doherty (Brendan Gleeson) und Pádraic Súilleabháin (Colin Farrell)
Pádraic Súilleabháin (Colin Farrell) und Dominic Kearney (Barry Keoghan)
Siobhán Súilleabháin (Kerry Condon)
Pádraic Súilleabháin (Colin Farrell)
Regisseur Martin McDonagh und Colin Farrell am Set
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Pádraic und Colm leben auf einer abgelegenen Insel an der Westküste von Irland. Sie sind schon ihr Leben lang Freunde. Der Schrecken ist groß, als Colm plötzlich beschließt, ihre Freundschaft zu beenden. Mit der Unterstützung seiner Schwester Siobhán, die zusammen mit dem Sohn des örtlichen Polizisten Dominic ihre ganz eigenen Probleme in der kleinen Inselgemeinde hat, versucht der am Boden zerstörte Pádraic, ihre Freundschaft wieder aufleben zu lassen. Doch Colm stellt ihm ein schockierendes Ultimatum, um seine Absicht klarzumachen. Die Ereignisse beginnen zu eskalieren und komplett aus dem Ruder zu laufen…
»Es ist ein Ensemblefilm und somit gibt es viele Stränge in der Handlung«, sagt Colin Farrell. »Die Geschichte erzählt von einem Ort, der nicht wirklich existiert. Er entstammt Martins Fantasie, die mit verschiedenen bekannten Versatzstücken spielt. Aber es geht um zwei Freunde, die nicht mehr länger Freunde sind, und um die Konsequenzen und welche Auswirkungen die Konsequenzen auf die gesamte Gemeinde haben. Es gibt Uneinigkeit und Wahnsinn, Verlust und Leid, und ein bisschen lachen kann man auf dem Weg auch noch.«
Das Filmpublikum wird gleich zu Beginn auf Pádraics Seite gezogen, wenn dieser fortan rätselt, warum Colm ihn nicht mehr mag. Pádraic ist ein liebenswerter, freundlicher Typ, der glücklich in den Tag hineinlebt. »Ziemlich genau so wie der echte Colin Farrell«, merkt Martin McDonagh an.
»In der Geschichte gibt es einen zauberhaften kleinen Esel namens Jenny, der Pádraics guter Freund ist«, erzählt der Filmemacher. »Wir fanden einen großartigen Zwergesel für diesen Part. Sie heißt tatsächlich Jenny und ist ein richtiges Haustier. Dieser Esel kommt ins Haus und sie verbringen Zeit miteinander, und gehen zusammen spazieren. Pádraics Beziehung zu Jenny ist sehr sanft und liebevoll.«
Der Film spielt zur Zeit des irischen Bürgerkriegs vor 100 Jahren. Immer wieder sind Schüsse und Kanonenschläge in der Ferne zu vernehmen, doch niemanden auf der fiktiven Insel Inisherin scheint es zu interessieren. Man fühlt sich weit weg vom Kriegsgeschehen. »Es ist komisch, dass die Menschen auf der Insel noch nicht einmal darüber reden wollen, was sich auf dem Festland abspielt«, sagt Kerry Condon. »Der Krieg kümmert sie nicht. Es ist, als wären sie ein abgetrenntes kleines Land – ein abgetrenntes kleines Alles.«
Was sich allerdings auf Inisherin abspielt (die Trennung von Pádraic und Colm und die immer größeren Risse zwischen den anderen Menschen auf der Insel), ist ein Spiegelbild dessen, was sich auf dem Festland abspielt. »Es gibt allegorische Aspekte bezüglich der Trennung zwischen diesen beiden Männern und der Trennung zwischen den beiden Seiten im Irischen Bürgerkrieg«, merkt Martin McDonagh an. »Es ist eine Geschichte, in der ein winziger kleiner Krieg zwischen zwei Kerlen geführt wird, während gleichzeitig ein größerer Krieg auf der anderen Seite des Wassers herrscht.«
Obwohl es im Film niemals explizit ausgesprochen wird, ist eine alte Frau auf Inisherin, Mrs. McCormick, die Verkörperung der Banshee, der Todesfee. »Sie ist so etwas wie der bösartige graue Wachhund der Insel, die sich körperlich nie groß in die Angelegenheiten der anderen einmischt. Sie hält sich lieber am Rand, schaut von draußen zu«, erklärt Colin Farrell. »Sie scheint eine Art merkwürdiges ätherisches Wissen darüber zu besitzen, wo die Menschen der Insel verletzlich sind. Was ist ihr wunder Punkt? Wo kann man sie am besten angreifen? Sie ist fasziniert vom Tod.«
Sie schein immer zu wissen, was passieren wird, und entweder zieht man sie zu Rate oder macht einen weiten Bogen um sie. »Erzählt diese verrückte alte Vettel wirklich etwas, das unserer Handlung hilft, oder ist sie einfach nur plemplem?«, fragt Produzent Graham Broadbent.
»Mrs. McCormack ist nicht von dieser Welt«, sagt Sheila Flitton über ihre Rolle. »Sie hält sich von den anderen Inseleinwohnern fern, aber beobachtet alles, hört alles. Sie strahlt etwas Bedrohliches aus. Sie sagt voraus, was passieren wird, und pflanzt kleine Fragezeichen in den Köpfen der Zuschauer. Sie ist ziemlich klug, irgendwie überirdisch.«
Der Filmtitel bezieht sich außerdem auf ein Musikstück, das Colm im Verlauf der Handlung komponiert. »Während sich die Geschichte entwickelt und entfaltet, wird das Lied durch Colms Fiddlespiel zu Leben erweckt«, sagt Colin Farrell. »Ich sage, es gibt keine Todesfeen auf Inisherin. Er sagt, dass es vielleicht welche gibt, aber er glaubt nicht, dass sie Männer wirklich ins Verderben schicken. Er denkt, dass sie einfach nur dasitzen und zusehen.«
Colin Farrell und Brendan Gleeson haben bereits 2008 in dem Film Brügge sehen… und sterben? bei Martin McDonagh vor der Kamera agiert. Colin Farrell spielte auch in dessen zweitem Film, 7 Psychos, eine Hauptrolle. »Ich denke, fast die komplette Besetzung hatte in der Vergangenheit schon einmal mit Martin gearbeitet. Jeder kennt jeden, das lässt einem die Arbeit am Drehort leicht von der Hand gehen«, sagt Pat Shortt, der zusammen mit Jon Kenny einst das beliebte irische Komikerduo D’Unbelievables bildete. »Pat ist der Mann hinter der Bar und Jon ist so eine Art Kumpel/Assistent. Sie stehen in gewisser Weise für die Gemeinde. Während sich die Geschichte entwickelt, sieht man all den Witz und Horror durch ihre Augen«, erklärt Martin McDonagh.

Und so kommt es auch, dass jeder mit jedem konnte und das Ganze sich auf das Endprodukt auswirkt. Auf gewisse Weise kann man The Banshees of Inisherin als einen Gutfühlfilm bezeichnen. Der Film beschreibt das idyllische Landleben von vor 100 Jahren auf einer irischen Insel mit all den daraus resultierenden Makeln. Nicht jeder ist dort glücklich. Und was dabei herauskommt, wenn Leute wie Colm oder Siobhán die Schnauze voll haben, immer wieder dieselben einfältigen Gesichter zu sehen, sich künstlerisch und persönlich weiterentwickeln wollen, das kann man in diesem wunderbar fotografierten Film nachvollziehen.
Es war Martin McDonagh wichtig, die erhabene Schönheit, den Glanz der Sonnenuntergänge und der Regenfälle zu zeigen, weil er einen der schönsten Filme aller Zeiten über Irland machen wollte. »Der Sommer in Irland ist eigentlich immer sehr regnerisch, aber als wir drehten, war das Wetter wunderbar. Sehr majestätisch. Die Sonnenuntergänge und der Himmel waren fantastisch, wie ein Geschenk für unseren Film.«
Als der Dreh begann, stand der Sommer gerade am Anfang, und die Tage waren lang und voller Sonnenschein. Als die Wochen voranschritten, änderte sich das Wetter – Regen lag in der Luft, und es gab erste Anzeichen für den Herbst. Diese Atmosphäre wandelnder Jahreszeiten spiegelte die Geschichte dieser derben Tragikomödie wider, die wegen der doch düster-derben Handlung auch erst ab 16 Jahre freigegeben ist.
»McDonaghs Arbeit ist lustig und hat eine anarchische Qualität«, merkt Colin Farrell an. »Aber sie ist auch zeitlos, weil sie bewegend und nachvollziehbar ist. Wir erzählen nicht einfach nur die Geschichte von ein paar Leuten auf einer Insel. Wir befassen uns mit Treue, Freundschaft, Trennung, Einsamkeit, Traurigkeit, Tod, Trauer und Gewalt. Das sind zutiefst menschliche Erfahrungen, mit denen jeder etwas anfangen kann und mit denen jeder von uns schon einmal in Berührung gekommen ist, direkt oder indirekt.«

25.04.2024 | mz
Kategorien: Feature | Filme