Donnerstag, 25. April 2024
Spuk unterm Riesenrad
Tammi benutzt die drei Gestalten für ihren Soziale-Medien-Wettbewerb, um mehr „Likes“ zu bekommen.
📷 Jens Hauspurg - © MIDEU Films GmbH | KiKA | farbfilm
Tammi ist genervt. Statt nach Formentera, von wo sie ihren Followern schon traumhafte Fotos versprochen hat, muss sie mit Mutter Simone zur Beerdigung des ihr völlig fremden Opas irgendwo in die Pampa, inklusive Kennenlernen von Tante Britta und deren Kindern.
In dem total uncoolen Freizeitpark gibt es nicht mal Handy-Empfang und mit Cousin Umbo (von dem man die ganze Zeit über denkt, er wäre ein Mädchen) nebst Cousine Keks kann sie wenig bis nichts anfangen.
Doch dann erwachen bei einem Gewitter drei abgehalfterte Geisterbahnfiguren zum Leben! Hervorragende Verbündete für ein ordentliches Chaos, glaubt Tammi, um endlich aus dieser Einöde zu entkommen. Nur leider hat sie die Rechnung ohne die Familie und den Eigensinn der Geister gemacht. Plötzlich wollen alle den Freizeitpark übernehmen…

»Aber was ich immer sage: Alles hat auch seine Vorteile, sage ich.«

Jackel

Als die erste Pressemeldung hereinschneite, dachte ich: Nee! Wat? Die gleichnamige DDR-Fernsehserie, die ab 1979 ausgestrahlt wurde, avancierte damals sofort zum Publikumsliebling und ist auch heute noch beliebt wie eh und je. Also warum jetzt sowas? Gut, eine zeitgemäße Adaption ist nicht unbedingt falsch, aber was „Die Köbris“ und Thomas Stuber da verzapft haben, kann man nicht mit dem Original vergleichen!
Ein pupsendes Punkte-Pony kann die öde Geschichte nicht retten. Das Einzige, das vom Original übrig blieb, sind Oma und Opa, die sich um das Geschäft kümmern, die Namen der Kinder und die Tatsache, dass drei Figuren aus der Geisterbahn eines Rummels zum Leben erweckt werden und für Chaos sorgen.
Aus Tammi wurde sogar ein Mädchen, und, wie schon angemerkt, Umbo wirkt eher mädchenhaft – es wird auch nie erwähnt, dass er ein Junge ist! Aber okay, dafür ist Umbo die einzige Figur in der Geschichte, die sich an gar nichts stört und einfach nur Spaß hat.
Zeitgemäß gibt es jetzt Internet (außer auf dem Rummelplatz) und Soziale Medien und jede Menge englische Wörter im Sprachgebrauch. Familien sind auch hier eher gescheiterte Existenzen, Eltern sind kaum noch Respektpersonen. Aber warum muss man aus der Geschichte eine unwitzige Klamotte machen?
Die Figuren sind allesamt karikiert und überspitzt, kaum etwas wirkt echt. Die Geisterbahnfiguren sind ein Witz, flößen kaum Angst ein und singen dann auch noch! Das Lied ist zwar eingängig, aber der Text ist sowas von stupide, dass man den Auftrag hört: Macht mal ein Lied zum Thema „Spuk unterm Riesenrad“! Zudem wird glaube ich nicht einmal erwähnt, dass der Zwerg mit dem heißen Finger Rumpelstilzchen sein soll!
🎡
Man erkennt die Handschrift des Kinderkanals – fehlt nur noch ein Gastauftritt von Brot Bernd. Bei der Titeleinblendung hat man sich offensichtlich visuell und akustisch an Stranger Things orientiert. Die Spannungsmusik erinnert teilweise ein wenig an Brad Fiedels Terminator-Thema, an anderen Stellen aber auch unzeitgemäß an die 80er Jahre.
Auch wenn die Spezialeffekte oft zurückhaltend eingesetzt wurden, wirken sie eher erwartungsgemäß als überraschend auffällig oder mitreißend. Man vermisst die Komik des Originals genauso wie die Ernsthaftigkeit der Nebenfiguren, insbesondere der Polizisten, geschweige denn die angsteinflößenden Märchenfiguren!
Spuk unterm Riesenrad anno 2024 ist ein unterhaltsamer, harmloser Kinderspaß, der in keinster Weise mit dem Original mithalten kann. Ich kann nur hoffen, dass es nicht auch noch eine Neuauflage von Spuk im Hochhaus geben wird…

05.03.2024 | mz
Kategorien: Kino