Samstag, 24. Juli 2021
Tom und Alice
© Warner Brothers
Christian Ditter, der sich mit Love, Rosie von der deutschen Filmwelt verabschiedet hat, präsentiert, u.a. produziert von Drew BarrymoreFlower Films, eine amüsante Komödie aus der Single-Großstadt New York. »Ich wollte eine wirklich moderne und frische Aufnahme des Komödiengenres machen, das sich mit feiern, Spaß haben und Dating befasst – eine Momentaufnahme davon, was es heutzutage bedeutet, Single zu sein«, sagt der Regisseur. »Eine Menge Filme handeln von Männern und Freuen, wie sie versuchen, den richtigen Partner zu finden. Das ist dieser jedoch nicht. Es geht darum, sich den größten Spaß und die freie Lebenszeit eigen zu machen, und dabei seinen Platz in der Welt zu finden, Freunde zu finden, herauszufinden, was du mit deinem Leben anfangen willst.«
Und genauso erinnert der Film eher dem schon recht antiquierten Singles – Gemeinsam einsam von 1992. Der Film geht der Frage nach: Wie soll man sich als Single verhalten? Man kann es richtig machen, man kann es falsch machen …und man kann es wie Alice machen. Und Robin. Lucy. Meg. Tom. David. In New York City gibt es Tausende einsamer Herzen, die sich nach dem richtigen Partner sehnen – für die große Liebe, für eine Nacht oder irgendwas dazwischen. Was all diese Unverheirateten zwischen den anzüglichen SMS und ONS gemeinsam haben: In einer Welt, die von ständig wechselnden Definitionen des Begriffs Liebe geprägt ist, müssen sie lernen, wie man sich als Single verhält.
Dakota Johnson, die nach einer Reihe Dramen mal wieder in einer Komödie zu sehen ist, spielt Alice, die nach dem College in sich geht und merkt, dass sie noch nie allein gewesen war. Sie hatte immer jemanden zum Anlehnen – ihre Eltern, ihre Schwester, ihr Freund, der es ernst mit ihr meint. Doch sie will eine Auszeit, was eigentlich Trennung bedeutet. Also zieht sie in die Großstadt zu ihrer Schwester Meg und stolpert an ihrem ersten Arbeitstag als ReNo-Gehilfin über die wilde Robin, die Alice sogleich ins New Yorker Partyleben entführt.
Dann ist da Lucy, die ihr Glück via Dating-Netzseiten auf der Suche nach dem Einen versucht und über der Bar von Tom einzieht. Doch das W-LAN ist dort schlecht zu empfangen (sehr netter Gag mit dem Netzwerknamen „It hurts when IP“), also setzt sie sich fortan an Toms Theke, der sich an der Frau einen Narren gefressen hat, die ihm das großstädtische Single-Prinzip anhand von Erdnüssen erklärt. Und dann ist da noch Meg, Alices ältere Schwester, eine Ärztin, die im Krankenhaus Babys zur Welt bringt und für ihren Job lebt. Da müssen erst Alice und ihre neue Freundin Robin kommen und ihr klar machen, dass es noch ein Leben neben dem Beruf gibt.
Als Meg dann eines Tages mit einem Baby alleingelassen wird, ist sie zunächst genervt, doch nach ihrem Monolog mit dem Baby, das sie so süß anschaut, erwacht wieder ihre biologische Uhr und sagt schließlich dem Baby: „Okay, du gewinnst.“ Sie trifft dann auf den viel jüngeren Ken, der sich Hals über Kopf in sie verliebt. Sie genießt zwar die Momente mit ihm, bleibt jedoch skeptisch. Als sie sich dann auch noch „fremdbefruchten“ lässt, versucht sie, Ken auszuweichen, doch dieser hat sich bereits auf Meg festgelegt, komme was wolle.
Alice macht mit Tom rum, findet einen Verehrer in dem Single-Vater David und wird letztlich von ihrem Ex Josh gestalkt. Sie verkracht sich mit Robin und kommt hinter ihr Geheimnis, als sie sich mit ihr versöhnen will. Und Lucy findet dann doch bei einem Frustablasser bei einer Märchenvorlesung ihre passende Erdnuss. Während also die Herren um die Damen buhlen, spielen diese mit den Herzen jener.
Was den Film so sehenswert macht, ist nicht nur das ausgeklügelte Drehbuch mitsamt den witzigen Einlagen, auch die Schauspieler, die nicht nur ihren Spaß bei dem Projekt hatten, sondern auch ihre Figuren voll nachvollziehbar herüberbringen, allen voran Dakota Johnson, die nicht nur die Männerherzen erobert, sondern auch den Film leicht wie eine Feder durch den Kinosaal trägt, und natürlich das unübliche Ende, dass nicht jeder der Film-Singles den passenden Deckel zum Topf findet. Darüber hinaus lernen wir, was LTRP bedeutet, wieviele Drinks man zusammen haben kann, bevor man mit demjenigen schläft, über Geschlechtsteilähnlichkeiten mit Gandalf und was man aus der Serie Dexter so alles gelernt hat. Und wenn Alice am Ende des Films den Grand Canyon entlang wandert, möchte man ihr einfach zu gerne folgen…

09.07.2021 | mz
Kategorien: Feature | Filme