Sonntag, 14. Juli 2024
Kitty Oppenheimer (Emily Blunt) und J. Robert Oppenheimer (Cillian Murphy)
Roger Robb (Jason Clarke)
J. Robert Oppenheimer (Cillian Murphy)
Lewis Strauss (Robert Downey jr.) und J. Robert Oppenheimer (Cillian Murphy)
Albert Einstein (Tom Conti) und J. Robert Oppenheimer (Cillian Murphy)
Patrick Blackett (James d'Arcy) und Niels Bohr (Kenneth Branagh)
Ernest Lawrence (Josh Hartnett)
Richard Tolman (Tom Jenkins) und Vannevar Bush (Matthew Modine)
Jean Tatlock (Florence Pugh) und J. Robert Oppenheimer (Cillian Murphy)
J. Robert Oppenheimer (Cillian Murphy) und Kitty Oppenheimer (Emily Blunt)
Kenneth Nichols (Dane Dehaan)
David Hill (Rami Malek)
Lewis Strauss (Robert Downey jr.)
J. Robert Oppenheimer (Cillian Murphy)
Leslie Groves (Matt Damon)
Edward Teller (Benny Safdie)
J. Robert Oppenheimer (Cillian Murphy)
Kitty Oppenheimer (Emily Blunt)
Autor/Regisseur/Produzent Christopher Nolan am Set
Autor/Regisseur/Produzent Christopher Nolan am Set mit Robert Downey jr.
Autor/Regisseur/Produzent Christopher Nolan gibt Regieanweisungen, Cillian Murphy sieht in die Ferne.
Emily Blunt mit Autor/Regisseur/Produzent Christopher Nolan und Cillian Murphy am Set
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Auch in seinem neuesten Werk versucht Christopher Nolan, die Grenzen der filmischen Erzählweise neu auszuloten. Gedreht wurde auf einer Kombination aus IMAX®-65mm- und 65mm-Großbildfilm und zum ersten Mal in der Filmgeschichte mit einigen Sequenzen auf IMAX®-Schwarz-Weiß-Analogfilm.
Mit Oppenheimer taucht der Oscar®-nominierte Drehbuchautor und Regisseur tief in die Psyche eines einzigartigen amerikanischen Genies ein, des Wissenschaftlers, der hinter der bahnbrechenden Erfindung steht, die die Gesamtheit des menschlichen Erfindergeistes darstellte, die Zivilisation neu definierte und die Zukunft der Menschheit gefährdete.
Inspiriert von dem mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Buch „J. Robert Oppenheimer: Die Biographie“ von Kai Bird und Martin J. Sherwin beschreibt der Film das Leben und Vermächtnis von J. Robert Oppenheimer, dem Vater der Atombombe.

»How can a man who saw so much be so blind?«

Lewis Strauss

Während des Drehbuchschreibens lieferte das Werk Christopher Nolan eine Fülle von Erkenntnissen, die ihm dabei halfen, das zu schaffen, was ihn am meisten interessierte: ein kritisches Porträt von Oppenheimer, das zum einen prägende Ereignisse in Szene setzt, sich zum anderen aber auch mit seiner Psyche auseinandersetzt und die Konsequenzen seines Handelns hinterfragt.
Die Geschichte von Oppenheimers Jahren nach dem Manhattan-Projekt bietet eine Außensicht auf seine Arbeit und sein Vermächtnis. Zugleich beleuchtet sie die Motive und Persönlichkeiten von Schlüsselpersonen, die sein Leben beeinflusst haben. Im Mittelpunkt dieser Erzählung steht Lewis Strauss, ein weiterer wichtiger Akteur bei der Gestaltung der amerikanischen Atompolitik nach dem Zweiten Weltkrieg. 1959 nominierte Präsident Dwight D. Eisenhower Strauss für das Amt des Handelsministers.
Der Film ist so komplex, dass man ihn eigentlich mehrmals sehen müsste. Wer sich jedoch kaum oder gar nicht für dieses Thema interessiert oder Christopher Nolans Werke nicht mag, der sollte dem Film fernbleiben! Er wechselt ständig zwischen subjektiven und objektiven Erfahrungen sowie zwischen zwei verschiedenen Anhörungen zu verschiedenen Zeitpunkten hin und her.
Immer wieder wird in Rückblenden der Werdegang des Wissenschaftlers wie auch die privaten Belange aufgezeigt. So trifft Oppenheimer auf Persönlichkeiten wie Albert Einstein, Niels Bohr oder Werner Heisenberg. Diese Szenen sind die einzigen, die irgendwelche Spannnung erzeugen.
Die beiden Anhörungen dagegen sind völlig uninteressant und werden von kurzzeitigen Ausbrüchen oder Gegenargumenten künstlich am Leben gehalten. Diese können in keinster Weise mit der Gerichtsverhandlung in Eine Frage der Ehre mithalten, was aber auch ein ganz anderer Film war.
Zudem erzählt Christopher Nolan den Film aus zwei Perspektiven. Er beschloss, dass die Szenen, die aus Oppenheimers Perspektive erzählt werden, in Farbe dargestellt werden sollten (außerdem schrieb er sie in der ersten Person). Die Szenen, in denen Lewis Strauss im Mittelpunkt steht, sind hingegen in Schwarz-Weiß gehalten. Wer zu Beginn nicht aufpasst, der verpasst schließlich auch die Untertitel der beiden Erzählebenen – Spaltung und Fusion – vermutlich, damit diese Ebenen einen tieferen Sinn bekommen.
Hinzu kommen gelegentliche Schnitte zu suggestiven, surrealen Bildern, die Oppenheimers innere Welt symbolisieren. Hier erkennt man deutlich die Handschrift des Filmemachers, und dies sind auch die einzigen Szenen, die im Kino so richtig beeindrucken, vor allem, da Christopher Nolan auf CGI verzichtete und dafür großen Wert auf praktische physische und physikalische Effekte legte!
»Es ist uns gelungen, eine unglaubliche Sammlung eigenwilliger, persönlicher, beängstigender und wunderschöner Bilder zu schaffen, die den Gedankenprozess eines Menschen widerspiegeln, der beim Paradigmenwechsel von der newtonschen Physik zur Quantenmechanik an vorderster Front stand«, sagt Christopher Nolan. »Jemand, der bei der Betrachtung langweiliger Materie die außergewöhnlichen Energieschwingungen wahrnahm, die in allen Dingen stecken, und der sich fragte, wie man sie entfesseln und nutzen könnte.«
Für die einen ist Oppenheimer der wahrscheinlich genialste Film, für die anderen die Betrachtung langweiliger Materie. Und drei Stunden fordern eine Menge Sitzfleisch! Cillian Murphy in der Titelrolle versucht zwar vermutlich sein Bestes, doch diese großen Augen, die immer so aussehen, als würden sie gleich zu weinen anfangen (Er tut es schließlich auch!), starren immer wieder ins Leere.
Ja, es ist ein Kunstgriff, die Handlung so zu präsentieren. Für mich hat sie jedoch, wie schon bei Tenet, so gar keine Euphorie erzeugt. Und wenn man solch ein Experiment von einem Schauspieler tragen lässt, der die Ausstrahlung eines Sacks Kartoffeln besitzt, beabsichtigt oder nicht, kann der Film auch nicht so recht das ganze Publikum abholen.
Vermutlich müsste man den Film mehrmals sehen, aber dafür ist mir die Zeit zu schade. Barbie, der klamaukige und satirische Seite des „Barbenheimer“-PR-Phänomens, nimmt zwar die mit, die an Oppenheimer nicht interessiert sind, doch dafür läuft man dort nicht Gefahr, wegzudösen…

25.01.2024 | mz
Kategorien: Feature | Filme