Samstag, 23. Oktober 2021
Kabul Kinderheim
The Orphanage
Quodrat und Hasib unterwegs
📷 Virginie Surdej - © Steppenwolf
Der junge Qodrat ist großer Kinofan und Schlitzohr zugleich: Auf dem Schwarzmarkt in Kabul verkauft er überteuerte Tickets für Blockbusterfilme. Dies wird ihm zum Verhängnis, als er von den Behörden aufgegriffen und in ein sowjetisches Kinderheim geschickt wird. Dort schließt er schnell neue Freundschaften, verliebt sich zum ersten Mal und begibt sich auf eine neue Reise. Im Hintergrund dieser Erwachsen-werd-Geschichte brodeln die politischen Veränderungen des Landes in den 1980er Jahren.
Auf realen Ereignissen und auf den unveröffentlichten Tagebüchern des Schauspielers Anwar Hashimi basierend, skizziert der Film mit Zärtlichkeit und Humor das Bild einer Zeit im Übergang. Durch den neugierigen und fantasievollen Blick der jugendlichen Protagonisten erzählt Regisseurin Shahrbanoo Sadat vor dem Hintergrund der politischen Unruhen im Afghanistan der 1980er Jahre eine Geschichte von Freundschaft und Solidarität, eine Liebeserklärung an die Macht des Kinos, zum Träumen einzuladen. Der Film zeigt ein multikulturelles Kabul Ende der 1980er Jahre, in dem popkulturelle Einflüsse aus Bollywood, der sowjetischen Besatzung und großem Hollywoodkino in einem überraschenden Miteinander zusammenkommen.
Shahrbanoo Sadat war mit ihrem Langfilmdebüt Wolf and Sheep (2016) die erste afghanische Spielfilmregisseurin. Für diesen Film erhielt sie den Art Cinema Award bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes. Ihr zweiter Langspielfilm, Kabul Kinderheim, feierte 2019 in Cannes unter dem internationalen Titel The Orphanage bei der Quinzaine des Réalisateurs Premiere. Sie hatte vor ihrer Flucht aus Afghanistan begonnen, am dritten Teil dieser auf fünf Teile angelegten Reihe über die Erinnerungen von Anwar Hashimi zu arbeiten.
Die Filmemacherin hat es kürzlich mit der Unterstützung der Filmproduzentin Katja Adomeit und einer Soli-Aktion des Berliner Wolf-Kinos geschafft, Afghanistan zu verlassen, und hat mittlerweile mit weiteren Personen aus ihrem professionellen und privaten Umfeld Deutschland erreicht. Das Verleihlabel Steppenwolf möchte mit Kabul Kinderheim auch auf die immer noch prekäre Situation von Tausenden von besonders gefährdeten Afghanern und internationalen Unterstützenden aufmerksam machen, die sich noch im Land aufhalten und auf ihre Ausreise warten.

09.10.2021 | mz | Quelle: Wolf Berlin
Kategorien: Filme