Montag, 28. November 2022
Plan A
Tzvi, Anna und Max schmieden
einen tödlichen Plan.

© Camino Filmverleih
Eine unfassbare, beinahe unbekannte und wahre Geschichte, die gleichermaßen berührt und schockiert – 1945 plant eine Gruppe Holocaust-Überlebender die größte Racheaktion der Geschichte: Für jeden ermordeten Juden soll ein Deutscher sterben. Doch kurz bevor der erste Giftanschlag ausgeführt werden kann, wird der Plan aufgedeckt.
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    »If you give someone the slightest feeling of hope, they will do anything.«
    Max
Die israelischen Filmemacher Doron und Yoav Paz erzählen uns eine Geschichte, die so unglaublich logisch erscheint, von der bis jetzt kaum jemand gehört hat, die jedoch tatsächlich stattgefunden hatte! Die geradlinig erzählte Geschichte handelt vom Holocaust-Überlebenden Max, der auf der Suche nach seiner Frau und seinem Sohn auf die Jüdische Brigade trifft – israelische Soldaten unter britischem Kommando, die überlebende Juden aufsammeln und nach Palästina verschiffen, im Geheimen jedoch Kriegsverbrecher und wichtige Köpfe des Nazi-Regimes jagen und hinrichten.
Im Auffanglager bekommt Max jedoch Gewissheit, dass seine Familie nicht mehr am Leben sei, und beschließt, sich dem Soldaten Michael und der Brigade anzuschließen. Als die Brigade schließlich heimgerufen wird, bleiben Michael und ein paar Hartgesottene in Deutschland, denn sie haben von den Plänen der Nakam erfahren, eine jüdische Untergrundorganisation, die sich das Ziel gesetzt hat, sich an allen Deutschen zu rächen.
Nachdem Max zuvor im Wald Anna das Leben rettet, die zur Nakam gehört, bittet Michael ihn, die Gruppe zu infiltrieren, um die Pläne der Nakam zu durchkreuzen. Doch mit seiner inneren Wut, zusätzlich durch den Verlust seiner Familie, fasst er den Entschluss, die Gelegenheit zu nutzen, die Nakam bei ihrem Vorhaben zu unterstützen.
Mit Abba Kovner als charismatischem Anführer, planen sie die größte Racheaktion der Geschichte. Sie schleusen sich als Arbeiter in den Wiederaufbau der Wasserwerke ein, mit nur einem Ziel: das Trinkwasser in Nürnberg, Köln, München, Berlin und Hamburg zu vergiften und somit sechs Millionen Deutsche zu töten – einen für jeden der von den Deutschen ermordeten Juden.

»Im Rahmen unserer Recherche für den Film führten wir stundenlange Interviews mit Überlebenden der Nakam-Gruppe, die eine aktive Rolle in diesem monströsen Racheplan spielten. Wir erlebten Menschen mit einem moralischen Gewissen und einem hohen Ausmaß von Selbstreflektion über die Situation, in der sie sich vor vielen Jahren befunden hatten – einer Situation, in der sie sich mit Rache anfüllten, um überhaupt weiter existieren zu können«, erzählen die Filmemacher.
»Während wir immer tiefer in die Seelen dieser Menschen eintauchten, wurde uns klar, wie schwierig es für sie wurde, unschuldige Menschen zu töten, um den Tod ihrer Familien zu rächen. Vitka Kovner [die weibliche Hauptrolle Anna ist an sie angelehnt] sagte, die Rache würde sie „innerlich auffressen“. Es war spannend und bewegend, von den emotionalen Konflikten zu hören, die Mitglieder der Gruppe bei der Planung, Vergeltung zu verüben, dennoch empfanden. Dieser Konflikt ist der dramaturgische Antrieb, der uns in dieser Geschichte fasziniert hat. Kann man selbst das Monster werden?«
Der Film ist zunächst recht mitreißend und -leidend. August Diehl spielt hervorragend! Doch irgendwie sind Max‘ Wandlungen nicht so richtig nachvollziehbar. Vielleicht wird zu viel vorausgesetzt oder man wollte nicht zu viel hinzu dichten. Auf jeden Fall bleibt am Ende die Unzufriedenheit – vielleicht, damit man sich mit den Personen der Handlung identifizieren kann? Es ist jedoch überraschend, dass diese Geschichte bislang noch nie erzählt bzw. bekannt gemacht worden ist.
»Die Erinnerung an den Holocaust aufrecht zu halten, ist eine Aufgabe und große Verantwortung, die unsere Generation sehr bald schon alleine tragen wird, da es nicht mehr viele Überlebende gibt«, erzählen die Paz-Brüder weiter. »Die Erinnerungskultur wird also nur noch aus weitergegebenen Erinnerungen genährt werden. Wir sind der festen Überzeugung, dass jede Generation ihre ganz eigenen Filme machen muss, um das Thema am Leben zu erhalten, um die Toten des Holocaust zu ehren und für die Zukunft daraus zu lernen.«
Am Ende bleibt die Frage, die Max in den Raum stellt: „Was würdest du tun?“ – Das ist eine Frage, die man lieber den Flüchtlingen stellen sollte, die derzeit aus Syrien und Afghanistan kommen. Wir, die Völkermord nur aus Geschichtsbüchern, Filmen oder den Nachrichten kennen, können das gar nicht so recht nachempfinden. Auch dieser Film schafft das nur ansatzweise. Da gab es schon ganz andere Filme, die das Grauen sehr detailliert aufgezeigt haben. Es ist jedoch eine Geschichte, die erzählt werden musste. Sie handelt vom Kampf zwischen Rache und Menschlichkeit. Es ist eine wichtige Geschichte, die unserer heutigen Gesellschaft den Spiegel vorhält. Und am Ende steht die Botschaft in großen Lettern geschrieben: NIE WIEDER!

22.08.2022 | mz
Kategorien: Feature | Filme