Samstag, 1. Oktober 2022
OJ Haywood, Angel Torres und Emerald Haywood
© Universal Studios
Nach dem gesellschafts-satirischen Schocker Get out und dem anspruchsvoll-blutigen Wir präsentiert Jordan Peele nun seinen dritten Horrorfilm. Diesmal widmete er sich der Bedrohung von ganz weit draußen. Em und OJ sind die Eigentümer einer Farm für Hollywood-Filmpferde. Ihre kalifornische Haywood-Ranch, weitab von den ersten Anzeichen menschlicher Zivilisation, ist bereits seit Jahrzehnten in Familienbesitz. Eines Nachts beobachten sie auf ihrem Land schockierende Phänomene, für die es keinerlei Erklärung zu geben scheint. Dabei ahnen sie nicht, dass es sich nur um die Vorboten eines grauenerregenden Geheimnisses handelt…
  • Nope 02Nope 02

    »It's the dream you never wake up from.«

    Antlers Holst

Mit Get out und Wir hat Jordan Peele zwei Filme geschaffen, die nicht nur äußerst erfolgreich waren, sondern das Horrorgenre auf einzigartige Weise neu definiert haben. Umso begieriger war er darauf, sein filmisches Œuvre zu erweitern und sich einer Herausforderung zu stellen, die es in seiner bisherigen Karriere noch nicht gegeben hatte. Also beschloss er, einen Sommer-Ereignisfilm zu drehen. Als er damit begann, seine Möglichkeiten auszuloten, hatte er das Gefühl, dass ein ganz bestimmtes Subgenre des Sommer-Ereignisfilms reif für eine Neuinterpretation war. »Ich hatte die Idee, einen großen amerikanischen UFO-Film zu drehen – einen Horrorfilm über fliegende Untertassen«, so der Filmemacher.
»Aber nicht einfach nur irgendeinen UFO-Horrorstreifen, sondern den ultimativen Film dieses Genres. Das ist schon deshalb schwierig zu realisieren, weil man ein sehr weites Feld im Blick behalten muss – nämlich den Himmel. Die unheimliche Begegnung der dritten Art war eine große Inspiration für mich, was den Umfang und die Vision angeht. Vor allem aber inspirierte mich Steven Spielbergs Fähigkeit, uns das Gefühl zu geben, dass wir uns in der Gegenwart von etwas befinden, das aus einer anderen Welt stammt. Dieses intensive Gefühl wollte ich unbedingt auch erreichen. In diesem Genre tauchen oft hochentwickelte außerirdische Zivilisationen mit wunderbaren Eigenschaften auf. Aber was wäre, wenn die Wahrheit viel einfacher und düsterer ist, als wir es uns jemals vorstellen können?
Die Frage, ob es nun der UFO-Film schlechthin ist, wage ich zu beneinen. Jordan Peele versucht zwar, mit Hoyte van Hoytemas IMAX®-Kameras visuell die Weite der hügeligen kalifornischen Wüstenlandschaft einzufangen, doch kann das höchstens im IMAX®-Kino eingefangen werden. Immerhin schaffen es die dissonanten Töne von Michael Abels, mit dem er bereits seine ersten beiden Filme untermahlt hat, ein wenig Spannung zu erzeugen.
Hinzu kommt, dass Daniel Kaluuya scheinbar immer minimalistischer agiert. Hier zeigt er so gut wie keine Emotionen, wirkt belanglos und anteilslos, was sich auch auf die Zuschauer überträgt. Filmschwester Keke Palmer hingegen, die bereits in Serien wie Scream Queens und Scream Horrorerfahrung gesammelt hat, ist der menschliche Wirbelwind des Films. Der außerirdische Wirbelwind wirkt zunächst noch einschüchternd, so aus der Ferne. Doch als dieser dann näher betrachtet wird, kommt es einem so vor, als wenn die UFO-Szenen „geschwedet“[1] wurden. Die Effekte wirken eher lächerlich und man fragt sich, ob das so gewollt war.
Zudem beleuchtet der Filmemacher in einer Nebenhandlung die Geschichte hinter den von Steven Yeun gespielten Vergnügungsparkchef Jupe, der einst ein Kinderstar einer Sitcom mit einem Affen war – bis dieser ausrastete. Es hätte schon gereicht, es bei der Erzählung der Geschichte zu belassen, aber vermutlich wollte der Filmemacher auch noch ein wenig Blut im Film unterbringen. Und so zeigt er diesen Ausraster mit weitaus besseren Effekten, die wir bereits aus den neuen Planet der Affen-Filmen kennen. Wie auch dort stellte sich hier auch wieder Standard-Mo-Cap-Stand-in Terry Notary zur Verfügung.
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Zu allem Überfluss geht Jordan Peele auch nicht näher auf das UFO ein. Dessen Hintergründe und Motive bleiben außen vor, auch bleibt es scheinbar bei dem einen UFO, das man inzwischen, wie wir im Film lernen, nicht mehr UFO sondern UAP (Unidentified Aerial Phenomena) nennt. Die merkwürdige Mischung aus A quiet Place und Im Land der Raketenwürmer kann sich bei weitem nicht mit ultimativen Kultfilmen wie Spaceballs oder Galaxy Quest messen, aber mit ein wenig Alkohol und geringen Erwartungen kann man auch bei Nope ein wenig mehr Spaß haben. Ja, es gibt ein paar witzige Einfälle und Lacher, aber es ist weder ein Film, den man gesehen haben muss, noch ein weiteres Mal sehen müsste – frei nach der These von OJ: Wenn man diesen Film nicht sieht, kann er einem auch nicht missfallen…

22.08.2022 | mz
Kategorien: Feature | Filme