Mittwoch, 8. Dezember 2021
Regan wartet gespannt.
📷 Jonny Cournoyer | © Paramount Pictures
2018 hielt John Krasinski in seinem Horrorfilmdebüt A quiet Place das Kinopublikum in Atem. Außerirdische Wesen sind auf der Erde gestrandet und jagen alles, was einen Pieps von sich gibt. Plappermäuler haben hierbei schlechte Karten. Zwei Jahre später ließ sich der Ausnahmeregisseur dazu überreden, eine Fortsetzung zu drehen – hauptsächlich, um sicherzustellen, dass kein Anderer sein Werk verhunzt.
Pandemiebedingt kommt nun Teil 2 endlich in die Kinos. Paramount hat permanent darauf bestanden, den Film nicht als Onlinepremiere herauszubringen. Allerdings müssen alle, die sich nicht den Corona-Restriktionen aussetzen wollen oder können, demnach noch länger warten, bis der Film ins Heimkino kommt. Im Kino mit Popcorn-Knabberei geht so ein Film auch überhaupt nicht. Entweder man ist muxmäuschenstill oder setzt sich Kopfhörer auf, um den vollen Grusel zu „genießen“.
A quiet Place 2 beginnt mit der Vorgeschichte zum ersten Film, der am Tag 89 nach der Invasion begann. Er zeigt uns zunächst die „Landung“ der Außerirdischen und den Angriff auf die idyllische US-Kleinstadt. John Krasinski, allen bekannt als Jim Halpert aus Das Büro oder als Jack Ryan in der gleichnamigen TV-Serie, zeigt nach seiner Familiendramödie Die Hollars nun, dass er auch spannendes Actionkino machen kann. Erfahrungen hat er ja in seinen zahlreichen Filmen als Schauspieler sammeln können.
Nach der fulminanten Eröffnung springt der Film dann auf ein Jahr nach den Ereignissen des ersten Films. Die Abbots haben sich von ihren schrecklichen Verlusten distanziert, das Baby ist da und die Familie scheint ihren Alltag in Stille gut zu meistern. Babys schreien, also musste auch eine Vorrichtung her, um es leisezustellen – eine geniale Erfindung: eine schallsichere Kiste, die mit einer Flasche Sauerstoff versorgt wird. Auch auf ihren Wegen in die Umgebung der Farm haben sie Sand gestreut, um so wenig Geräusche wie möglich zu machen.
Allerdings hinkt die ganze Prämisse ein wenig, was das Ganze auch wieder spannend macht. Wieviele Außerirdische sind da draußen? Wie laut darf man sein, um die Geräusche der Natur nicht zu übertönen? Besitzen die Außerirdischen einen akustischen Filter für Naturgeräusche? Das alles sind Fragen, auf die wir auch in diesem Film keine Antwort bekommen.
Als dann jedoch ihr Haus niederbrennt, sehen sie sich dazu gezwungen, ihre heile Umgebung zu verlassen. Auf der Suche nach anderen Überlebenden treffen sie auf den zwielichtigen Emmett, der ihnen Unterschlupf in seiner Fabrik gewährt. Auf der Suche nach Sauerstoff für die Babytruhe kommt die schalldichte Hochofenkammer als Übergang gelegen. Die schwerhörige Regan, die nach dem Tod ihres Vorbilds dessen Aufgabe übernimmt, ihre Mutter und ihre Geschwister zu beschützen, ist sich des Risikos bewusst, allein unterwegs zu sein, keine Geräusche zu machen. Aber sie, bzw. ihr Hörgerät, ist der Schlüssel für den Kampf gegen die Invasoren. Und irgendwo da draußen sendet zudem jemand Bobby Darins „Beyond the Sea“ über den Äther…

Was A quiet Place und dessen Fortsetzung so mitreißend macht, ist der Aspekt des familiären Zusammenhaltens und Überlebens, den wir schon in zahlreichen TV-Serien beobachten konnten – sei es in den Walking Dead-Produktionen, Falling Skies oder Colony. Natürlich sind es auch die Akteure – allen voran natürlich John Krasinski, der auch im Prolog des zweiten Films noch einmal zu sehen ist, sowie „der Engel von Verdun“ Emily Blunt, die als eine Art Sarah Connor die Waffe geladen hoch hält, um ihre Liebsten zu beschützen.
Millicent Simmonds, die auch in der Fortsetzung Tochter Regan auf dem Weg zur Erwachsenen spielt, bietet eine besonders kraftvolle Darstellung, die sie hier quasi zur Hauptfigur werden lässt, die die Geschichte voran bringt. Cillian Murphy spielt wie immer eine undurchsichtige, unsympathische Figur, die nach und nach die Masken fallen lässt. John Krasinski schafft es, die Spannung und Dramatik des ersten Films aufrecht zu halten. Man kann den Film auch gucken, wenn man den Vorgänger nicht gesehen hat, doch wie immer empfiehlt es sich, um Kleinigkeiten und Hintergründe besser zu erkennen. Und wer weiß, vielleicht gibt es ja in zwei Jahren wieder eine Fortsetzung…

01.07.2021 | mz | Quelle: Paramount Pictures
Kategorien: Feature | Filme